Werbung will, dass du unglücklich bist



Kulturjournal „adbusting – Widerstand an Werbetafeln“

Wir treffen einen „Werbe-Piraten“ in Berlin: „Werbung will, dass du unglücklich bist“, erklärt der Ex-Werber und zerstört ihre Plakate oder macht sie zu Kunstwerken

Sie schlagen meistens nachts zu, denn ihre Aktionen sind illegal. Sie übermalen Plakate, machen aus Models Zombies und prangern an, was die Werbung verschweigt: Sexismus, Umweltzerstörung oder Ausbeutung.

Sie nennen sich „Adbuster“ und verwandeln Werbung mit anarchischem Witz in Antiwerbung. Das Kulturjournal begleitet zwei Adbuster bei ihren Aktionen und zeigt, was diese Menschen antreibt.

Das Problem ist, dass sich viele Menschen auf eine Vorstellung von Erfolg konzentrieren, die uns die Werbung verkauft. Viel Geld. Viel arbeiten. Großes Auto. Aber vielleicht ist das gar nicht Dein persönliches Ziel. Vielleicht ist Deine Vorstellung von Erfolg „Ich will Zeit haben. Zeit für meine Kinder. Zeit für mich. Zeit für Dinge, die mich wirklich interessieren.

Widerstand ist zweckmäßig

In Wahrheit geht es darum, sein Glück abseits des Konsums zu finden. Und nicht, weil wir mit unserem Leben unglücklich sind mehr zu kaufen um dafür noch mehr arbeiten zu müssen, was uns nur noch unglücklicher macht.

Bei solchen Gelegenheiten fällt mir immer wieder folgendes Acronym ein

Kauft
Ohne
Nachzudenken
Schnell
Unseren
Mist

Ich will das einfach nicht mehr, ich habe genug.

Und das in doppelter Hinsicht.

Ich habe genug von dieser alles vereinnahmenden Konsummaschinerie aber ich habe auch genug. Genug für mich. Genug um gut zu leben. Genug um glücklich und zufrieden zu sein.


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36 Kommentare zu “Werbung will, dass du unglücklich bist

      • Die Konsumgeschäfte sind aus einer Konsumgenossenschaft entstanden, einer Art Einkaufsgemeinschaft in den 20er Jahren, damit auch einfache Arbeiter Lebensmittel zu verträglichen Preisen kaufen konnten. Also ursprünglich eine Art Verbrauchergemeinschaft. Konsum gibt es in Ostdeutschland übrigens immer noch und es ist immer noch eine Genossenschaft. Ansonsten unterscheiden sie sich leider nicht allzusehr von normalen Supermärkten. Es gibt einige regionale Bemühungen, etwas Bio, viel Mehrwegflaschen (Glas!) und das auch für Milchprodukte, aber sonst kaum Unterschiede. Wenn ich mal keine Zeit habe, zum Unverpackt-Laden oder Bioladen zu fahren, kauf ich da ganz gerne.

        Also die Haltung gegen Konsum an sich finde ich sehr gut, die Verteufelung der Konsumgenossenschaft aber nicht.

      • Hallo Fussel!

        Ich wollte mit dem Spruch aus meiner Kindheit nicht die Konsumgenossenschaften schlecht machen. Es ging in dem Zusammenhang mehr um den Konsum sprich das Kaufen.

        Ich weiß, dass das Prinzip der Genossenschaften grundsätzlich super ist. Bei uns in Österreich gibt es z.B. das Lagerhaus, das auch eine landwirtschaftliche Genossenschaft ist. Da bekommt man ganz viele gute Produkte und sie fördern auch die Bauern vom Umfeld indem ihre Produkte verkauft werden.

        Einkaufsgemeinschaften sind ja auch immer mehr im Entstehen, das ist grundsätzlich eine sehr gute Entwicklung finde ich!

        lg
        Maria

      • Ich korrigiere mich: die Ursprünge der Konsumgenossnschaft sind sogar noch viel älter, das geht zurück bis ins 19. Jh.

  1. Die meisten, die ich kenne, haben genug, was das Schenken schwerer macht. Ich schenke Erinnerungen oder Vergängliches wie Blumen oder zum Essen (möglichst selbstgemacht).
    Nachfolgenden Spruch finde ich bezeichnend.
    Viele Leute kaufen mit Geld, das sie nicht haben Dinge, die sie nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die sie nicht ausstehen können.
    Marion

    • Hallo Marion!

      Ja, den Spruch kenne ich auch und lebe schon seit Jahren konsequent anders.

