fashion revolution day 2016 [this is not okay!]

Am 24. April 2013 stürzte das Rana Plaza Gebäude, in dem sich eine Nähfabrik befand, ein. 1127 Personen starben, 2438 Personen wurden verletzt und unzählig verloren Beine und/oder Arme.
fashion revolution day
Seither gedenkt die Welt jedes Jahr am 24. April mit dem Fashion Revolution Day diesem furchtbaren Ereignis. Weiterführende Infos sind auf „fashionrevolution“ zu finden und auf FB/Twitter unter #whomademyclothes.

Frauen, die genäht haben, starben, weil ein Liefertermin mehr wert war als ein Menschenleben. Weil die „Geiz ist geil“-Mentalität dazu geführt hat, dass der Preis der Kleidungsstücke nicht mehr den wahren Wert widerspiegelt.

Susanne vom Blog „mamimade“ hat neuerlich zu einer Aktion der Nähbloggerinnen aufgerufen. Alle Infos dazu sind in ihrem Beitrag „fashion revolution day 2016“ zu finden.

ich bin auch mit dabei

Da mir das Thema sehr wichtig ist, bin ich sehr gerne mit dabei. Welchen Wert die Arbeit hat, habe ich schon vor längerer Zeit einmal hinterfragt und das Thema „Reparieren“ ist sowieso ein Fixpunkt auf meinem Blog.

Dass es mittlerweile billiger ist ein Kleidungsstück neu zu kaufen, statt es zu reparieren, ist für mich absolut irre. Dass es das gibt liegt alleine daran, dass wir die billigen Arbeitskräfte in Bangladesh, Indien etc. ausnützen. Sonst würde das nicht funktionieren.

Aber man muss gar nicht so weit schauen, in einem sehr aufrüttelnden Beitrag der Campagne „clean clothes“ wird offensichtlich, dass auch ein „made in Europe“ nicht vor unmenschlichen Arbeitsbedingungen schützt.

meine Nähmaschine und ich

Auf dem Bild siehst Du mich an der Nähmaschine, wie ich gerade eine Hose repariere, deren Naht vom Gummibund gerissen ist.

Das erste Mal saß ich im Alter von 14 Jahren an der Nähmaschine. Im Rahmen meiner Schulausbildung hatte ich Nähunterricht und habe nicht nur gelernt, wie man Kleidungsstücke für sich selbst anfertigt, sondern auch wie man ein Schnittmuster selbst zeichnet.

fashion revolution day 2016 - this is not okay!

fashion revolution day 2016 – this is not okay!

Bereits im Alter von 15 Jahren habe ich daher begonnen, Teile meiner Garderobe selbst zu schneidern und gekaufte Stücke an meine Bedürfnisse anzupassen.

Seitdem meine Kinder auf der Welt sind, habe ich mich vor allem dem Reparieren von kaputter Kleidung gewidmet, bei Kindern wird ständig etwas kaputt.

Da mir das Thema so wichtig ist, gibt es seit Anfang letzten Jahres die Linkparty „fix it – reparieren ist nachhaltig“, mittlerweile sind weit über 100 Anleitungen für verschiedene Reparaturen zusammen gekommen.

Wegwerfkleidung – this is not okay!

Vor einiger Zeit bin ich auf ein Thema gestoßen, das ich so noch nicht in den Medien gesehen habe und welches scheinbar unter den Tisch gekehrt wird. Heute möchte ich darüber schreiben und den Fashion Revolution Day zum Anlass nehmen, um diese Missstände aufzuzeigen.

In den Medien ist viel die Rede von der Lebensmittelverschwendung, viel zu viele Lebensmittel landen – obwohl sie noch gut und genießbar sind – im Müll, weil sie abgelaufen sind.

Auch wenn man es nicht direkt vergleichen kann, so gibt es doch im Bereich der Textilindustrie eine ähnliche Verschwendung. In Hinblick darauf, wie dubios die Umstände der Produktion sind, ist es geradezu unfassbar, dass so etwas geschieht. Und darüber schreibt niemand.

