Loslassen, was nicht mehr zu mir passt #2

Heute möchte ich darüber erzählen, mit welchen Methoden ich entrümpelt habe. Wenn ich von meinem Entrümpelungsprojekt erzähle, dann kommt immer wieder einmal die Rückmeldung: „Ich würde ja selbst so gerne Ausmisten, aber ich habe zu wenig Zeit und deshalb klappt das nicht.“ Auch in einigen Kommentaren ist ähnliches angeklungen.

Selbst habe ich nach 3 unterschiedlichen Ansätzen ausgemistet und die verschiedenen Methoden miteinander kombiniert. Jede dieser Varianten hat Vor- und Nachteile, von denen ich ebenfalls erzählen werde.

Ich bin sehr froh, dass ich Anfang des Jahres „klein“ angefangen habe und schon viele Erfahrungen sammeln konnte. Je nach Zeitbudget, das zur Verfügung stand, habe ich die eine oder andere Methode angewendet.

Entrümpeln im Alltag – für alle, die wenig bis gar keine Zeit haben

Am einfachsten und mit dem wenigsten Aufwand verbunden ist das Entrümpeln im Alltag. Immer, wenn man etwas in die Hand nimmt fragt man sich, ob man das Ding noch weiter verwenden will.

Diese Methode ist besonders gut geeignet für den Kleiderschrank. Alles, was man immer wieder auf die Seite schiebt, weil man es doch nicht anziehen mag, kommt weg.

Am besten hat man eine Klappbox oder eine große Tasche irgendwo herum stehen und gibt alles, was man nicht mehr haben will, in die Tasche bzw. Box rein. Mindestens 1 x pro Woche bringt man alles in einen Kostnixladen oder zu einer Verschenkbox.

Klappbox oder große Tasche sind super geeignet um alles zu sammeln, was weg soll

Diese Methode ist keine Crashdiät sondern wird durch die lange Dauer zu einem nachhaltigen Konzept, das mit der Zeit verinnerlicht wird. Es gibt kaum Rückfälle, da man ständig am Überprüfen ist.

Man lernt sich selbst mit der Zeit gut kennen und gewinnt Sicherheit für schwere Entscheidungen.

Voraussetzung für das Gelingen ist allerdings, dass man parallel dazu eine Konsumauszeit macht bzw. Konsumruhe einhält. Sonst wird man vermutlich nie fertig mit dem Entrümpeln.

Diese Methode ist besonders gut dazu geeignet, um nach dem großen Entrümpeln den Status zu erhalten.

Vorteile

* Braucht ganz wenig Zeit, es geht wirklich nebenbei
* Besonders gut geeignet für den Kleiderschrank
* Lerneffekt
* nachhaltiges Umdenken wird gefördert
* kein Jojo-Effekt
* hilft den Status zu erhalten nach dem großen Entrümpeln

Nachteile

* Einer der größten Nachteile ist – neben der Dauer – dass man blinde Flecken leicht auslassen kann. Wo ich nicht hin komme, da wird auch nicht ausgemistet. Und wenn ich immer nur die zwei obersten Shirts verwende, dann wird für die unteren keine Entscheidung getroffen.
* es dauert lange bis man einen Erfolg sieht
* man hat das Gefühl, dass man nie zu einem Ende kommen wird
* ohne Konsumauszeit funktioniert es nicht
* es wird keine neue Ordnung geschaffen

Grundsätzlich halt ich jedoch unglaublich viel von dieser Methode und wende sie schon seit über einem Jahr sehr erfolgreich an. Kein „irgendwann sollte ich das Teil ausmisten“ sondern „weg damit!“. Aber wenn man große „Baustellen“ hat, dann ist es natürlich zu wenig.

Entrümpeln nach „Raumeinheiten“ – für alle, die ein geringes bzw. variables Zeitbudget haben

Schon deutlich schneller geht es, wenn man sich immer wieder einmal ganze „Raumeinheiten“ vornimmt. Jetzt fällt mir kein besseres Wort ein, das beschreibt, was ich meine. Je nach Zeitbudget kann so eine „Raumeinheit“ beispielsweise ein Regalfach oder eine Schublade sein, wenn man mehr Zeit hat auch ein ganzes Regal oder ein Kastenteil.

