Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

An meinem Blog.Frei.Tag war Zeit, um mir das Interview mit Prof. Dr. Niko Paech „Wachstum? Nein, danke!“ anzusehen.

Inspiriert von den vielen wunderbaren Gedanken, habe ich mich auf die Suche gemacht und bin auf eine ganze Fülle von interessanten Berichten und Informationen gestoßen.

Grundzüge einer Postwachstumsökonomie

Als „Postwachstumsökonomie“ wird eine Wirtschaft bezeichnet, die ohne Wachstum des Bruttoinlandsprodukts über stabile, wenngleich mit einem vergleichsweise reduzierten Konsumniveau einhergehende Versorgungsstrukturen verfügt.

Der Weg zur Postwachstumsökonomie umfasst fünf Entwicklungsschritte, die sich auf einen Wandel von Lebensstilen, Versorgungsmustern, Produktionsweisen und auf institutionelle Innovationen im Bereich des Umgangs mit Geld und Boden beziehen:

1. Entrümpelung und Entschleunigung
2. Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung
3. Regionalökonomie
4. Stoffliche Nullsummenspiele
5. Institutionelle Innovationen

Das alles gibt es im Detail und mit Erklärungen nachzulesen auf der Homepage von Dipl.-Ökonom Werner Onken und Prof. Dr. Niko Paech im Beitrag Grundzüge einer Postwachstumsökonomie

Auch der ORF berichtet

Nachzulesen und vor allem nachzuhören im Beitrag Prof. Dr. Niko Paech: „Befreiung vom Überfluss – Aufbruch in die Postwachstumsökonomie“

Finanzkrisen belegen das Scheitern des auf Wachstum und Fremdversorgung basierenden Wohlstandmodells. Niko Peach stellt in diesem Beitrag das Konzept „Postwachstumsökonomie“ vor.

Die Focus-Sendung zum Nachhören ist einfach nur genial und inspirierend und geht für mich sogar noch weiter in die Tiefe als das YT-Video, was mein Ausgangspunkt war.

Besonders spannend fand ich die Zusammenhänge zwischen Depressionen, dem Faktor Zeit und dem Konsumrausch der Wegwerfgesellschaft. Unbedingt anhören!

11 Schritte zu einer Wirtschaft ohne Wachstum

Für seinen Blog „Experiment Selbstversorgung“ führte Michael Hartl ein Interview mit Herrn Prof. Paech, dessen Leitmotiv „Weg mit dem Wohlstandsschrott, der nur unser Leben verstopft!“ ist.

Ganz konkret werden 11 Schritte zu einer Wirtschaft ohne Wachstum angeführt, die jeder einzelne dazu beitragen kann.

Das Interview „Wachstum? Nein, danke!“ für alle

„Wachstum ist schädlich, ungerecht und plündert die Natur“, sagt der Volkswirtschaftler Prof. Niko Paech.

Er plädiert für mehr Eigenleistung, für gemeinschaftliche Nutzung von Gütern und für weniger industrielle Produktion. Und er lebt selbst vor, was er fordert.



Buchtipp:

Befreiung vom Überfluss: Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie
von Prof. Niko Paech

Eine Rezension zu diesem Buch ist ebenfalls im Blog Experiment Selbstversorgung zu finden.


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29 Kommentare zu “Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

  1. Den Herrn Paech habe ich vor eingen Jahren an der örtlichen VHS gehört und anschließend noch an einer Diskussionsrunde teilgenommen. Da gabe es hier eine Reihe, das nannte sich: Einfach mal die Welt retten… und ich habe viele der Vorträge besucht. Das hat viel bei mir dazu beigetragen, das ich heute so lebe, wie ich lebe.

  2. Hallo Maria,

    ich beschäftige mich auch ein wenig mit der Postwachstumsökonomie und bin dabei wie Du schnell auf Nico Paech gestoßen. Er macht sich mit seinen Vorschlägen keine Freunde, wird von vielen Ökonomen und selbst von Nachhaltigkeitswissenschaftlern eher belächelt.