Immer wieder gehen Kleidungsstücke bei der Anprobe in der Kabine kaputt. Einige verschätzen sich bei der Größe und schon ist die Naht geplatzt. Oder das Shirt ziert eine gute Portion Make-up, weil es beim Ausziehen über das Gesicht gestreift ist. Der Reißverschluss geht nicht gleich zu weil das Teil zu klein ist? Macht nichts, das kriegen wir schon hin – oh doch nicht. Kaputt.

Müll wohin das Auge reicht

Müll wohin das Auge reicht

Diese Teile landen alle im Müll. Weil es viel zu teuer ist, das Shirt zu waschen und danach zum Verkauf anzubieten. Es ist auch zu teuer, die offene Naht wieder zu schließen, weil die Näherin in Österreich einfach viel zu teuer ist.

Kleidungsstücke, die unter ausbeuterischen Umständen zu Dumpingpreisen hergestellt wurden, landen im Müll, weil sei kleine, leicht zu reparierende Fehler haben.

Woher ich das weiß? Meine Tochter arbeitet in einer Behinderteneinrichtung und ein (!) Geschäft spendet diese kaputten Kleidungsstücke, die sonst im Müll landen würden.

Aber es gibt unzählige andere Geschäfte, die solche Kleidungsstücke wegwerfen. Es ist ein Jammer, denn in jedem einzelnen Teil steckt nicht nur das Material, aus denen das Kleidungsstück hergestellt wurde, sondern auch die Näharbeit.

fix it – reparieren ist nachhaltig

Vor kurzem habe ich 3 dieser gespendeten Teile innerhalb von nicht einmal 15 Minuten repariert und so vor dem Müll gerettet. Hier ein paar Bilder, die einen winzigen Einblick in die Problematik zeigen.

Ärmelnaht wieder geschlossen

Die Naht am Ärmel dieser Jacke war aufgegangen. Der Strickstoff ist perfekt in Ordnung, nur die Naht war aufgegangen.

hier sieht man die offene Ärmelnaht

hier sieht man die offene Ärmelnaht

Das Aufspulen vom Unterfaden und Einfädeln der Nadel hat länger gedauert, als die Naht wieder zu schließen. Schwach 5 Minuten später war die Jacke wieder tragbar.

so gut wie neu

so gut wie neu

Träger wieder angenäht

Das war ja wohl der Witz schlechthin. Ein Träger hatte sich gelöst, ich nehme an, es wurde zu wild angezogen beim Ausziehen oder so ähnlich. Das war dann noch nicht einmal 3 Minuten Arbeit, denn ich habe den Träger mit der Hand wieder angenäht.

ein paar Stiche mit der Hand und der Träger ist wieder dran

ein paar Stiche mit der Hand und der Träger ist wieder dran

Seitennaht der Jeanshose wieder zugenäht

Diese Jeanshose hat mich doch verdammt an meinen Beitrag (k)eine tödliche Jeanshose [this is not okay!] erinnert. Wie viel teilweise gesundheitsgefährdende Arbeit in dieser Hose steckt!

Die Seitennaht war geplatzt. Eine einfache, gerade Naht. Und schon wird sie zu Müll. Aber nicht mit mir! Passenden Faden einfädeln, eine kurze gerade Naht und schon ist sie gerettet.

nicht einmal 5 Minuten Arbeit stecken darin

nicht einmal 5 Minuten Arbeit stecken darin

Welchen Wert hat die Arbeit?

Wo bleibt die Wertschätzung für die Arbeit der Näherinnen, die unterbezahlt sind, unter menschenunwürdigen Umständen arbeiten und leben, wenn Kleidungsstücke aus so nichtigen Gründen zu Müll werden können?

Es fehlen mir gerade die Worte, um meine Empörung zu beschreiben.

ich will das nicht hinnehmen - this is not okay!

ich will das nicht hinnehmen – this is not okay!

Zeig Deinen Protest

Sei auch mit dabei, mach ein Bild von Dir an der Nähmaschine und schreib bis 25.4.2016 einen Beitrag darüber. Alle Infos zur Aktion sind in Susannes Beitrag „fashion revolution day 2016“ zu finden.


Logo einab grueneinfach.nachhaltig.besser.leben [#EiNaB]

Meinen heutigen Beitrag schicke ich zur Blogparade einfach.nachhaltig.besser.leben.
Hier geht es zur aktuellen Linkparty.