Es ist fast jeden Tag möglich 15 Minuten am Stück aufzubringen und damit kann man schon gut eine Lade oder ein Fach ausräumen, putzen und entscheiden, was wieder zurück darf.

So wie sich Unordnung ausbreitet, kann sich nun endlich die Ordnung ausbreiten. Man hat schnell Erfolgserlebnisse und es geht auch ordentlich was weiter.

Vorteile

* die Größe der Raumeinheit wird nach der Größe des Zeitbudgets gewählt
* Erfolge werden schnell sichtbar
* nachhaltiges Umdenken wird gefördert
* Ordnung zieht Ordnung an

Nachteile

* Einer der größten Nachteile ist, dass man immer nur kleine Raumeinheiten betrachtet und nicht das große Ganze. Alles, was in dem Fach ist, das bleibt auch dort. Man kann mit dieser Methode zwar entrümpeln, aber wenn davor nicht schon ein gewisses Maß an Ordnung herrscht, wird damit keine Ordnung geschaffen.
* Es dauert trotzdem sehr lange, bis man ans Ende kommt. Wenn man nicht sehr konsequent ist, dann kann es passieren, dass man am Ende wieder von vorne anfangen muss, weil sich die Unordnung wieder ausbreitet.

aussortierte Bücher, die verschenkt wurden

Exkurs: Die 3 bzw. 4 Kistenmethode (adaptiert von Maria Widerstand)

Diese Variante kann man durch die von mir adaptierte 3 bzw. 4 Kisten-Methode erweitern. Alles, was man behalten möchte kommt in das Fach bzw. die Schublade etc. zurück.

In die erste Kiste kommt das hinein, was man behalten möchte, aber an einen anderen Ort gehört. Auch Dinge, die repariert werden müssen für eine weitere Verwendung, kommen in diese Kiste.

Die zweite Kiste wird mit dem befüllt, was man verschenken oder verkaufen möchte.

Es ist nicht empfehlenswert diese beiden Kisten noch weiter zu detaillieren! Denn das würde im Augenblick zu viele zusätzliche Entscheidungen erfordern, die das Gehirn von den eigentlichen, wichtigen Entscheidungen ablenken. Lieber schaut man sich in einer ruhigen Minute die jeweilige Kiste an und entscheidet für diese Dinge, was damit geschehen soll.

Der ganze Müll kommt in die dritte Kiste.

Die Methode kann um eine vierte, die „Vielleicht“-Kiste erweitert werden. Das ist aber bei ernsthaften Entrümpelungsversuchen nicht wirklich empfehlenswert, weil es dazu verleitet, Entscheidungen aufzuschieben. Ich habe sie komplett weg gelassen, weil ich alles auf einmal abschließen wollte.

Statt dessen habe ich jene Dinge, bei denen ich mir im Augenblick unsicher war, nach hinten gestellt. Wenn alle „Fixstarter“ eingeräumt sind, fällt die Entscheidung viel leichter. Entweder man sieht, dass man bereits genug hat bzw. ein oder genügend gleichartige Dinge vorhanden sind oder man erkennt, dass die Raumeinheit, so wie sie jetzt befüllt ist, keine weiteren Dinge mehr aufnehmen kann oder soll.

Selten einmal habe ich einen Fixstarter mit einem Vielleicht ausgetauscht, weil sich letztendlich gezeigt hat, dass es anders doch besser ist. Deshalb finde ich die „Vielleicht-Kiste“ eher kontraproduktiv. Es ist nicht nur effektiver, schnell zu entscheiden sondern führt meist zu einem deutlich besseren Gesamtergebnis.

Entrümpeln nach System – für alle, die viel Energie und Zeit haben

Entrümpeln in großem Stil. Das wichtigste ist, sich zuerst einen groben Plan zu machen, was man alles erreichen möchte. Ich habe das mit Hilfe einer Excel-Tabelle gemacht. Zuerst habe ich alle Räume aufgeschrieben und grob welche Schwerpunkte ich in dem Raum setzen möchte.

