Bio-Baumwolle lässt Mensch und Umwelt aufatmen

Zu Hause kehrt endlich ein ruhiger Moment ein, man surft ein wenig im Internet und ganz plötzlich wird man von den vielen bunten Bildern verführt, will sich selbst zum Ausgleich für den stressigen Tag etwas Gutes tun und ehe man richtig weiß wie einem geschieht ist nur ein Klick später der Warenkorb gut gefüllt: mit einem neuen Mantel, einem eleganten Rock und dem Kleid, das man für den nächsten Tanzabend unbedingt noch braucht.

Shopping-Rausch ohne Nebenwirkungen?

Doch wie fast alle, die das Buch von Nunu Kaller gelesen haben, wissen, will die Mode-Industrie zwar den Eindruck vermitteln, als könne sie kein Wässerchen trüben, aber wer beim Shopping nur dem gerade angesagten Look folgt, wird in puncto Hochwertigkeit und vor allem ethisch vertretbaren Herstellungsbedingungen nicht so leicht fündig.

Vielfach werden die Kleidungsstücke nicht nur billig hergestellt, sie sind auch nur für eine kurze Tragedauer bestimmt. Schließlich will man ja in kurzer Zeit wieder neue Teile verkaufen.

Dieser Trend belastet Mensch und Umwelt schwer. Einmal hinter die Kulissen geschaut kann die Überzeugung, sich mit der neuen Errungenschaft etwas Gutes zu tun, schon gehörig ins Wanken geraten. Ebenso wie die Frage, ob der (Versand)handel des Vertrauens selbiges überhaupt verdient hat…

Mehr schöner Schein statt reine Wahrheit

Dass Naturfasern wie Baumwolle oder Viskose im hautnahen Kontakt jedem künstlichen Kollegen den Rang ablaufen, ist bereits seit einigen Jahren ein heiß diskutiertes Thema und hat bei unzähligen Fashion-Victims zum Umdenken geführt.

Kein Wunder, sprechen doch die Argumente für natürliche Materialien ihre ganz eigene Sprache: Sie sind luftdurchlässig, lassen die Haut atmen und fühlen sich am Körper so an wie es sein sollte – als zweite Haut.

Das erhöhte Bewusstsein der Kunden für die Verträglichkeit und den Komfort lösten in der Milliarden-Branche Mode ein kleines Beben aus: Fortan sahen sich selbst die großen Konzerne gezwungen, vermehrt auf Naturfasern zu setzen. Inzwischen prangen Baumwolle & Co zuhauf auch auf den Etiketten der Massenware.

Schöne heile Modewelt?

So einfach ist es leider nicht. Denn in einer Branche, in der mit Milliardenumsätzen jongliert wird und in der ein Trend den anderen überholt, bleibt die Natürlichkeit oftmals auf der Strecke. Schnell, effektiv und möglichst günstig – das sind die wahren heiligen Grale vieler Hersteller. Zwar finden die Trendteile ihre Wurzeln tatsächlich auf Baumwollplantagen, sind aber dennoch lange nicht so grün und rein wie es den Anschein weckt.

So werden auf den meisten Plantagen die von der Natur vorgesehenen Wachstumsprozesse der Baumwollpflanzen mit chemischen Mitteln beschleunigt. Und das ist nur die Spitze des Chemie-Eisbergs: Schließlich wollen auch Schädlinge ferngehalten und Blätter effektiv entfernt werden – alles natürlich…natürlich chemisch.

So ist selbst aus den guten Absichten zum reinen Gewissen ein schmutziges Geschäft geworden. Verseuchte Böden und Grundwasser zeugen von einem Vorgehen, das mit Umweltbewusstsein nicht mehr viel zu tun hat. Und unsereins trägt womöglich mehr Chemie am Körper als einem bewusst und lieb ist.



Bio-Baumwolle als Versprechen an Natur und Träger

Kurzum: Baumwolle hält nicht immer das, was sie verspricht. Dass dies aber durchaus möglich ist, stellen all diejenigen Anbieter unter Beweis, die auf Bio-Baumwolle setzen.

Bei Bio-Baumwolle handelt es sich um Fasern, die garantiert ohne Kunstdünger oder Pestizide heranwachsen durften. Auf den Plantagen wird noch per Hand gepflückt, so dass weder Maschinen noch künstliche Entlaubungsmittel zum Einsatz kommen. Der Vorteil: Nicht nur die Umwelt wird weniger belastet, das Produkt ist auch um einiges reiner als die maschinell gepflückte Konkurrenz.

Das Vorurteil, man müsse nach biologisch reiner Kleidung wie nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen suchen, ist dabei längst Vergangenheit, vielmehr breitet sich der Trend zur grünen Mode unaufhaltsam aus.

Tatsächlich ist Kleidung mit Bio-Siegel heutzutage so einfach verfügbar wie jedes andere Kleidungsstück auch. Wer sich bei Online-Shops umschaut, findet mittlerweile ein breites Sortiment an Bio-Mode.