Banner fix itfix it – reparieren ist nachhaltig

Natürlich darf dieser Beitrag auch bei meiner Linkparty „fix it – reparieren ist nachhaltig“ nicht fehlen.

Weiteres verlinkt zu Create in Austria, ANL, Creadienstag, Handmade on Tuesday, Dienstagsdinge und mamimade.

Tipp: Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, um weitere Details zu betrachten.


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Im Gesamtindex „Beiträge“ findest Du eine Übersicht über alle bisher veröffentlichten Beiträge.

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53 Kommentare zu “fashion revolution day 2016 [this is not okay!]

  1. danke für deinen beitrag! es war mir so noch gar nicht bewusst, aber eigentlich ganz logisch, was da mit den „nicht mehr ganz frischen“ bzw. „beschädigten“ kleidungsstücken passiert. die eigentliche frechheit finde ich ja, wie die konsumenten noch im geschäft damit umgehen! was da passiert ist eine respektlosigkeit nach der anderen, in so vielen bereichen: von der herstellung, über die anprobe bis hin zum verkauf. ich will das für mich nicht mehr aus den augen verlieren und spreche auch ganz viel mit den kindern darüber, in der hoffnung ein klein wenig zum umdenken beizutragen.
    lg kathrin

    • Hallo Kathrin!

      Ich danke Dir für Deinen Kommentar! Wie schön, dass Du das auch Deinen Kindern vermittelst, es ist so wichtig!

      Respekt und Wertschätzung allen Dingen gegenüber ist so wichtig und es ist schade, dass viele Menschen das nicht mehr haben.

      Dabei schadet sich der Mensch selbst, denn wer nichts mehr wertschätzen und lieben kann, wird innerlich immer leerer.

      Eine sehr traurige Entwicklung auf unserer Welt…

      lg
      Maria

  2. Ein Beitrag, der einem mal wieder die Augen öffnet. Jeder kann im Kleinen etwas dagegen tun. Gerade zum Thema „Reparieren“ kann doch jeder etwas beitragen. Danke für den Beitrag. LG Undine

    • Hallo Undine!

      Danke für Dein Kommentar. So klein ist der Beitrag gar nicht, wenn man Kleidungsstücke repariert und dann weiter trägt. Und man tut schließlich auch sich selbst etwas Gutes wie z.B. weniger Stress beim nächsten Shopping 😉

      lg
      Maria

  3. Hallo Maria,

    das mit der Schminke in der Kleidung habe ich selber auch schon einmal erlebt.

    Da hatte jemand eine weiße Bluse mit ganz schön viel Make-up eingesaut und die Bluse dann wieder zwischen die Ware geschmuggelt. Der nächste (also ich), der diese Bluse sonst gerne gekauft hätte, hat sie dann angeekelt wieder weggelegt bzw. den Verkäuferinnen in die Hand gedrückt.

    Aber du hast recht…das mit der Achtlosigkeit und Geringschätzung von Dingen ist mir bei anderen schon sehr oft aufgefallen – auch vor meiner Umstellung auf ein bewussteres Leben. Ich habe mich nie wohlgefühlt und konnte es mir nicht erklären, woher das Gefühl kam.

    Wieder einmal ein ganz toller Beitrag, der nachdenklich macht.

    LG von Karin

    • Hallo Karin!

      Das mit der Schminke ist wirklich ein sehr weit verbreitetes Problem. In manchen Geschäften habe ich schon gesehen, dass es 2. Qualität Abverkaufsständer gibt, das finde ich auch eine sehr gute Lösung. Machen aber leider nicht alle.

      Danke für Dein Kommentar und Lob!

      lg
      Maria

      • Hallo Maria,

        diese Abverkaufsständer habe ich noch nicht gesehen.

        Aber die Idee an sich finde ich gut, da die Ware oft nur kleine Mängel aufweist, die man selber gut beheben kann.