Ergänzt wurde die Liste durch Hilfsmittel, die nötig sind (Ordnungshelfer, Körbe, Hilfe durch liebe Menschen). Immer wenn etwas erledigt war, habe ich das Feld grün hinterlegt und dadurch sichtbar gemacht, was ich schon geschafft habe.

Durch den Gesamtplan wurde schnell sichtbar, wo die Problemzonen sind und welche Dinge eigentlich in andere Räume gehören. Das habe ich ebenfalls in der Liste fest gehalten.

Ausschnitt aus meiner Entrümpelungsliste

Gearbeitet habe ich immer mit der 3-Kisten-Methode (siehe oben). Hilfreich waren meine verwendeten Klappboxen nicht nur für Dinge, die ich aussortiert habe, sondern auch für all das, was einen neuen Platz bekommen sollte.

Nach dem Ausräumen haben diese Dinge einen vorübergehenden Platz in „mobilen Schubladen“ bekommen. Klappboxen lassen sich sehr gut stapeln und man kann daraus provisorische mobile Kommoden bauen. Das hilft die Unordnung, die durch das Verlagern von Dingen entsteht, im Rahmen zu halten. Eine erweiterte Version der 3-Kisten-Methode á la Maria Widerstand. Ich sollte mir das patentieren lassen.

links: 3 Kisten zum Entrümpeln rechts: mobile Klappboxkommode

Für diese Entrümpelungsvariante haben mir die Anregungen von Marie Kondo sehr geholfen. Jedes Ding soll seinen Platz haben. Der sollte aber natürlich auch sinnvoll gewählt werden, sonst klappt es nicht mit der Ordnung. Dadurch wurde mir das erste Mal bewusst, wie wichtig es ist, dass die Dinge „ihren“ Platz an dem Ort, wo sie auch verwendet werden, bekommen. Alles andere führt nämlich mit Garantie dazu, dass wieder Unordnung entsteht.

Vorteile

* Systematisches Vorgehen nach Plan
* über jedes Ding wird entschieden
* gleichartige Dinge bekommen einen gemeinsamen Platz
* Dinge bekommen ihren Platz dort, wo sie auch verwendet werden
* relativ kurze Zeitspanne für das Gesamtprojekt

Nachteile

* großer Zeitaufwand
* nicht jeder kann so viel Zeit auf einmal aufbringen
* großer Kraftaufwand auf einmal
* Zwischendurch herrscht (große) Unordnung
* das Verschenken von großen Mengen ist manchmal aufwändig
* „Crash-Diät“ mit Rückfallgefahr

Fotos helfen beim Verschenken von sperrigen Sachen

Anmerkung: Es müssen natürlich keine Klappboxen sein, man kann jeden beliebigen stabilen Karton vom Supermarkt verwenden. Grundsätzlich würden sich natürlich auch Bananenschachteln anbieten, aber da die Bananen meist stark mit Spritzmitteln behandelt wurden, kann ich das nicht empfehlen.

Selbst habe ich für das Entrümpeln natürlich keine Klappboxen gekauft, denn ich besitze sie schon seit über 20 Jahren. Zuerst waren sie im Kinderzimmer für das Spielzeug in Verwendung. Danach haben sie sich nicht nur zum Entrümpeln sondern auch für Foodsharing und vieles mehr als hilfreich erwiesen.

Entrümpeln im Detail

Um in Schwung zu kommen und das ganze Ausmaß des Dramas wirklich zu sehen, habe ich immer alles aus dem Fach/der Schublade etc. heraus geräumt. Eine Raumeinheit, egal ob die zweite oder die dritte Methode gerade angewendet wurde.

Am besten legt man alles einfach auf den Boden oder einen Tisch. Ich bevorzuge den Boden, denn der Tisch ist sowieso meist zu klein. Schon während des Ausräumens kann man gleichartige Dinge zusammen legen und bekommt eine bessere Übersicht.

Dadurch sieht man wirklich alles auf einen Haufen und bekommt erst einmal einen richtigen Schock. Sooo viel! Echt jetzt? Wie kann das sein, dass in diese winzige Schublade so viel Zeug hinein passt?