      In den letzten Jahren habe ich vor allem selbst gemachte Sachen verschenkt, da ich denke, dass gerade heute, wo die Menschen so wenig Zeit haben (oder sich nehmen) die Dinge selbst zu machen, das eher eine Möglichkeit ist, anderen eine Freude zu machen.

      lg
      Maria

  2. Das Akronym hab ich auch schonmal gehört und finde es in dem Zusammenhnag sehr passend. 🙂

    Wichtig finde ich aber auch, dass sich Menschen fragen, warum sie sich von den Versprechungen der Werbeindustrie locken lassen. Die meisten *sind* nicht glücklich. Aber durch die Produkte werden sie es auch nicht… Ein glücklicher Mensch wäre nicht anfällig für all das – und da sehe ich persönlich das größere Problem, nämlich dass „wir“ den Bezug zu uns verloren haben und ständig Dinge tun, die uns nicht glücklich machen oder sogar unglücklich machen.

    (Watzlawiks „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist so wahr…)

    • Hallo Stadtpflanze!

      Watzlawik habe ich auch gelesen 😉

      Und ja, ich denke es ist wichtig zu erkennen, dass kaufen nicht glücklich macht.

      Noch wichtiger ist für den einzelnen Menschen zu erkennen, WAS ihn glücklich macht und das ist manchmal gar nicht so einfach.

      lg
      Maria

  3. Ja, die Konsumfalle. Demnächst habe ich Geburtstag und den Leuten gleich gesagt, sie brauchen mir nix schenken. Denn einige müssen sehr weit anreisen, das kostet schließlich schon Zeit und Geld und die anderen bitte ich um Übernachtungsplätze, damit die weit gereisten nicht noch mehr ausgeben müssen. Ich würde mich schlecht bei fühlen, den Leuten solche Kosten aufzubürden und dann auch noch ein zusätzliches Geschenk haben zu wollen. Schließlich will ich gerne ein schönes Fest feiern und nicht am Ende mit „Gewinn“ rausgehen.
    Trotzdem ist da so ein Stimmchen das sagt, „du wünschst dir doch dieses oder jenes und kaufst es nicht, weil es für dich selbst zu teuer ist. Das wär jetzt DIE Gelegenheit!“. Aber wenn ich tief in mich reinhorche, dann komme ich auch ohne diese Wünsche bisher gut zurecht. Trotzdem ist es tricky, dieser Verlockung zu widerstehen.
    LG Zora

    • Hallo Zora!

      Ich finde das ist ein schöner Gedanke, sich sozusagen zum Geburtstag zu wünschen, dass die Menschen zur Feier kommen bzw. den andern ermöglichen zur Feier zu kommen.

      Wenn Du Wünsche hast, die Dir wirklich wichtig sind, die aber sehr teuer sind, dann überlege Dir, ob es das Geld wirklich wert ist.

      Lege monatlich den Betrag zurück, den Du Dir leisten kannst. Wenn Du das Geld zusammen hast und das „Ding“ noch immer willst, dann kaufe es und freue Dich darüber.

      lg
      Maria

  4. so funktioniert werbung eben: „dir fehlt etwas im leben. du bist wertlos und klein. fülle diese lücke auf mit DIESEM PRODUKT!!!“
    kaufen erzeugt eben glücksgefühle. aber andere dinge, sich zeit nehmen für sich und die liebsten etc, erzeugt viel mehr von diesen hormönchen!
    toll, was die adbuster da machen. hoffentlich werden viele leute dadurch wachgerüttelt.

    • Mir hat die Sache mit dem Verfremden der Werbeplakate so gut gefallen, ich finde das eine wirklich außergewöhnlich geniale Aktion.

      Das würde ich gerne auch bei uns häufiger sehen. Nicht nur einfach übersprayt sondern echt mit Stil.

      lg
      Maria

  5. Hallo,
    da kann ich 100 % zustimmen. Werbung kreiert ständig neue Bedürfnisse – und damit Unzufriedenheit. Mein Paradebeispiel ist das Tablet. Gabs vor ein paar Jahren nicht, hat auch keiner vermisst. Und heute können viele sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen…

    Ich habe über dieses Thema auch meine Gedanken zusammengestellt. Ich weiß, dass du es schon gelesen hast, aber vielleicht ist noch jemand anders dran interessiert. Daher der Link hier:
    https://eifelschaf.no-ip.org/wordpress/2014/08/08/probleme-bewerfen-wir-einfach-mit-geld-von-der-achtsamkeit-im-alltag/

    Liebe Grüße und danke für diese gute Zusammenstellung
    Lamasus

    PS: Der Kräutersirup ist fertig und hat Alphalama überzeugt. Ich werde jetzt an die Großernte zuhause gehen und was zum Einlagern kochen. Einen riesigen Topf haben wir ja – vom Brauen 🙂

  6. Genial, diese Adbusters. Klar, es ist illegal – und leere Werbeflächen kann ich auch nicht wirklich akzeptieren. Aber sie künstlerisch umzufunktionieren,das finde ich genau so legitim oder illegitim wie die widerlichen Maschen der Banker, der Großindustrie, etc

    Das ist wohl eine Grauzone genau so wie gute Streetart, die ja auch oft illegal ist 😉 Und ich finde das ganz toll. Vielleicht bringt es den ein oder anderen, der es sieht, zum Nachdenken …

    • Hallo Franka!