    Und seien wir ehrlich, wir können uns so ein reduziertes Leben nicht vorstellen, ein Leben, in dem wir nicht mehr um die Welt jetten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, unseren Konsum reduzieren, nur noch 20 Stunden arbeiten, Gemüse selbst anbauen und uns überwiegend pflanzlich ernähren.

    Wenn wir uns da nicht noch umschauen werden! Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns ändern müssen. Die Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland liegen bei über 11 Tonnen CO2-Äquivalent. Für die Umwelt noch verträglich sind 2,7 t CO2-Äquivalent. Selbst mit Erneuerbare Energie, nachhaltigem Konsum usw. ist so ein Wert niemals zu erreichen. Mit unserer auf Wachstum ausgelegten Wirtschaft werden wir nicht mal unter 10 Tonnen CO2-Äquivalent kommen.

    Der Ausweg scheint ein völlig anderer Lebensstil zu sein, ein minimalistischer und wirklich nachhaltiger Lebensstil. In Paechs Vortrag (den Du oben glaube ich nicht verlinkt hast) „Zeitknappheit, Konsum und Glück“ geht es darum, wie dieser Lebensstil ausschauen könnte: https://www.youtube.com/watch?v=lI0Xc2CWPjM

    Viele Grüße

    Christof

    • Hallo Christof!

      Danke für Dein sehr ausführliches Kommentar und den zusätzlichen Link.

      Noch vor 5 Jahren konnte ich mir auch nicht vorstellen, so anders zu leben. Nicht weil mir die Phantasie dazu fehlte sondern einfach weil ich nicht darüber nachgedacht hatte.

      Inzwischen habe ich Menschen kennen gelernt, bei denen diese Form des minimalistischen Lebens funktioniert und nicht nur das, sie sind dadurch auch noch glücklicher.

      Je mehr ich mein Leben reduziere, desto ruhiger und ausgeglichener werde ich.

      Dass immer mehr Menschen so denken, finde ich einfach großartig.

      lg
      Maria

      • Gerne!

        Ich zähle mich ja auch zu diesen Menschen, leben immer einfacher, blogge – wie Du weißt – über das minimalistische und nachhaltige Leben, verkaufe nun im Frühjahr mein Auto usw.

        Ob wirklich „immer mehr Menschen so denken“ bezweifel ich ehrlich gesagt. Die Zahlen (BIP, Pro-Kopf-Emissionen) sagen ja etwas anderes. Vielleicht nehmen wir es nur so wahr, weil wir uns damit beschäftigen.

        Einfach bewusste Grüße

        Christof

      • Hallo Christof!

        Sicher wird das Bild durch die eigene Fokussierung verfälscht, dennoch erkenne ich bei vielen, die ich schon lange kenne, ein Umdenken.

        Leider ist es so, dass der „kleine Mann“ in der Masse der Industrie untergeht und das ist es, was die negativen Zahlen in die Höhe treibt.

        Trotzdem oder gerade deshalb halte ich es für so wichtig, Zeichen zu setzen. Irgendwann wird auch die trägste Industrie reagieren müssen.

        lg
        Maria

  3. Hallo Maria,
    was wäre ich ohne dich und Frankas Blog (Kunterbunt), da geht mir der Lesestoff bei meiner Nullbuchdiät wirklich nicht aus! Und jeden Tag finde ich bei euch ein Thema, welches mich mehr oder weniger aktuell beschäftigt. Einfach toll ist das. Obwohl ich dadurch selber (vor lauter Leserei) noch weniger zum Befüllen des eigenen Blogs komme.
    Ihr seid schuld! ;0}
    So ist das, genau!
    Viele fröhliche Grüße,
    scanandra

  4. Mag sein, dass Niko Paech im Moment noch nicht das Gehör findet, dass angebracht wäre. Wenn ich im Internet auf meinen bevorzugten Seiten lese, freue ich mich über die vielen, die sich auch bemühen, etwas ‚anders‘ zu machen und denke fast, es ist eine Bewegung mit zunehmenden Zahlen. Wenn ich aber ‚in die Stadt‘ fahre und mir das alles angucke, was die Menschen so machen und essen etc., dann fühle ich mich manchmal wie im falschen Film. Und dennoch: jeder muss seinen Weg gehen, man sollte nicht resignieren und weiter machen. Wer weiß, wie das alles in 20 oder 50 Jahren gesehen wird. So wie es im Moment läuft, kann es auf die Dauer nicht weiter gehen.
    Liebe nachdenkliche Grüße, Franka

    • Hallo Franka!

