aus alt mach neu – zwei Upcycling-Projekte

Projekt 1 – Polsterüberzug

Meine Tochter hat sich Polsterüberzüge gewünscht, da sie einen abgelegten Polster jedoch ohne Überzüge geschenkt bekommen hat. Der Polster des Begehrens hat 40 x 80 cm.

Bereits vor einiger Zeit hatte ich 4 Überzüge in ca. 45 x 60 cm aussortiert, um für einen kleinen Polster mit 40 x 40 cm Überzüge zu nähen, nur war ich bis dahin nicht dazu gekommen. Die alten Überzüge konnte ich nicht leiden, da sie total verzogen waren. Ein Fehlkauf, billige Abverkaufsware eines schwedischen Möbelhauses, gut 17 Jahre alt.

Also machte ich mich an die Sache und habe aus den 4 alten Überzügen samt ein paar kleinen Stoffresten 4 neue Überzüge genäht.

Dazu wurden die alten Überzüge aufgeschnitten, der Stoff gerade auf das Maß 45 x 85 cm zugeschnitten und daraus die beiden großen Überzüge genäht. Der Stoff war nämlich nicht verzogen, sondern einfach nur total schief zugeschnitten worden.

Polsterueberzuege

Die davon übrig gebliebenen Reste wurden mit hellblauen Stoffresten kombiniert und daraus die beiden kleinen Überzüge angefertigt.

Arbeitszeit war ca. 1 Stunde für die 4 Überzüge und durch das vorhandene Material sind keine Kosten angefallen. So habe ich aus 4 völlig verzogenen unbrauchbaren Überzügen 4 neue Polsterüberzüge erhalten und mein nächstes Upcycling-Projekt erfolgreich abgeschlossen.

Projekt 2 – bequeme Sommerhose

Im Frühsommer vorigen Jahres habe ich bei einem indischen Laden eine Sommerhose gekauft. Sie war in der Abverkaufsschütte und hat nur 5,– Euro gekostet.

Das war bevor ich das Buch „Ich kauf nix“ von Nunu Kaller gelesen und mir darüber Gedanken gemacht habe, warum diese Hose nur 5,– Euro kostet.

Zu Hause habe ich dann entdeckt, dass die Hose echt für nichts ist. Der Schnitt ist eine Katastrophe, ich schaue aus wie Humpty Dumpty und außerdem ist sie grauenvoll genäht. Es fängt damit an, dass die Innenseite des Stoffes außen verarbeitet – jawohl, die schöne Seite vom Stoff war innen! – und nur ein Teil der Nähte versäubert wurde. Jede einzelne Naht war krumm und ich könnte schwören, dass es sich um ein Erstlingswerk von einem kleinen Mädchen handelt.

Noch jetzt frage ich mich, was ich mir damals dabei gedacht habe.

Aber genau aus diesem Grund wollte ich diese Hose nicht wegwerfen. Erstens ist sie eines der letzten Kleidungsstücke, die ich in einem Laden gekauft habe – seit Anfang Oktober 2013 bin ich im Konsumstreik hinsichtlich Kleidung.

Und zweitens möchte ich nicht, dass alles umsonst war. Das Wachsen und Ernten der Baumwolle, das Verarbeiten und Weben vom Stoff, das Färben bzw. Bedrucken und dann noch der weite Weg nach Europa.

aus alt mach neu

aus alt mach neu

Gearbeitet habe ich mit einem sehr alten Schnitt, aus dem ich mit 19 einen Overall genäht habe. Die Hose war so überdimensional weit, dass es sich leicht ausgegangen ist, alles neu zuzuschneiden.

Im Bund wollte ich jedoch nicht einfach einen Gummizug verwenden sondern habe statt dessen ein Stück Schlauchstoff verarbeitet. Die Farbe passt zwar nicht perfekt, aber diese Hose ziehe ich sowieso nur mit einem weiten Shirt an, welches den Bund verdeckt. Jedenfalls ist so ein Schlauchbund wesentlich bequemer und sehr angenehm zu tragen.

die fertige Hose

die fertige Hose

Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass ich aus dieser verhauten Hose doch noch ein tragbares Teil machen konnte. Die Arbeitszeit war ca. 3 Stunde für Auftrennen, Zuschneiden und Nähen. Das gesamte Material war vorhanden und dadurch sind keine Kosten angefallen. So habe ich aus der völlig unbrauchbaren Hose eine neue Sommerhose erhalten und wieder einmal ein Upcycling-Projekt erfolgreich abgeschlossen.

Was mir noch wichtig ist

Für mich hat diese Hose sehr viel Symbolcharakter, deshalb war es mir auch so wichtig, sie umzunähen.

Sie steht einerseits für mein altes Konsumleben, das ich hinter mir gelassen habe und andererseits ist sie für mich ein Mahnmal für das Leid der Näherinnen in Indien, Bangladesch etc. sowie für Kinderarbeit.

Diese Ausbeutung von Menschen und vor allem von Kindern möchte ich nicht mehr unterstützen.

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10 Kommentare zu “aus alt mach neu – zwei Upcycling-Projekte

  1. Ganz klasse! Die Kissen sehen super schön aus und aus der Hose hast Du noch gut etwas „herausholen“ können! Ich würde allerdings nicht zu einem weiten T-Shirt raten, lieber etwas tailliertes, das nicht allzu lang ist und das mit einer kurzen, taillierten Jeansjacke kombinieren. Damit es streckt und nicht staucht 😉 Mich stört die Farbkombi der Blumen mit dem lila Bündchen überhaupt nicht! Muster- und Farbmix ist doch total angesagt derzeit! Noch ein paar Ethno-ketten oder DIY Schmuck auf dem Shirt – ist doch super! Dazu entweder bunte Tennisschuhe oder auch einfache, flache Lederballerinas (wenn Du hast). Ich würde dazu keine Sandalen tragen. Am liebsten würde ich ja mal ein Foto sehen, wie Du es kombinierst.
    Super gemacht, Maria!
    Viele Grüsse, Cornelia

    • Hallo Cornelia!

      Der Rosaton ist schon im Stoff auch enthalten, aber halt nicht so kräftig, weil das Orange viel stärker heraus kommt.

      Es ist aber grundsätzlich als „Zu.Hause.Rumknotz.Hose“ gedacht, da ist mir die Optik nicht wichtig.

      Ich besitze weder flache Lederballerinas noch bunte Tennisschuhe – es werden wohl doch die Sandalen werden müssen, falls ich damit rausgehe. Oder Flipflops, die passen von der Farbe ganz gut dazu.

      lg
      Maria

  2. Das mit dem ersten Versuch eines Mädchens … das denke ich mir fast auch. Oder eine Näherin kurz vor dem Zusammenbruch. Oder unter wirklich sehr viel Zeitdruck. Alles keine schönen Möglichkeiten.

    Ich finde es aber gut, dass du die Hose noch verwerten konntest. Ich musste beim lesen an eine Reaktion einer Näherin in einer Reportage über Primak (?)-Kleidung denken. Die junge Frau war vollkommen ungläubig, als man ihr erzählt hat, dass diese Kleidung oft nur einmal getragen und dann weggeworfen wird – wofür sie (die Näherin) hart arbeiten musste und kaum Lohn erhielt.

    • Hallo Stadtpflanze!

      Ja, ich kennen diesen Bericht über Primark.

      Erschütternd war, dass die interviewten Näherinnen erkennen mussten, dass die von ihnen genähte Kleidung nicht wirklich Wertschätzung bekam sondern nur dem Profit der Handelsunternehmen dient.

      lg
      Maria

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