Achtsam durch den Tag [Woche 44]

Es ist schon ganz gut so, dass ich dieses Projekt auf meinem Blog führe und hier in meinen Beiträgen quasi protokolliere. Seit meiner Blogpause habe ich genau eine Achtsamkeitsübung gemacht.

Die allerdings tatsächlich rund 4 Monate lang. Zufall, dass es genau die Übung ist, die ich am nötigsten habe? Nicht wirklich, denn sie ist mir zwar zugefallen, aber ich hätte sie ja nicht so lange machen müssen. Denn die darauf folgende Aufgabe ist in Wirklichkeit auch wieder sehr spannend für mich.

Jedoch ist mir genau diese Übung so wichtig, dass es mir auch heute noch schwer fällt, diesen Beitrag zu schreiben um endlich doch zur nächsten Übung weiter zu gehen.

#44 Ungeduld

Bei der Achtsamkeitsübung, die mich so lange beschäftigt hat und es noch immer tut, geht es darum, sich seiner Ungeduld bewusst zu werden. Aufmerksam soll man die Signale im Körper beobachten wie z.B. Unruhe oder Gedanken wie „Jetzt mach doch endlich weiter!“ oder „Warum muss das nur so lange dauern?!“.

Eine Möglichkeit, dem Problem auf die Spur zu kommen ist sich zu fragen, warum man denn so in Eile ist. Oder auch was man denn statt dessen lieber machen würde.

Der Körper kann mitunter sehr heftig auf Ungeduld reagieren. Symptome wie Beschleunigung des Herzschlages, erhöhte Atemfrequenz, Verengung von Brust oder Magen, Zappeligkeit, Trommeln mit den Fingern bis hin zu Aggressivität sind sehr häufig zu beobachten.

Selbst bin ich ein sehr ungeduldiger Mensch. Ich hatte immer schon ein etwas schnelleres Tempo als viele andere Menschen und bin mit meinen Gedanken meist schon 2 Schritte voraus.

Damit habe ich so locker aus der Hüfte geschossen auch schon das Hauptproblem meiner Ungeduld auf den Punkt gebracht. Nachdem ich meinen Alltag (notgedrungen) sehr gut durch strukturiert habe, machen mich Verzögerungen sehr nervös. Weil das natürlich bedeutet, dass mein schöner Zeitplan den Bach runter geht.

Wenn also etwas länger dauert als erwartet neige ich dazu, das Tempo noch weiter zu erhöhen, um doch noch alles zu schaffen. Und bin mit meinem Gedanken ständig bei dem, was als nächstes oder gar übernächstes zu tun ist.

Ganz schlecht!

Wirklich ganz schlecht!

Dabei bin ich doch genau damit vor einigen Jahren ganz gehörig auf die Nase gefallen. Und habe mich in Wirklichkeit noch gar nicht richtig erholt davon.

Scheinbar habe ich nichts gelernt daraus. Obwohl, das denke ich gar nicht. Gelernt habe ich sogar sehr viel daraus. Aber es fällt mir halt im Alltag sehr schwer, aus den alten Mustern aus zu steigen.

Nun mach doch schneller, ich will auch noch über die Kreuzung!

Aber es ist nicht immer nur der Zeitplan, der mich ungeduldig werden lässt. Beobachtet habe ich, dass ich auch bei bestimmten Arbeiten sehr ungeduldig werde. Mit Hilfe dieser Achtsamkeitsübung habe ich heraus gefunden, dass es sich meist um sehr langweilige Arbeiten handelt, die ich eigentlich nicht machen mag. Oder zumindest Momente, wo ich eigentlich in Wirklichkeit ganz etwas anders machen möchte.

Wenn mir das bewusst wird (und das habe ich nun wirklich SEHR ausgiebig geübt in den letzten 4 Monaten), dann ist es an der Zeit eine Entscheidung zu treffen. Entweder ich mache mit dem weiter, was mich gerade ungeduldig gemacht hat und kann dadurch die Situation dazu nutzen, um Achtsamkeit zu üben. Dazu reduziere ich das Tempo und führe die Arbeit bewusst im Hier und Jetzt aus. Besonders wichtig ist es gleichzeitig die Gedanken zu diesem Moment zu führen und zu halten.

Am Anfang ist mir das unglaublich schwer gefallen! Aber je länger ich geübt habe, desto einfach wurde es für mich, die Situation zu verändern.