      Schön wieder mal von Dir zu lesen!

      Und freut mich, dass Dir die Kunstwerke auh so gut gefallen wie mir. Dass diese Aktionen hoffentlich auch auf fruchtbaren Boden fallen sprich zu einem Umdenken anregen wünsche ich mir sehr.

      lg
      Maria

      • Okay.

        Ja Werbung nervt. Hast du mal wieder Fernsehen gesehen? Vor einigen Tagen besuchte ich einen Freund. Wir sahen Fernsehen und eigentlich überall lief Werbung. Hat erstmal ewig gedauert, bis was halbwegs okayes lief und dann war „natürlich“ nachn paar Minuten wieder Werbepause:D
        Das hab ich früher gar nicht wargenommen (oder sah es als „gottgegeben“). Hast sowas auch mitbekommen marie?
        lg max

      • Ich sehe schon ewig nicht mehr fern und selbst in der Zeit, wo ich noch einen Fernseher hatte, habe ich die Filme aufgenommen, damit ich die Werbung eliminieren kann. Das ging mir immer tierisch auf die Nerven!

        lg
        Maria

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  9. Danke für Deine tollen Videotipps. Ich häng hier seit gestern immer mal wieder auf Deiner Seite rum uns lass mich inspirieren. Manchmal ist es aber auch ein Fluch, sich der blöden Werbung so bewusst zu sein. Ich kann das oft gar nicht mehr ausblenden, sondern frage mich, ob sich andere darüber im Klaren sind, wie sexistisch und abwertend manche Werbetafeln mit Frauen umgehen. Mir tut das teilweise richtig weh…

    • Hallo!

      Erst einmal herzlich willkommen und schön, dass Dir mein Blog gefällt!

      Ich lebe jetzt schon seit rund 3 Jahren nahezu werbefrei und wenn man Abstand hat und dann doch wieder einmal mit Werbung konfrontiert wird, ist es ein vielfaches schlimmer!

      Werbung will einfach nur manipulieren. Aber das will ich für mich einfach nicht mehr haben.

      lg
      Maria

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  12. Hallo Maria. Ich muss der Werbung eine Lanze brechen. Ich stimme Stadtpflanze zu, dass ein glücklicher und zufriedener Mensch trotz Werbung nichts sinnloses kaufen würde.

    Ein Hersteller muss, um überleben zu können, seine Produkte verkaufen. Das ist so bei „großen Autos“ bis zur „Fair Organic Jeans“. Genau hier schlägt Werbung die Brücke vom Hersteller zu genau den Konsumenten, die eben gerne eine fair hergestellten organic Jeans haben brauchen. Somit erschafft Werbung keine neuen Bedürfnisse. Es kann aber sein, dass Werbung versucht, Bedürfnisse zu wecken. Oder fiese Werbung durch Verzerrung von Fakten die Menschen in die Irre führen will. Aber wie Stadtpflanze sagt: es ist eher ein gesellschaftliches Problem, wenn Menschen meinen, ohne ein dickes Auto nichts wert zu sein und sich von Werbung verleiten lassen.

    Werbung muss weder aufdringlich noch nervig sein – deshalb stimme ich dem KONSUM Akronym nicht zu. Das polarisiert und ist einfach nicht korrekt. Werbung ist der Zettel am Laternenmast mit dem Datum des nächsten Wochenmarkts. Mit der gut hergerichtet Gemüseauslage auf dem Wochenmarkt wirbt der Verkäufer um Deine Gunst. Der im Laden ausgelegter Katalog vom Umweltversand…

    Martin

    • Hallo Martin!

      Ich kann Deinem Ansatz insofern etwas abgewinnen als ich sage „ja, so ist Werbung eigentlich gedacht“ wie Du es darstellst.

      Als Information, damit Käufer und Verkäufer zusammen kommen. Wenn ich z.B. eine Biokiste gerne hätte und ich nicht weiß, wo ich so etwas her bekomme, dann fehlt die Werbung.

      Meiner Meinung nach sollte Werbung als Information dienen. Dann habe ich auch gar nichts dagegen einzuwenden.

      Wenn Werbung aber nicht über das Produkt bzw. wo ich das finden kann informiert sondern ein Lebensgefühl und Status damit verknüpft, dann stimmt die Aussage doch wieder, dass Werbung will, dass wir unglücklich sind, damit wir das kaufen.

      Ich denke auch hier ist es so wie fast überall, man muss sehr genau differenzieren und hinterfragen.

      Natürlich bin ich froh, dass ich im Internet die Information finde, wann der Biobauernmarkt stattfindet. Die grelle Werbezettelflut in meinem Postkasten brauche ich hingegen gar nicht.

      lg
      Maria

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