        LG von Karin

  4. Steter Tropfen höhlt den Stein.
    Wir dürfen nicht aufhören davon zu erzählen. Dann erreichen wir eine Anteil an Leuten, der groß genug ist, die Firmen zum umdenken zu zwingen!
    Bis dahin – reparieren und Augen auf beim Einkauf!
    Danke
    Susanne

  5. Hallo Maria,
    es gibt genug Achtlosigkeit auf dieser Welt …
    … aber ganz davon abgesehen habe ich die Verkäuferin bei beschädigten/verschmutzten Teilen nach Rabatt gefragt. Natürlich nur, wenn mir das Kleidungsstück gut gefällt. Ich hab es dann für weniger als die Hälfte bekommen. Immerhin besser als wegwerfen.
    LG Kerstin

    • Hallo Kerstin!

      Dann hast Du Glück gehabt, ich habe das früher auch immer wieder einmal versucht, aber das wurde dann immer wieder abgelehnt mit dem Hinweis, wenn der Fleck nicht raus geht, dann kann ich es eh zurück bringen.

      Finde ich total super, wenn Verkäuferinnen da kulant reagieren!

      lg
      Maria

  6. Liebe Maria,
    ich habe eigentlich nichts anderes von dir erwartet, nachdem du immer achtsam durchs Leben gehst. Schön, dass du darüber geschrieben hast und schön dich mal an der Maschine zu sehen 🙂
    Mein Beitrag folgt noch.
    Liebe Grüße
    Gusta

  7. Pingback: Danke Maria! | THE GREEN TRANSITION

  8. Hallo Maria!

    Das hab ich auch noch nie gehört. Wundert mich aber nicht, dass diese Kleidungsstücke alle weggeworfen werden. Regt mich aber ebenso auf wie dich.

    Warum spenden nicht alle Geschäfte die aussortierten Teile an Einrichtungen? Die können sie dann ja auch noch immer an engagierte Privatpersonen verschenken, die die Sachen dann selbst reparieren.

    Liebe Grüße, Daniela

      • Aber die Angst müsste bei Supermärkten, die aussortierte Lebensmittel verschenken/spenden doch ebenfalls bestehen.

        Vielleicht kann man ja so eine Initiative wie „Lebensmittel retten“ gründen. Nur eben mit Kleidung retten.

        LG, Daniela

      • Hallo Daniela!

        Diese Angst haben auch einige Lebensmittelgeschäfte, sie werfen die Lebensmittel lieber weg als sie zu verschenken.

        Eine Initiative zur Rettung von Kleidung wäre sicher auch eine sehr gute Sache!

        lg
        Maria

  9. Hallo Maria,

    das ist ein interessantes Thema. Ich hätte gedacht, man sagt Bescheid, dass man was kaputt gemacht hat und meldet sich am Dresen.

    Mich würde mal interessieren wo die Nacharbeit stattfindet im Prozess, wenn die Ware in 1-3 Ländern produziert wird, über den Globus verteilt. Ob es Nacharbeit überhaupt noch gibt. Also wenn ich dreimal die gleiche Hose kaufe, ist manchmal eine zu eng. Also dreimal neu anprobieren. Weil im Akkord mangelhaft hergestellt. Nacharbeit ist, wenn ein Stapel nachgearbeitet wird in Fabriken weil fehlerhaft produzier. Z. B. habe ich mal im Studentenjob eine Woche lang leere Zementtüten nachgewalzt und nachgeklebt. Ich vermute, dass es diesen Schritt heute nicht mehr gibt, sondern die Sachen direkt auf dem Müll landen. Sie gehen ja nicht zurück nach Äthiopien zum Nähen weil eine Naht nicht stimmte und vorort gibt es den Arbeitsplatz nicht. Ist das alles schrecklich!!!

    Liebe Grüße – Tanja

    • Hallo Tanja!

      Auf den Punkt gebracht, es ist zu teuer, das hier vor Ort nachzubearbeiten. Wenn man weiß, wie viel ein Shirt in der Produktion kostet, dann wird völlig klar, warum das unbezahlbar ist.

      Ich finde diese Entwicklung auch ganz schrecklich!

      lg
      Maria

  10. Liebe Maria,
    danke für Deinen Beitrag! Es ist wichtig, dass den Leuten in den reichen Regionen Europas wieder bewusst wird, woher auch ihr Wohlstand kommt.
    Haben wir nicht im Geschichtsunterricht gelernt, dass es früher die reiche Oberschicht gab, die sich viele und kostbare Kleidungsstücke kaufen konnte und genug zu essen (sogar täglich Fleisch!)?
    Die Mehrheit aß jeden Tag Hirsebrei, trug ein Kleidungsstück, vielmals geflickt und rackerte für den Wohlstand für „die oben“.