Die zweite Möglichkeit der Entscheidung ist, die Arbeit zu unterbrechen oder ganz damit aufzuhören und statt dessen das zu machen, was man gerade lieber machen möchte. Auch dieser Weg ist mir nicht immer leicht gefallen. Ganz im Gegenteil, die Sache mit der Pflicht und „man sollte ja doch…“ etc. ist mir ganz schön im Weg gestanden.

Du kannst vielleicht schon erkennen, warum ich so lange für diese Übung gebraucht habe. Es gab wirklich jede Menge Übungsbedarf für mich!

Letztendlich geht es bei dieser Achtsamkeitsübung darum, von Moment zu Moment Achtsamkeit in alle Aspekte des Lebens zu bringen. Dadurch können auch Aktivitäten, die wir ganz schnell hinter uns bringen wollen, interessant werden. Ich sage nur achtsames Gemüse schneiden oder Geschirr abwaschen!

Wenn es nicht mehr darum geht, den ganzen Berg Geschirr abzuwaschen, sondern einen Teller zu säubern, verändert sich die Wahrnehmung sehr deutlich. Probier es doch gerne einmal aus!

Hinter der Ungeduld steckt die Emotion Angst und das macht die Ungeduld so explosiv. Es ist die Angst, nicht genug Zeit zu haben.

Das Fatale an der Angst, nicht genug Zeit zu haben, ist, dass sie sowohl realistisch aber auch gleichzeitig völlig unrealistisch ist. Sie ist realistisch, weil wir nie wissen, wann unser Leben zu Ende ist und wir noch so viele Dinge tun oder erfahren wollen. Und wenn man diesen Punkt einmal berührt hat, dann wird es mit der Ungeduld noch schwieriger, das kann ich Dir verraten.

Unrealistisch ist die Angst deshalb, weil Zeit eine Schöpfung unseres Geistes und relativ ist.

Wenn es uns möglich ist, den Geist ruhigzustellen, in reines Gewahrsein einzutreten und mit dem Fluss der Ereignisse zu fließen, dann verschwindet die Zeit. Die Stille des Ewigen öffnet sich, und wir sind in Frieden.
(Jan Chozen Bays)

Ungeduld ist davon abhängig, dass der Geist in die Zukunft voraus eilt und versucht, die Zeit willentlich zu zwingen, schneller abzulaufen. Doch wenn man dieses Ablehnen des Moments und das „Warten auf die Zukunft“ in letzter Konsequenz durchdenkt, stiehlt uns die Ungeduld unser Leben. Denn das Leben spielt sich nie in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft ab, sondern immer nur im Hier und Jetzt, im Augenblick, der gerade geschieht.

Das einzige Mittel gegen die Ungeduld ist daher, sich in den gegenwärtigen Augenblick fallen zu lassen – das Atmen, Lauschen und Fühlen von Empfindungen.


achtsam durch den Tag [#Jahresprojekt 2017]

achtsam-durch-den-tag-jahresprojekt-2016-2017Diese Gedanken sind Teil von meinem Jahresprojekt.
Nähere Informationen dazu findest Du im Beitrag „Achtsam durch den Tag [Jahresprojekt]“, in welchem auch alle Links der Linkparty gesammelt werden.

Ergänzend dazu sind alle verlinkten Beiträge auf meinem Pinterest-Board „Achtsamkeit“ zu sehen.

Weiters verlinkt zu ANL von Rostrose


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Achtsam durch den Tag [Woche 40-41]
Achtsam durch den Tag [Woche 42-43]

Im Gesamtindex „Beiträge“ findest Du eine Übersicht über alle bisher veröffentlichten Beiträge.

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eigentlich gar nicht so kurz und vor allem ganz und gar nicht schmerzlos [widerstand ist zweckmäßig]

Heute falle ich einmal mit der Tür ins Haus. Denn nach so langer Zeit wieder zu bloggen zu beginnen, ist gar nicht so einfach. Vor allem habe ich meine wirklich sehr lange Blogpause (unter anderem) dazu genutzt, um mir über die Zukunft von meinem Blog Gedanken zu machen.

Schon öfters habe ich darüber geschrieben, dass ich das Bloggen reduzieren möchte, weil der Zeitaufwand letztendlich zu viel ist. In den letzten vier Monaten habe ich auch immer wieder einmal darüber nachgedacht, den Blog ganz einzustellen.