      Mir geht es da ganz ähnlich. Nachdem ich schon so lange fast ausschließlich auf Bauernmärkten einkaufe, trifft mich fast der Schlag, wenn ich in einen „normalen“ Supermarkt komme.

      Und ja, ich glaube auch, dass es so auf Dauer nicht weiter gehen kann! Irgendwer muss mit der Veränderung anfangen und das sind in dem Fall wir 🙂

      lg
      Maria

      • Vor allem trifft einen der Schlag, wenn man in einen Bio-Supermarkt geht. Auch sehr vieles in Plastik.

      • Hallo Franka!

        Du sagst es, der Biosupermarkt in der nächst größeren Stadt sieht mich sicher nie wieder, da sieht es nicht anders aus, als in anderen Supermärkten. Eigentlich fast noch schlimmer, weil noch mehr in Plastik verpackt ist. Die Welt ist ganz schön ver.rückt.

        lg
        Maria

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  12. Beschäftige mich auch mit dem Thema, habe auch sein Buch gelesen. Fand es etwas zynisch und teils etwas böse, aber es steckte so viel Warheit darin und ich habs innerhalb von zwei Tagen ausgelesen.

    Aber ich stimme dem ebenfalls zu: viele werden sich so ein Modell, wie er es vorschlägt einfach nicht vorstellen können. Zwar können sich wahrscheinlich noch die meisten mit einer 20 Stunden Woche anfreunden, mit den damit verbundenen Konsequenzen eher weniger.

    Und es steht natürlich immer noch die Frage im Raum, wie man diese 2,7 Tonnen denn überhaupt erreichen kann. Selbst mit einem minimalistischen, nachhaltigen Lebensstil wird es für viele schwierig dem nahe zu kommen. So kann man z.B. zwar nur gebrauchte Güter konsumieren, doch was macht man, wenn man gerne reist, vor allem wenns dann noch möglichst weit weg sein soll? Da ist das 2,7 Tonnen Ziel auf einmal wieder ganz, ganz weit weg.

    Der besagte Bio-Supermarkt wird in unserem Freundeskreis gerade ziemlich gehypt. Drin war ich selbst noch nicht. Und wenn da dann noch mehr in Plastik verpackt ist als schon im normalen Supermarkt wird der für mich dann auch zunehmend unattraktiv.

    Liebe Grüße, Daniela

    • Hallo Daniela!

      Um aufzurütteln muss man wahrscheinlich ein bisschen zynisch sein.

      Natürlich wäre es nicht möglich, dass alle Menschen auf dieses Modell umsteigen. Das ist ganz und gar utopisch. Aber ich denke, dass es doch Gedankenanstöße in die richtige Richtung liefert und wenn jeder für sich in diese Richtung arbeitet, dann wird sich etwas verändern.

      Viele kleine Veränderungen bewirken auch sehr viel. Deshalb ist es so wichtig, Konzepte zu finden, die mehr Menschen erreichen.

      Ein einzelner, der sich extrem verhält kann weniger erreichen als viele, die mehrere Schritte in die richtige Richtung tun. Von heute auf morgen geht gar nichts, denn viele Veränderungen müssten überhaupt erst logistisch möglich gemacht werden.

      Von „dem“ Supermarkt war in meinem Kommentar nicht die Rede, da „dieser“ Supermarkt zu dem Zeitpunkt noch nicht in Graz war. Allerdings gilt es bedauerlicherweise auch für „den“ Bio-Supermarkt, was ich gesagt habe. Viel zu viel Plastik!

      Ich bleibe bei den Bauernmärkten, die bieten viel mehr (und das ist ganz im Sinne der Postwachstumsökonomie).

      lg
      Maria

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