Wenn man das verdaut hat – ein kleiner Spaziergang oder ein Glas Wasser kann helfen – wird zuerst geputzt. Bis das Fach/Regal bzw. die gerade ausgeräumte Raumeinheit schön glänzt und sauber ist.

Dann kommt der Hauptteil: Jedes Stück, das am Boden herum liegt, wird einzeln in die Hand genommen und darüber entschieden, was damit passiert. Die oben beschriebene 3 Kisten-Methode ist auf jeden Fall hilfreich.

Mit dem inzwischen leicht feuchten Putztuch wische ich beim Einräumen von dem, was bleiben darf, kurz drüber (oder auch länger, je nach Bedarf) und räume alles wieder schön ein.

Gleichzeitig wird alles andere zügig auf die Kisten „anderer Ort“, „verschenken – verkaufen“ und „Müll“ aufgeteilt.

Wichtig ist, den Müll anschließend sofort zu entsorgen. Auch die Kiste „verschenken – verkaufen“ sollte nicht zu lange im Haus bleiben. Das ist mit ein Grund, warum ich lieber verschenke. Dadurch habe ich in der Situation, wo ich meine Energie für das Entrümpeln benötige, keine zusätzlichen Belastungen und die Dinge immer schnell außer Haus.

Über das Thema möchte ich bei Gelegenheit extra noch einmal schreiben.

Der wichtigste Punkt jedoch ist, sich anschließend ausgiebig über das zu freuen, was man gerade erreicht hat. Den Anblick zu genießen, wo alles schön sauber und ordentlich und vor allem luftig und nicht nicht mehr überfüllt ist.

Am besten wiederholt man das in den nächsten Stunden und Tagen immer wieder, um motiviert zu bleiben. Und zeigt alles dem Partner, den Kindern, den Freundinnen/Freunden voller Stolz und lässt sich ordentlich dafür loben. Auch das motiviert ungemein zum Weitermachen.

Fazit

Ich habe letztendlich alle drei Methoden miteinander kombiniert. Je nachdem, wie viel Zeit ich zur Verfügung hatte, kam die eine oder andere Variante zum Einsatz. „Basiszustand“ war immer die einfache Methode der Integration in den Alltag. Das führe ich auch jetzt noch weiter fort.

Ohne sich das Gesamtbild anzusehen und ganz ohne Plan würde ich nicht empfehlen vorzugehen. Für mich war entscheidend, dass ich gleichartige Dinge an einem Ort aufbewahre und den richtigen Ort wähle, an dem die Dinge auch genutzt werden.

Das ist aufwändig, aber notwendig. Nur so kann man einen Überblick bekommen, wie viel man wirklich besitzt. Ich habe beispielsweise 5 Maßbänder bei meinen Näh- bzw. Stricksachen gefunden. Das kam, weil immer wieder einmal eines mit einem unfertigen Projekt verschwunden ist.

Die 3 Kisten-Methode habe ich als sehr hilfreich empfunden und wende sie auch schon seit vielen Jahren erfolgreich an. Meiner Meinung nach klappt Entrümpeln in größerem Stil gar nicht anders.

PS: An der Sache mit der Länge meiner Beiträge muss ich noch arbeiten. Manchmal sprudeln meine Gedanken einfach nur so raus und lassen sich nur schwer stoppen.

Fortsetzung folgt…

Wie bereits angekündigt möchte ich demnächst erzählen, was das Entrümpeln mit mir gemacht hat, was sich für mich verändert hat. Und ob ich schon etwas vermisse, was ich verschenkt habe.


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Loslassen, was nicht mehr zu mir passt #1

Das Jahr 2107 wird wohl als das Jahr des Loslassens in die Geschichte meines Lebens eingehen. Seit Anfang des Jahres habe ich jede Woche mindestens 20-50 Teile auf die Reise in ein neues Leben ohne mich geschickt. Alles, was von mir aussortiert wurde, hat über den Kostnixladen neue Besitzer gefunden.