Ich hätte in den letzten Wochen auch gar nicht gewusst, woher ich die Zeit nehmen sollte, um ein paar Zeilen zu schreiben. Es waren andere Dinge gerade wichtiger in meinem Leben. Und das ist gut so und sollte auch zu keinem schlechten Gewissen führen.

Noch vor einem Monat war ich sogar fest entschlossen, nicht nur dem Bloggen sondern sogar dem ganzen Internet lebe wohl zu sagen. Das reale Leben war mir so viel wichtiger und ich hatte den Eindruck, dass ich mich durch das Bloggen manchmal auch vor dem Leben und dem, was gerade ansteht drücke.

bunte Blättervielfalt im Herbst

doch kein Abschied

Warum dieser Beitrag nun doch kein Abschied wird und ich sogar sehr gerne hier weiter schreiben möchte, hat verschiedene Gründe.

Einerseits – und das ist vielleicht der wichtigste Grund überhaupt – tausche ich mich gerne mit anderen Menschen aus. Ich habe in den letzten Jahren all jene Leser sehr lieb gewonnen, die regelmäßig oder auch sporadisch meine Beiträge kommentiert haben. Dieser Gedankenaustausch ist unglaublich wertvoll für mich! Und ich hoffe, dass wir hier auch wieder anschließen können.

Andererseits merke ich, dass ich auch tief in mir das Bedürfnis habe das aufzuschreiben, was mich gerade bewegt.

Und jetzt kommen wir genau zu dem Punkt, warum es zuletzt nicht mehr so gut geklappt hat mit dem Bloggen. Ich habe nämlich aufgehört aufzuschreiben, was mich persönlich in dem Augenblick gerade bewegt und habe statt dessen versucht, meine Erfahrungen mit dem Müllreduzieren, Plastikvermeiden etc. weiter zu geben um etwas zu verändern. Um andere dazu zu motivieren, Müll zu vermeiden, Plastik zu reduzieren, Dinge zu reparieren u.s.w.

Wenn man so will habe ich aus meinem Blog so etwas ähnliches wie ein „Nachhaltigkeitsmagazin“ gemacht und versucht, so viel Mehrwert wie möglich für den Leser zu produzieren. Durch die verschiedenen Serien habe ich meinem Blog ein mit der Zeit immer starrer werdendes Korsett angezogen.

Das ist aber – ganz ehrlich – unglaublich stressig. Nicht nur weil ich mir ständig überlegen musste, worüber ich schreibe und ob die Themen überhaupt jemand lesen will, sondern auch weil ich Fotos dafür gemacht, diese bearbeitet und letztendlich für jeden einzelnen Beitrag unzählige Stunden gebraucht habe. Das ist in Arbeit ausgeartet und die Freude und der Spaß am Schreiben sind zu kurz gekommen.

Außerdem ist mir mein Perfektionismus mal wieder im Weg gestanden und ich habe jeden Beitrag x mal durchgelesen, nach Rechtschreibfehlern gesucht und an den Formulierungen gefeilt. Damit bin ich mir selbst im Weg gestanden, viele Grüße an Herrn Pareto!

Ich gebe zu, einige Zeit war ich auch von den Zugriffszahlen geflasht und es hat meinem Ego ganz schön geschmeichelt, wie viele Leute meinen Blog gelesen haben. Das kann ganz schön süchtig machen nach immer mehr und immer mehr. Touché – guilty as charged.

social media

Durch das Teilen meiner Beiträge auf FB und bei den verschiedenen Linkpartys habe ich versucht mehr Leser zu erreichen. Zuerst fing alles ganz harmlos an und mit der Zeit wurde es immer aufwändiger und bald wurde es zu einem großen Zeitaufwand, bis ich endlich einen Beitrage veröffentlicht hatte.

Ich möchte auch hier einen Schritt zurück gehen. Wer auf meinem Blog lesen will, der findet ihn auch so. Punkt.

die Wurzeln werden sichtbar

back to the roots

Bei all meinen Überlegungen in den letzten Monaten habe ich versucht wieder zu den Wurzeln vorzudringen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich in letzter Zeit immer wieder sehr gerne in einigen FB-Gruppen geschrieben und darüber erzählt habe, was ich gerade so mache. Manchmal habe ich sogar extra Fotos geschossen. Aber mir war vor allem der Austausch mit den anderen in der Gruppe sehr wichtig.