Dennoch gilt auch hier: Man muss ganz genau hinschauen

Gütesiegel helfen bei der Auswahl

Eines der wichtigsten Siegel im fairen Textilhandel ist Global Organic Textile Standard (GOTS), bei dem ein weltweit angewendeter Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern festgelegt wurde.

Neben umwelttechnischen Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette wurden auch Sozialkriterien definiert. Die Qualitätssicherung erfolgt durch unabhängige Zertifizierung der gesamten Textillieferkette.

Aber auch „Fair trade“ setzt sich für fair produzierte Kleidung ein.

Der Faire Handel trägt dazu bei, dass die Menschen in den Erzeugerländern angemessen von ihrer Arbeit leben können.

Die wichtigsten Punkte beim fairtrade-Siegel sind:

1. Zusammenschluss der Erzeuger zu Genossenschaften
2. Keine ausbeuterische Kinderarbeit
3. Sozialverträgliche Arbeitsbedingungen
4. Gleichberechtigung von Frauen
5. Aufbau von Know-How und Unabhängigkeit

Abschließende Gedanken

Über allem steht für mich noch immer die Frage Wie viel Kleidung braucht ein Mensch?

Wenn ich wenige aber dafür hochwertige Kleidungsstücke besitze, diese gerne und immer wieder trage, sie sorgsam behandle, damit sie lange leben, trage ich aktiv dazu bei, dass die Ressourcen unserer Erde geschont werden.

Und wenn ich bereit bin, einen fairen Preis für meine Kleidung zu bezahlen, stelle ich sicher, dass keine Menschen für mich leiden müssen.

Die Entscheidung liegt bei mir und es liegt auch an mir, die Verantwortung für Mensch und Umwelt wahrzunehmen.


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13 Kommentare zu “Bio-Baumwolle lässt Mensch und Umwelt aufatmen

  1. Liebe Maria,
    ich finde inzwischen bei fairer, ökologischer Kleidung ist es ein bisschen wie mit Bio-Fleisch (auch, wenn das jetzt komisch klingt) – Wenn man sich einmal entschlossen hat, nur noch fair / bio zu kaufen (was mehr kostet), kauft und konsumiert man automatisch auch deutlich bewusster und geht achtsamer damit um, genießt vielleicht auch mehr. Ein schöner Nebeneffekt!
    Liebe Grüße,
    Marlene

  2. Hallo Maria,
    ein schöner Artikel! Ich habe auch festgestellt, dass manche meiner Kleidungsstücke und Schuhe offenbar nicht für das langfristige Tragen bestimmt sind. Erstaunlich wie groß teilweise die Unterschiede zwischen den Marken sind, die in einem Preissegment liegen. Mir geht es wie Marlene, Stücke, die ich wohl überlegt gekauft habe und über die ich mich ausgiebig informiert habe, liegen mir besonders am Herzen. Mit ihnen gehe ich jetzt auch sorgsamer um.
    Liebe Grüße, Ingrid

  3. Hab bisher noch keine öko-faire Kleidung gekauft, wird aber irgendwann bestimmt noch kommen. Momentan gibts genug „Altlasten“ im Kleiderschrank und ich halte es im Moment so, einfach nichts Neues zu kaufen und im Freundeskreis gibts regelmäßig Tauschpartys. Aber vor allem Unterwäsche möchte ich in Zukunft ausschließlich aus Bio-Baumwolle kaufen.
    Für eine Lehrveranstaltung auf der Uni musste ich mich mal die unterschiedlichen Zertifizierungen auseinandersetzen. Bei deinem Link zu Witt-Weiden ist mir deshalb folgendes aufgefallen: Öko Tex 100 ist nicht top. Da gibts noch Öko Tex 1000, das ist noch strenger. Allerdings lassen nur recht wenige zertifizieren. Und Cotton Made in Africa sagt nichts über Bio oder Fair-Trade aus, sondern ist nur ein Zusammenschluss aus afrikanischen Baumwollproduzenten.

    Und zur Frage, wie viele Kleidungsstücke man wirklich braucht: wahrscheinlich viel, viel weniger als man sich eingestehen möchte.

    Liebe Grüße, Daniela

    • Hallo Daniela!

      Ich finde Deinen Ansatz sehr gut, zuerst das zu verbrauchen, was Du hast!

      Und mit anderen zu tauschen ist auch eine gute Alternative. Für die Umwelt ist es immer gut das zu verbrauchen, was es schon gibt.