    Und wir haben wohl auch gelernt, dass das vorbei ist! Das jetzt alle ein lebenswürdiges Leben führen können, die ausgebeutete Unterschicht ist abgeschafft.

    Aber ich denke, dass das ein Trugschluss ist. Wir haben die (wirkliche) Unterschied „ausgelagert“. Nach Bangladesch etc. Und das Fleisch kann sich jedermann leisten, weil die Tiere aus unwürdiger Massentierhaltung kommen. Wir sind also alle hier in der Ober- bzw. guten Mittelschicht angelangt, auch wenn viele z.B. in Deutschland jammern, es ginge ihnen schlecht.

    Ich bekomme, wenn ich das erzähle, durchaus Zustimmung, aber dann gehts meist leider doch weiter im Tagesgeschäft. 5 Euro-Shirts und 3-Euro-Hühnchen sind einfach eine zu große Versuchung 😦

    Liebe Grüße!
    Anja

    • Hallo Anja!

      Danke für Dein ausführliches Kommentar, Du hast das schön aufgerollt.

      Mir kommt durch Dein Kommentar gerade ein sehr schräges Bild – durch die Globalisierung wurde die Unterschicht „verbannt“ – diese lebt nur ausgebeutet in den armen Ländern. So sehen wir das nicht einmal und müssen uns nicht damit konfrontieren. Was für eine heile Welt wird uns vorgespielt? Die stimmt nur nicht, es wird alles nur verdeckt…

      Eine ganz traurige Sache! Und was mich am meisten nachdenklich macht – es hat sich leider nichts verändert trotz aller Aufschreie seit dem Unglück. Zumindest ist es für mich nicht sichtbar.

      Noch immer werden Extrembilligkleidungsstücke angeboten und nun – siehe Text von clean clothes – geht es noch weiter und auch in Europa werden die Preise für die Textilarbeit gedrückt.

      Das kann es ja nun auch wieder nicht sein, statt in Bangladesh werden die Menschen nun hier ausgebeutet. Die Leute wollen billige Kleidung made in Europe und bekommen sie auch. Wohin wird das noch führen?

      lg
      Maria

      • Liebe Maria,
        oh ja, das ist natürlich auch so ein Aspekt: Wir müssen die ärmste Bevölkerungsschicht nicht mehr sehen.
        Das verschiebt dann natürlich auch das Bild von Armut und Reichtum.
        Ich denke, dass viele Menschen schlichtweg nicht glauben, dass sie selbst im (vielleicht bescheidenen) Wohlstand leben (siehe HarzIV-Diskussionen und so).
        – Wohlstand: Essen, Wohnen, Kleidung, auch kleine bis größere Luxussachen

        Aber es kommt eben auch immer darauf an, wofür wir bereit sind, Geld auszugeben. Letztens hat mich eine Bekannte auf meine selbstgenähte Hose angesprochen – wieviel ich dafür nehmen würde, wenn sie mich „beauftragen“ würde. Also 30 Eurohätte sie ja dafür ausgegeben 😮 (guter Stoff, auf Maß, nach Wunsch????)

        Ich frage mich, was die Leute für ein Gefühl für den Wert einer Sache haben. Selbst möchte in Dtl. jeder genug Geld verdienen – aber es dem anderen nicht gönnen 😦

        Liebe Grüße!
        Anja

      • Hallo Anja!

        Ich glaube, es machen sich die wenigsten Menschen, die selbst nicht nähen/handarbeiten, Gedanken, wie viel Zeit in so einem handgearbeiteten Teil steckt.