Und auf einmal wurde mir klar, dass ich hier eigentlich „Ersatzblogge“ und was ich eigentlich will.

Denn genau so habe ich zu bloggen begonnen! Ich habe einen Impuls verspürt, etwas zu erzählen, vielleicht ein Foto dazu zu zeigen und dann habe ich den Beitrag veröffentlicht.

Das waren dann keine 5.000 oder noch mehr Worte und keine perfekten Fotos. Aber es hat mir Freude gemacht und mir dabei geholfen, ein Thema, das mich gerade beschäftigt zu verfolgen.

Nicht, weil es laut meinem selbst erstellten Blog-Redaktionsplan gerade dran ist, sondern weil es mich in dem Moment gerade beschäftigt.

bunte Vorräte für den Winter

langer Worte kurzer Sinn

Ab sofort bin ich wieder zurück und es geht auf meinem Blog weiter. Vielleicht nicht immer ganz so regelmäßig. Vielleicht werden die Beiträge auch nicht mehr ganz so lange werden wie früher. Vielleicht schaffe ich es nicht mehr so schnell auf alle Kommentare zu reagieren.

Neue Beiträge werden Themen möglicherweise nur anreißen und nicht erschöpfend behandeln. Manchmal vielleicht sogar mehr Fragen aufwerfen als Antworten anbieten. Weil ich auch nicht auf alles eine Antwort weiß und weil ich auch nicht für alles eine Lösung habe.

Aber es geht weiter und ich freue mich darauf!

Was sich ändern wird, das ist die Sache mit den Linkpartys. Die aktuelle Linkparty „fix it – reparieren ist nachhaltig“ wird noch bis Ende des Jahres laufen. Danach möchte ich 1 x pro Jahr die Linkparty neu eröffnen und nicht mehr jedes Monat.

Das hat mich einfach total gestresst. Da mir das Thema jedoch sehr wichtig ist, möchte ich sie unbedingt weiter führen.

Natürlich bleibt auch die „Resteküche – mach was draus!“ bestehen, sie ist ja sowieso als dauerhafte Linkparty konzipiert.

Ich werde auch weiterhin Teil vom #EiNaB-Team bleiben und freue mich, dass die Linkparty so gut angenommen wird.

Widerstand ist zweckmäßig

Selbst möchte ich nur mehr sehr sporadisch an Linkpartys teilnehmen und vor allem auch meine Aktivitäten in den social medias reduzieren.

Ich möchte mich auch ganz bewusst von Gastbeiträgen distanzieren. Möchte selbst keine Gastbeiträge mehr schreiben und auch meinen Blog nicht mehr für Gastbeiträge zur Verfügung stellen. Denn so arbeitsreduziert es in der Theorie klingt, dass jemand anderer einen Beitrag auf meinem Blog schreibt, so aufwändig hat sich das in Wirklichkeit dargestellt.

Die Korrespondenz dazu, das Nachbearbeiten der Texte, das Einbauen der Fotos etc. war teilweise sogar mehr Aufwand als selbst einen Beitrag zu verfassen.

Ich werde auch weiterhin an keinen Awards teilnehmen, um mehr Bekanntheit zu erlangen und werde künftig auch an keinem Adventkalender oder sonstigen tollen Aktionen mitwirken.

Buchrezensionen wird es nur noch selten geben und nur dann, wenn es mir wirklich wichtig ist darüber zu schreiben und nicht deshalb, weil es gerade an der Reihe ist.

Mein Blog hat mit „widerstand ist zweckmäßig“ begonnen und auch jetzt war es gut, diesen Widerstand in mir zu spüren. Ich kann einfach nicht mehr so weiter machen, wie ich es in den letzten Monaten vor der Blogpause gemacht habe.

eigentlich gar nicht so kurz

Ursprünglich wollte ich nur ein paar Worte schreiben und mitteilen, dass ich wieder bloggen werde. Scheinbar habe ich doch mehr zu sagen gehabt als gedacht.

Das zeigt mir, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Bis bald Ihr Lieben!


