Leben 2.0

Meine freien Tagen starte ich für gewöhnlich damit, dass ich – noch im Bett sitzend – meinen Laptop nehme, einschalte und danach Mails und Kommentare checke sowie neueste Beiträge auf den Blogs, denen ich folge, ansehe und meist auch an meinen eigenen Beiträgen arbeite.

Es kann schon mal 3 Stunden dauern, bis ich endlich hungrig genug bin, um mich zum Frühstückstisch zu setzen.

Heute früh hat das Internet nicht funktioniert, es konnte keine Leitung hergestellt werden. Früher hätte ich mich darüber geärgert und verzweifelt den technischen Notdienst angerufen.

Achtsamkeit im Alltag

Heute bin ich überrascht über mich selbst. Ich bin plötzlich neugierig auf den Tag, eine ungeahnte Menge an Zeit öffnet sich vor mir. Ich weiß gar nicht, was ich als erstes tun will.

Lesen? Nähen? Die Sonne scheint und lädt zu einem Spaziergang ein. Mir schwirren 100 Gedanken durch den Kopf, einer davon nimmt Form an.

der Herbst ist eine wundervolle Jahreszeit

der Herbst ist eine wundervolle Jahreszeit

Was, wenn jeder Tag so wäre? Was, wenn ich jeden Tag mit so einer Fülle an Zeit beginnen könnte?

Ich gehe vor die Türe, diese Nacht hat es das erste Mal so richtig gefroren. Der Reif bedeckt die Bäume und Sträucher, mein Atem ist deutlich sichtbar. Ein lautes Rascheln lässt mich aufmerksam werden. Der Frost der Nacht lässt den Nussbaum am Nachbargrundstück die Blätter verlieren.

Jedes Blatt, das zu Boden fällt, reißt andere mit sich mit. Sie sind noch gefroren, daher kommt auch die „Musik“. Erinnerungen an Avatar kommen hoch und ich staune vor dem wundervollen Naturschauspiel. Viele Minuten bleibe ich so stehen und bin dankbar, dass ich das erleben darf. Ohne das Internetproblem würde ich jetzt vor meinem PC sitzen und hätte all das verpasst.

Der Augenblick ist kostbar. Nur wenige Minuten später ist das bunte Treiben der Blätter wieder vorbei, da die Sonne kraftvoll den Baum erwärmt.

Herbstlaub mit Frost

Herbstlaub mit Frost

mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben

Schon vor einiger Zeit habe ich über meinen Blog und die Prioritäten in meinem Leben nachgedacht. Ich wolle die Internetzeit reduzieren um mehr Zeit für die vielen Dinge im realen Leben haben, die mir so viel Spaß machen.

Das habe ich auch sehr bewusst versucht umzusetzen. Versucht. Gelungen ist es nur teilweise. Ich habe einiges mehr im realen Leben gemacht, aber es hatte trotzdem nicht alles Platz. Die Zeit eines Tages ist limitiert. Ich interessiere mich für zu viele Dinge. Ich will zu viel auf einmal machen.

Ich bin hungrig aufs Leben.

man kann leider nicht alles haben im Leben

Es hat mich tatsächlich ein wenig gestresst, wenn ich meinen „Offline-Hobbys“ nachgegangen bin. Mit dem Lesen der anderen Blogbeiträge war ich ständig im Verzug, bin nicht immer zum Kommentieren gekommen. Die Sammlung meiner vorbereiteten Blogbeiträge war auf beinahe 0 reduziert. Also habe ich einiges an Zeit aufgewendet und eine Woche lang jeden Tag mindestens einen neuen Beitrag geschrieben.

Zum Lesen von Büchern kam ich dadurch kaum noch. Der Stapel der ungelesenen Bücher erscheint mir unendlich hoch. Wenn ich doch einmal zu lesen begann, hatte ich den Anschluss verloren, musste zurück blättern und schlief ein, ohne den eigentlichen Beginn wieder erreicht zu haben.

Einige Blogger, die ich sehr schätze, haben aufgehört zu bloggen. Aus ganz ähnlichen Gründen.

Die Prioritäten verschieben sich, die Realität ruft ganz laut.

ich will aber alles haben!

Auf der anderen Seite empfinde ich die Bloggerwelt als unglaublich inspirierend und befruchtend. Ich habe dadurch ganz viele Anregungen bekommen, vieles ausprobiert, wurde herausgefordert, Dinge anders zu machen und Neues auszuprobieren.

Das würde ich sehr vermissen. Ich liebe meinen Blog und das Bloggen. Ich schreibe für mein Leben gerne!

Ambivalenz ist mein 2. Vorname.

Heute stelle ich fest, ich habe noch immer keinen Weg gefunden, alle meine Wünsche und Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen.

Ich will einfach zu viel vom Leben.

der Weg nach innen

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Achtsamkeit in den Alltag bringen

Das Thema Achtsamkeit beschäftigt mich schon seit langer Zeit sehr. Zuletzt hat sich die Achtsamkeit mit dem Thema Ernährung verbunden, als ich das Buch „Schlank durch Achtsamkeit“ gelesen habe.

Achtsamkeit in den Alltag bringen

Um das achtsame Essen zu vereinfachen, habe ich beschlossen insgesamt mehr Achtsamkeit in den Alltag zu bringen. Die Frage war nur, wie gehe ich das an? Welche Möglichkeiten habe ich und was ist für mich der richtige Weg?