        Für mich geht es ja noch ein Stück weiter. Wenn man seine Sachen selbst macht und so viel Zeit und Energie investiert, dann trägt man das Teil auch sehr lange. Das ist nachhaltig. Wer den Wert jedoch nicht erkennt, der lässt es oft schon nach kurzer Zeit wieder los, weil einfach die Wertschätzung fehlt.

        lg
        Maria

  11. Liebe Maria,
    danke für diesen Beitrag, Du hast mich mal wieder auf eine Idee gebracht. Wie wir Lebensmittel sammeeln, die Supermärkte wegwerfen wollen, könnte man ja auch Bekleidung sammeln, die Geschäfte entsorgen wollen…..der Betrieb Deiner Tochter macht es vor. Danke für die Anregung! (repariert wird hier bei uns ohnehin und meine Enkel lieben auffällig reparierte Jeans!
    Liebe GRüße
    Christina

    • Hallo Christina!

      Ich habe auch schon von dumpstern vor Bekleidungsgeschäften gehört/gelesen. Das soll sehr einträglich sein 😉

      Ja, es wäre super, wenn es auch so etwas wie textilsharing geben würde!

      Danke für Dein Kommentar!

      lg
      Maria

      • Vom Dumpstern bei Bekleidungsgeschäften würde ich zumindest in Deutschland sehr abraten. Grund: auch Müll ‚gehört‘ jemandem und man kann wegen Diebstahl verknackt werden, wenn man Pech hat.
        Bei Lebensmitteln wird das oft mehr oder weniger geduldet, auch weil dabei die Hemmschwelle deutlich höher liegt. Bei allem anderen könnte es aber problematisch werden.

  12. Hallo Maria, wie gut das du auf die Aktion aufmerksam machst! Ich hätte es glatt verschlafen. Dabei hatte Susanne, von mamimade, schon letztes Jahr eine tolle Aktion gestartet.
    Leider vergisst man solche tragischen Ereignisse viel zu schnell! Jede Woche ein neuer Hype in den Nachrichten.
    Spannende Story die deine Tochter aufgeworfen hat. Das hatte ich so noch nie gehört.
    LG Tutti

  13. Moin Maria,
    Danke, das du daran erinnert hast.
    Ich hoffe, das du nichts dagegen hast, das ich das Thema eben auf der „nähfabrik “ verlinkt habe. Aber es war mir ein Anliegen, daran zu erinnern.
    Nachdenkliche Grüße
    Silke

  14. Danke für Deinen Artikel. Habe ich mir bislang keine Gedanken gemacht, was mit der Kleidung passiert, welche leicht fehlerhaft… Wahnsinn! Verstehe nicht, wie die Geschäfte dieses einfach wegwerfen. Wie bereits geschrieben, Lebensmittelspenden sorgen nicht für weniger Verkauf. Wenn ich jedoch Verkäufer einspare, die eben nicht den Kunden begleiten, dann gehen manche Kunden so mit der Kleidung um… Schade. Versuche mich selbst daran bewusster mit den Dingen umzugehen – achtsam ist ein schönes Wort und dieses auch meinen Kindern zu vermitteln. Und wie wahr: Armut wird ausgelagert und wie bringe ich meinen Kindern Demut bei.. Schön, dass es diese Aktionen gibt! Ich werde dieses in die Masse tragen… Bin auch bereits gefragt worden, ob ich für jemanden was nähe gegen Bezahlung. Habe dies auch abgelehnt, da kein Profi und der Anspruch an mich dann nicht passt und b. ein Hobby und c. in meinem Brotjob ist mein Stundenlohn so hoch – substition, dass ich nciht gegen Bezahlung nähe. 30 EUR für eine selbstgenähte Hose – hahaha! inkl. Stoff? Unglaublich. Hier in Moers gibt es Maßschneider und wenn ich die Stücke sehe wow. Liegen preislich hoch, aber Hugo Boss oder Boss woman auch – nur das ist dann Masse – beim Maßschneider Klasse für das Geld. Uargh! Herr – wirf Hirn – denke ich mir manchmal.

    • Hallo Ani!

      Was für eine Fülle an Gedanken, vielen lieben Dank dafür!

      Ja, wenn man einmal anfängt, seinen eigenen Stundenlohn in Relation zu setzen, dann wird Handgearbeitetes gänzlich unerschwinglich.

      Daran merkt man aber so richtig, wie arg diese Missstände wirklich sind!