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Achtsam durch den Tag [Woche 42-43]

Diese beiden Aufgaben haben mich für sehr lange Zeit beschäftigt und ich bin sehr froh, dass ich mir die Zeit dafür genommen habe. Das spiegelt sich auch in der Länge meiner Texte wider und daher habe ich mich auch in diesem Beitrag auf zwei Achtsamkeitsübungen beschränkt.

Vielleicht habe ich auch jetzt schon ein wenig Sorge, was sein wird, wenn es mit diesem Projekt vorbei ist und lasse mir deshalb mehr Zeit? 10 neue Herausforderungen warte noch auf mich. Ich freue mich schon sehr darauf!

#42 Dinge aufschieben

In dieser Woche ging es darum sich seiner Verschleppungstaktik bewusst zu werden, des Aufschiebens von Dingen, die getan werden müssen. Wenn man etwas ewig vor sich herschiebt und so gar nicht angeht, verwendet man auch das wunderschöne Wort Prokrastination.

Durch meine Kinder bzw. als Alleinerzieher habe ich gelernt, dass ich Probleme damit bekomme, wenn ich „Dinge liegen lasse“. Das ging so weit, dass ich richtige Panik bekommen habe, wenn ich etwas nicht erledigen konnte. Da jeder Tag mit so vielen Aufgaben gefüllt war, die nur durch ein sehr straffes Zeitmanagement zu bewältigen waren, war es mir wichtig, nichts liegen zu lassen, da der nächste Tag keinen Spielraum dafür her gab.

Dabei ging es allerdings jedoch meist um organisatorische Dinge, die wichtig waren um den Alltag zu bewältigen. Andere Dinge, die vielleicht auch sehr wichtig waren – für mich persönlich, für die Gesundheit oder für die Zukunft – sind dabei liegen geblieben.

Das ging so weit, dass ich mich darin völlig erschöpfte und irgendwann einmal gar nichts mehr ging. Langsam musste ich lernen, wieder auf meinen Körper zu hören und auch Pausen einzuplanen.

Eine sehr liebe und weise Frau hat mir einmal erklärt, dass ich eine sehr interessante Art habe, Dinge zu vermeiden. Dass ich nämlich etwas anderes „ganz Wichtiges“ mache, statt das, was ich eigentlich tun sollte.

Ein Beispiel dafür wäre ein leckeres Abendessen zu kochen (das sehr zeitintensiv ist) statt einen Anruf zu tätigen/Brief zu schreiben oder was ich sonst vor mir her schiebe. Es ginge ja auch anders, es gibt ein schnelles Abendessen und dann geht sich beides aus.

Immer etwas (anderes) zu tun ist im Grunde eine sehr gute Taktik, um etwas vor sich her zu schieben. Es ist ganz unauffällig, denn man ist ja die ganze Zeit beschäftigt! Es ist ja nicht so, dass man auf der faulen Haut liegt und in den Tag hinein lebt.

Immer mit etwas beschäftigt zu sein um nie zu dem zu kommen, was eigentlich wichtig wäre, ist eine sehr gut Möglichkeit um etwas ewig hinaus zu schieben ohne dass es schnell auffällt.

Durch die Aufgabe der Woche #42 habe ich die Möglichkeit bekommen noch einmal genauer hin zu sehen, wie ich mich in solchen Situationen verhalte.

Und siehe da, es hat sich genau gar nichts verändert! Ich renne noch immer wie der Hamster im Rad, bin fleißig dabei alles mögliche zu erledigen und schaffe es dabei Dinge liegen zu lassen. Wie zum Beispiel meine Steuererklärung und andere bürokratische Sachen, die ich so gar nicht machen mag.

Letztendlich hat es genau 4 Wochen gedauert, bis ich die Steuererklärung tatsächlich gemacht habe. So lange habe ich die Aufgabe fortgesetzt. In den vier Wochen hat sich ganz schön viel bewegt zu Hause. Ich habe sehr viele Sachen erledigt, vor denen ich mich gedrückt habe.

Jeden Tag habe ich mir eine Sache vorgenommen, die unerledigt ist und die ich an dem Tag erledigen wollte. Und dabei habe ich mich selbst beobachtet. Manchmal hat es einige Tage gedauert bis ich die selbst gestellt Aufgabe endlich angegangen bin, denn da waren so viele andere unerledigte Sachen, die in dem Moment „noch wichtiger“ waren.