Wie so oft kam mir das Internet zu Hilfe und ich bin auf die Seite „BewusstSEIN braucht Raum“ von Katrin Linzbach gestoßen.

Ihre Beiträge empfinde ich als sehr inspirierend und habe dabei auch diese beiden Kartenspiele entdeckt.

zwei Kartenspiele für mehr Achtsamkeit im Alltag

zwei Kartenspiele für mehr Achtsamkeit im Alltag

Spielerisch an das Thema heranzugehen hat mich sehr angesprochen und daher wollte ich die beiden Kartenspiele sehr gerne ausprobieren.

Bewusstsein braucht Raum. Das Kartenspiel für den Alltag

In dem Kartenspiel befinden sich 40 Karten mit Anregungen, wie man seinen Alltag bewusst gestalten kann.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man diese Karten verwenden kann. Mein erster Ansatz war, dass ich jeden Tag eine Karte ziehe und die Anweisungen darauf befolge. Das hat sich aber leider schnell als für mich persönlich nicht so gut passend herausgestellt.

Mit manchen Aufgabenstellungen bin ich nicht zurecht gekommen und einige waren für mich bereits so selbstverständlich, dass ich sie bereits ständig umsetze.

Und dann waren da noch Aufgaben dabei, die mehrere Tage in Anspruch genommen haben wie z.B. „Welche Glaubenssätze behindern dich? Entlarve diese und formuliere sie neu.“ Da kann man dann auch gut eine Woche oder mehr mit dem Thema verbringen.

Es war für mich daher wichtig, sehr flexibel mit den Karten umzugehen, nicht nach starren Regeln zu spielen sondern vielmehr Aufgaben zu wählen, die gerade anstehen.

Ursprünglich hatte ich geplante, die österliche Fastenzeit (40 Tage = 40 Karten) dazu zu verwenden. Das hat gar nicht geklappt. Letztendlich ist es ein viel längerer Zeitraum geworden, in dem mich die Karten bzw. die Themen auf den Karten beschäftigt haben.

Bewusstsein Collage 1

Bewusstsein braucht Raum. Das Kartenspiel für die Arbeit

Dieses Kartenspiel hilft mehr Achtsamkeit in den Arbeitsalltag zu bringen, es enthält 40 Impulse für einen erfüllten Arbeitstag.

Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, das Kartenspiel innerhalb einer Arbeitsgruppe gemeinsam zu spielen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das wirklich einen großen Unterschied für das Arbeitsklima macht. Leider hatte ich bis jetzt noch nicht die Möglichkeit das auszuprobieren.

In der Alltagshektik, wo vielfach nur noch die Leistung im Vordergrund steht, vergessen wir häufig auf uns selbst und dass uns Menschen mit Bedürfnissen und keine Computer gegenüber sitzen.

Durch die kleinen Übungen auf den Karten werden wir angeregt, wertschätzend und respektvoll miteinander umzugehen.

Bewusstsein Collage 2

Mein Erfahrungsbericht

Aufgrund meiner üblichen Entscheidungsschwäche konnte ich mich nicht für eines der beiden Spiele entscheiden.

Das war keine gute Lösung, denn ich musste erfahren, dass ich total überfordert war, beide Kartensets gleichzeitig zu spielen und daher habe ich mich zuerst einmal auf das Kartenspiel für den Alltag konzentriert.

Sehr überrascht hat mich, dass ich doch scheinbar schon ein sehr bewusstes Leben führe. Viele Anregungen habe ich bereits seit langer Zeit in mein Leben integriert. Vielleicht beurteile ich mich und mein Verhalten gar nicht richtig in dem Zusammenhang?

Es waren viele Denkaufgaben, die ich dadurch erhalten habe. Gelernt habe ich eine sehr wichtige Lektion

Es reicht nicht achtsam zu sein, man muss auch achtsam handeln.

Es nützt gar nichts, wenn man sich der Dinge bewusst ist und sich dann jedoch wider besseren Wissens anders entscheidet und die eigenen Grenzen missachtet.

Das ist scheinbar die große Aufgabenstellung, die ich in meinem Leben habe und die werde ich weder durch das Buch noch durch diese Karten lösen können. Es scheitert an der Umsetzung im Alltag und daran, dass ich dazu neige in Aufgaben „hinein zu kippen“ und auf alles rund um mich herum einschließlich auf mich selbst zu vergessen.

Trotzdem kann ich zusammenfassend sagen, dass die vielen kleinen oder auch größeren Anregungen auf den Karten helfen, das Leben bewusster zu gestalten.

Wieder einmal mehr hat sich gezeigt, durch Achtsamkeit dem Moment gegenüber spürt man das Leben viel intensiver. Die ungestillte Sehnsucht wird kleiner, denn sie bekommt sättigende Nahrung.

Ich möchte noch eine Zeitlang mit dem ersten Kartenspiel weiterspielen, immer wieder einmal eine Karte ziehen und diese umsetzen, auch wenn ich das bereits einmal gemacht habe.

Nach dem Sommerurlaub, beim Neustart in den Job, werde ich dann das Kartenspiel für die Arbeit einsetzen. Ich hoffe, dass es nach der längeren Unterbrechung durch den Urlaub, besser möglich ist, einen achtsamen Einstieg zu finden.

Bewusstsein Collage


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