      Schön, dass Du versuchst, Deinen Kindern einen anderen Weg zu zeigen, das ist so wichtig finde ich!

      lg
      Maria

  15. Hallo Maria!

    Es ist ein wirklich wichtiges Thema, das du hier ansprichst. Ich habe die #fashionrevolution bereits genau über die sozialen Medien verfolgt und freue mich sehr, dass darüber nun endlich ein bisschen mehr Bewusstsein in den Köpfen der Menschen geweckt wird.
    Ich selbst habe mein kleines Projekt, da ich keine Nähmaschine besitze, zu diesem wichtigen Thema anders gestaltet: Ich habe mich mit dem Deutschkurs, den ich bis vor einer Woche unterrichtet habe, mit dem Thema „Nachhaltige Kleidung“ auseinandergesetzt. Und ich war schockiert, wie wenig die Kinder darüber wussten. Wir haben in einem Zeitraum von 2 Wochen Videos geschaut und uns Gedanken gemacht, ob wir das so wirklich wollen. Ich weiß nicht, wie viel da hängen geblieben ist – doch ich hoffe, es hat einen kleinen Anstoß gegeben.

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Hallo Jenni!

      Jeder Schritt ins Bewusstsein der Menschen ist super und gut, dass es jeder auf die Weise macht, die ihm/ihr am besten liegt.

      Deinen Zugang finde ich super, toll dass Du die Möglichkeit hattest, das in Deinen Unterricht einzubauen!

      Wir leben hier in der Bloggerwelt in einer kleinen Blase, wo viele schon Bescheid wissen, worum es geht. Das ist aber nicht Alltag und spiegelt keinesfalls das gängige Wissen wider.

      Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig!

      lg
      Maria

  16. Hallo Maria,

    du hast Recht – das ist unglaublich. Ich habe auch einmal im Textileinzelhandel gearbeitet und da kommt auch wenn alles „gut“ läuft eine große Menge Müll zusammen, weil jedes Kleidungsstück einzeln eingeschweißt geliefert wird, um dann ausgepackt und auf Bügel gehangen oder zusammengelegt zu werden.

    Danke für diesen Beitrag und deine unerschöpfliche Reparierwut! 🙂

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Philipp!

      Das hat mir Herr Widerstand auch schon berichtet, es ist ja unfassbar, fast schon wieder einen eigenen Beitrag wert, dass zB jedes Kleidungsstück einen eigenen neuen Bügel bekommt, der danach entsorgt wird.

      Sind ja auch wieder Kosten, ist zu teuer, wenn die Verkäufer im Geschäft die Kleidungsstücke aufhängen, die werden auf Bügeln geliefert und diese werden dann wieder zu Müll. Auch dass alles in Plastik verpackt geliefert wird ist WAHNSINN!

      Wenn man denkt, man kann Kleidung ohne Plastik kaufen, dann ist das ein großer Irrtum. Ich sage nur „graues Plastik“

      Noch ein Grund mehr für mich, keine Kleidung mehr zu kaufen, was ich seit 3 Jahren durchziehe.

      lg
      Maria

      • Wow, drei Jahre! Das ist fantastisch! Das mit den Kleiderbügel ist mir wiederum neu. Wir hatten damals hölzerne Kleiderbügel im Geschäft, die die Kunden nur zu gern haben wollten. Abgesehen davon, wurden die bei uns aber stets wiederverwendet.

        Lieber Gruß,
        Philipp

      • Hallo Philipp!

        Hängt vermutlich vom Geschäft ab. In dem Geschäft, wo er gearbeitet hat, war es jedenfalls so.

        Ich weiß aber von meiner Zeit, als ich noch shoppen ging, dass es kein Problem war, Kleiderbügel geschenkt zu bekommen, weil sie weggeworfen werden. Und das war ein anderes Geschäft.

        lg
        Maria

  17. Gar nicht mehr oder nicht mehr neu zu kaufen, finde ich auch problematisch:

    Wenn wir wollen, dass Kleidung ökologisch vertretbar und fair hergestellt wird, müssen wir auch bei den wenigen Herstellern kaufen, die das tun. Wenn wir das nicht tun, dann
    – gehen diese Firmen ein und nur noch die Haie bleiben übrig.
    – unterstützen wir die Wegwerfhaltung eines Großteils der Bevölkerung, die sich einbilden, wenn sie ein Kleidungsstück zu Secondhand geben oder spenden, haben sie ja „Gutes getan“ und sich ökologisch verhalten und gleich darauf die nächste Ladung neue Kleidung kaufen. Natürlich NICHT öko oder fair hergestellt. Wenn man nur Secondhand kauft, tut man insofern auch gar nichts gegen den Wahnsinn der Textilausbeutung. Zwar sorgt man für eine längere Nutzungsdauer, das ist aber auch schon alles.