Das heißt sogar in der Zeit, wo ich sehr bewusst hingesehen habe durch die Aufgabe der Woche, habe ich mich immer wieder einmal selbst ausgetrickst.

Es war eine wichtige Zeit für mich um dieses Thema noch einmal anzusehen. Dadurch ist vieles einfacher geworden in meinem Leben, weil ich mich so oft selbst dabei ertappt habe, etwas anderes zu arbeiten statt das, was ich eigentlich tun sollt.

Als ich die vorgeschobenen Arbeiten reduziert habe und statt dessen gleich die Dinge angegangen bin, die zu tun waren, hatte ich auf einmal mehr Zeit für mich.

Klingt das jetzt seltsam? Ja, vermutlich! Aber das war die Erfahrung dieser 4 Wochen. Wenn ich gleich erledige, was getan werden muss, dann habe ich mehr Zeit für das, was Spaß macht, weil ich keine vorgeschobenen Tätigkeiten mehr machen muss, die nur dazu dienen, die Aufgabe zu verschleppen.

Daher habe ich meine Formel für einen erfolgreichen Tag wieder hervor geholt und praktiziere sie wieder täglich.

#43 Ihre Zunge

Diesmal gab es eine Übung, die ich gar nicht geschafft habe. Während ich esse und trinke sollte ich mir meiner Zunge bewusst sein, also die Aufmerksamkeit auf die Aufgaben der Zunge lenken, was sie tut, während ich esse und trinke und wie und wo ich schmecke.

Das hat so gar nicht geklappt, obwohl ich es fast 3 Wochen lang versucht habe. Kein einziges Mal! Ich war einfach nicht in der Lage, darauf zu achten. Beim Essen bin ich mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, vor allem mit Schmecken und Genießen, dass da scheinbar kein Platz für etwas anderes mehr ist.

Wobei ganz so stimmt es nicht, fällt mir gerade beim Schreiben ein, ein Mal hat es doch funktioniert. Aber das war eher Zufall, wenn ich ehrlich bin. Seit 100 Jahren hatte ich das erste Mal (aus einem bestimmten Grund, aber das führt zu weit hier) einen Kaugummi im Mund. Und dabei habe ich festgestellt, dass ich es nicht schaffe, den Kaugummi an einer bestimmten Stelle zu halten. Er bewegte sich unablässig in der Gegend herum ohne dass ich das wollte! Und dafür war wohl die Zunge zuständig und das wurde mir in dem Moment sehr deutlich bewusst.

die Zunge künstlerisch dargestellt in einem Graffiti

Die Aufgabe der Woche hat mich überraschend in eine ganz andere Richtung geführt als erwartet. Da es beim Essen nicht geklappt hat, habe ich zwischendurch immer wieder einmal meine Aufmerksamkeit auf die Zunge gelenkt.

Beobachtet habe ich dabei, dass meine Zunge ein Indikator für meine Nervosität ist. Wenn es mir gut geht, ruht sie sich ganz gemütlich in meinem Mund aus. Sobald ich aber in Stress gerate und nervös werde, führt sie scheinbar ein Eigenleben und bewegt sich unablässig in meinem Mund herum und tastet alles möglich ab!

Immer wenn mir das unruhige Verhalten meiner Zunge bewusst wurde, habe ich mich bemüht, sie zu beruhigen und mich selbst bewusst zu entspannen, damit auch die Zunge wieder ruhig im Mund liegen kann.

Und siehe da, das hat sich auch positiv auf meinen Gesamtzustand ausgewirkt, ich wurde dadurch insgesamt ausgeglichener und gelassener.

Fazit – das ist eine sehr mächtige Übung wie mir scheint, auch wenn es um etwas ganz anderes ging bei der Aufgabe der Woche. Ich möchte das unbedingt weiter verfolgen und freue mich, diese neue Möglichkeit der Selbstberuhigung in stressigen Situationen entdeckt zu haben.


achtsam durch den Tag [#Jahresprojekt 2017]

achtsam-durch-den-tag-jahresprojekt-2016-2017Diese Gedanken sind Teil von meinem Jahresprojekt.
Nähere Informationen dazu findest Du im Beitrag „Achtsam durch den Tag [Jahresprojekt]“, in welchem auch alle Links der Linkparty gesammelt werden.

Ergänzend dazu sind alle verlinkten Beiträge auf meinem Pinterest-Board „Achtsamkeit“ zu sehen.

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