      Für Neukäufe von z.B. Unterwäsche (die ich sicher nicht gebraucht verwenden werde) möchte ich in Zukunft jedoch sehr genau hinschauen, wo ich einkaufe.

      lg
      Maria

    • Liebe Daniela, auch wir als Aid by Trade Foundation freuen uns, wenn immer mehr Konsumenten so wie du auf nachhaltig angebaute Baumwolle umsteigen. Die Nachfrage ist der Motor nachhaltiger Produktion. Leider hat sich bei Cotton made in Africa ein kleines Missverständnis eingeschlichen. Dieses möchte ich deshalb sehr gerne aufklären: Cotton made in Africa ist eine Initiative für nachhaltigen Baumwollanbau in Afrika. Es ist richtig, dass wir mit afrikanischen Kleinbauern zusammenarbeiten, die unter anderem Baumwolle anbauen. Dabei unterliegt der Anbau allerdings sozialen, umweltfreundlichen und ökonomischen Kriterien. Diese müssen von den Kleinbauern erfüllt werden. Dies wird regelmäßig von unabhängigen Auditoren überprüft. Ausgeschlossen sind z.B. Kinderarbeit, Menschenhandel, Abholzung von Primärwäldern, genverändertes Saatgut, gefährliche Pestizide oder Monokulturen, die die Böden auslaugen. Wir sorgen zudem für eine gerechte und pünktliche Bezahlung, für die Sicherung der Versammlungsfreiheit oder dass nur mit Regenwasser angebaut wird. Dadurch spart CmiA-Baumwolle bis zu 40% Treibhausgase und über 2100 Liter Wasser pro Kilogramm Baumwolle. Schulungen im nachhaltigen und effizienten Baumwollanbau als auch in grundlegenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen für die Bauern, Förderung von Frauenkooperativen, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder den Auf- und Ausbau der Schulinfrastruktur in den Projektgebieten zählt außerdem zu unserer Arbeit. Dementsprechend steht das weinrote Cotton made in Africa Siegel für Umweltschutz, Ernährungssicherung und verbesserte Lebensbedingungen von inzwischen über 700.000 Kleinbauern in Afrika, die mit uns zusammenarbeiten. Übrigens haben wir erst vor Kurzem unseren CmiA Organic Standard auf den Markt gebracht. Mit dem neuen Standard kann der bestehende Bio-Standard EC No. 834/2007 und der Global Organic Textile Standard (GOTS) um die die sozialen und ökonomischen Anbaukriterien von CmiA ergänzt werden. Bei weiteren Fragen meldet euch gerne bei uns. Liebe Grüße, Christina

  4. Biobaumwolle ist schon mal gut, aber auch sie verbraucht sehr viel Wasser, hat die gleichen Transportwege etc. Letztendlich kommt es immer wieder auf das heraus, was du ganz unten schreibst … Es gibt nur eine Lösung: weniger verbrauchen. Es ist ja tatsächlich so, dass teure, hochwertige Sachen viel länger halten, also in Wirklichkeit sogar billiger sind.

    Man muss sich das natürlich immer wieder vor Augen halten und diese Konsummuster, die man teilweise verinnerlicht hat, durchbrechen, wahrscheinlich ein längerer Prozess.
    Liebe Grüße,
    Ingrid

    • Ich stimme dir da vollkommen zu. In allem, was du schreibst.

      Das Konsummuster „Ich gönn mir mal was“ verstehe ich mittlerweile immer weniger. Man hat im Regelfall ja ohnehin einen Schrank der gut gefüllt ist und dann wieder und wieder billige Klamotten reinzupacken und trotzdem nichts zum Anziehen zu haben…. Frauen, die Shoppen als Hobby begreifen werden mir zunehmen unsympatisch!

      Im Endeffekt spart man ja auch relativ viel Geld, wenn man nur wenige Sachen neu kauft, dafür aber hochwertige, die dann auch lange halten.

      Liebe Grüße, Daniela

      @Maria: Unterwäsche würde ich auch NIEMALS gebraucht kaufen. Brrrr…..

    • Hallo Ingrid!

      Da hast Du natürlich recht, aber der Vergleich Baumwolle zu Bio-Baumwolle lohnt auf jeden Fall genauer hinzuschauen.

      Da ist noch einmal ein wirklich großer Unterschied und ich finde sie fühlt sich auch besser an.

      Weniger verbrauchen steht natürlich an oberster Stelle (auch wenn ich ganz zum Schluss darüber schreibe).

      Wichtig ist halt bei einem Neukauf wirklich auf die Qualität zu achten, damit man lange was davon hat.

      lg
      Maria

    • Hallo Leni!

      Darüber lässt sich streiten. Grundsätzlich gebe ich Dir aber trotzdem recht.

      Viskose ist eine künstlich hergestellte Faser, die jedoch auf einem Naturmaterial basiert.

      Es ist also quasi ein Hybrid, wenn man so will. Gegenüber reinen Kunstfasern ist der Vorteil, dass es sich um einen nachwachsenden Rohstoff (nämlich Holz) handelt.

      Ökologisch betrachtet ist Viskose der konventionellen Baumwolle überlegen, weil der Wasser- und Energieverbrauch deutlich geringer ist und auch keine Herbizide und keine Pestizide zum Einsatz kommen.

      Bekleidung ist insgesamt ein sehr schweres Thema finde ich.

      lg
      Maria

  5. Pingback: Aktion Klamottenkur 2015 | widerstandistzweckmaessig

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