    Deswegen: kauft Euch ab und zu ein neues Kleidungsstück – öko und fair mit guter Qualität – und tragt es LANGE! Wer soll die Ökosachen kaufen, wenn nicht wir?

    • Hallo Fussel!

      Danke für Dein Plädoyer für faire Mode!

      Auch wenn ich es für mich anders mache, so kann ich das nur unterstützen.

      Selbst nehme ich meist Sachen vom Kostnixladen oder Tauschmarkt mit, die kleine Fehler haben und nähe sie für mich um.

      Die Sachen würden sonst wirklich zu Müll, weil kaum jemand was damit anfangen kann.

      Wenn ich wieder zu kaufen beginne, dann werde ich aber auf jeden Fall öko-faire Kleidung kaufen!

      lg
      Maria

  18. Ich finde Kleiderkreisel zwar auch nicht gut (verbiete ich meiner Tochter, kann sie privat veranstalten) aus Fussels Grund, denke aber nicht, dass man wenn man auf Flohmärkten kauft, so dermaßen viel zum Überkonsum beiträgt und diese Teenieklamottenwegwerfkultur ankurbelt. In Ökodörfern wird Kleidung auch weitergegeben und nicht neu in Öko gekauft. Allerdings ist mir wichtig, nur soviel zu nehmen wie ich brauche. Wenn ich eine Tasche hab, brauch ich keine zweite zu nähen. Ich würde sie nicht benutzen. Dann kann man den Strom auch sparen. Genauso der grüne Konsum ist auch Konsum unterm Strich. Weglassen ist für mich die beste Lösung und die einfachste.

  19. Irgendwie hab ich beim Thema Kleidung auch wieder das Gefühl , genau wie beim Thema Lebensmittelverschwendung , das alles auf den Verbraucher abgewälzt wird. Er soll einfach nur sorgsam mit den sachen umgehen und das richtige kaufen dann klappt das schon.

    Warum schreibt der Gesetztgeber nicht einfach Standards vor? Genauso wie einige Stoffe in Textilien sind die in Deutschland/Europa verboten sind aber Importware darf sie enthalten.

    Wir versuchen beim kauf ein wenig auf Nachhaltigkeit zuachten d.h. wenn neue Kleidung ansteht gucken wir erstmal 2.Hand Laden das ist nicht nur besser für die Umwelt sondern normalerweise( ausser man kauft aufn Flohmarkt bei Aufbügler) günstiger und Schadstoffe sind zum Grossteil schon rausgewaschen für die Kinder, 10 + 8 jahre alt, finden wir da häufig was und noch tragen die gebrauchte Kleidung.

    Ich bzw wir gehen auch sorgsam mit der Kleidung um bzw nutzen die sulang bis sie nur noch Stofflich genutzt werden können dann landen die Sachen in der Altkleidersammlung und die Sortierer können dann entscheiden ob Auto Innenverkleidung oder Energie draus wird.

    Kaufverzicht sehe ich ähnlich wie Fussel wenn nicht nachhaltige Menschen die es sich leisten können und wollen ( viele möchten ja lieber um die Welt fliegen …)die Sachen kaufen wer soll es sonst machen?
    Wobei ich sagen muss das es schwierig ist im Einzelhandel Vorort „nachhaltige“ Kleidung zukaufen sofern man nicht unbedingt die Biobaumwolljeans von c&a für 29,00 dazu zählt.

    Das Problem fängt ja auch schon bei (Kinder)Socken ohne Kunstfasern an.

    • Hallo Uwe! Danke für dein langes Kommentar, ich merke das Thema ist Dir auch wichtig und beschäftigt dich. Der Aspekt dass Schadstoffe schon heraus gewaschen sind bei secondhand ist auch sehr wichtig finde ich, gerade bei Kindern. Lg Maria

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