Am Wochenende habe ich mich mit reichlich gefüllten Taschen wie diesen auf den Weg in den Kostnixladen gemacht. Es war für mich eine große Hilfe beim Aussortieren, dass die Dinge nicht im Müll landen, sondern künftig von anderen Menschen verwendet werden.

mit der reich gefüllten Tasche geht es dann zum Kostnixladen

Zusätzlich habe ich dieses Jahr schon zwei Mal an der #30TageDeclutterChallenge teilgenommen und jeweils über 500 Teile verschenkt. Es war sehr motivierend gemeinsam mit so vielen anderen Frauen zu entrümpeln.

Im Sommer ging es dann erst richtig los. Nachdem mich das Buch Dan-Sha-Ri so motiviert hat, kam ich nicht umhin, auch Magic Cleaning von Marie Kondo zu lesen. Ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle an Daniela, von der ich das Buch geschenkt bekommen habe.

Was soll ich sagen, das Buch hat meine Sicht auf die Dinge verändert. Obwohl ich nicht nach den Vorgaben aus dem Buch entrümpelt habe, wurde mir beim Lesen bewusst, wo ich bisher meine großen Fehler gemacht habe.

Einer der größten Schwachpunkte war, dass ich zwar alles Gleichartige an einem Ort gesammelt habe, aber wenn dieser Platz dann ausgeschöpft war, habe ich ein zweites „Lager“ begonnen. So habe ich nicht nur meine Wollvorräte fürs Stricken auf 3-4 Stellen im Haus verteilt, sondern auch mein Stofflager fürs Nähen bzw. Upcycling.

Auch Küchenuntensilien, die nicht mehr in meiner winzigen Küche Platz gefunden haben, sind im Kasten in einem anderen Zimmer gelandet. Das Desaster mit den Büchern an den vielen verschiedenen Orten habe ich im letzten Jahr bereits aufgelöst.

In Wirklichkeit machen übrigens Keller und Dachboden das Leben nicht leichter, ganz im Gegenteil. Sie verzerren das Bild und verleiten dazu, Dinge, die man nicht mehr braucht, dort zu lagern. Für den Fall dass. Der jedoch nie eintritt.

auch eine ganze Menge Stoffe habe ich verschenkt

Da mein geplanter Sommerurlaub in Griechenland kurzfristig leider nicht stattgefunden hat, habe ich all meine Energie in das Entrümpelungsprojekt gesteckt. Vier Wochen lang habe ich mehrere Stunden pro Tag aufgeräumt. Es war ein Gewaltakt. Unglaublich welche Mengen an Zeug durch meine Hände gewandert sind!

2013 habe ich bereits einmal für 4 Wochen entrümpelt. Auslöser war damals ein Wasserschaden am Dach, wodurch ich mein Haus neu streichen musste. Dafür habe ich alle Zimmer und vor allem den Dachboden ausgeräumt und entrümpelt.

Eigentlich dachte ich, dass es mit der Aktion im Jahr 2013 genug wäre und ich nie wieder entrümpeln muss. Ich habe seitdem (außer Bücher) nichts Neues mehr gekauft bzw. mitgenommen. Aber ganz so war es nicht. Leider!

auch von Erbstücken habe ich mich diesmal getrennt

Dass ich diesmal sogar noch mehr zu verschenken gefunden habe, hat mich echt erstaunt. Aber ich war auch ziemlich radikal, das gebe ich zu. In allen Bereichen habe ich deutlich reduziert. Wenn ich mir unsicher war habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich meine Kinder irgendwann einmal damit belasten will, wenn es mich nicht mehr gibt. Meistens war die Antwort dann sehr klar.

Unglaublich war vor allem, welche Mengen von Altpapier ich aus dem Keller geschleppt habe. Vor allem mussten meine ganzen alten Seminarunterlagen daran glauben. Das waren sicher 10 Klappboxen voll, die ich entsorgt habe! Die Ordner habe ich dann im Kostnixladen verschenkt. Die Informationen aus den Seminaren waren Großteils schon veraltet und im Grunde suche ich lieber im Internet nach dem, was ich wissen will.

Unmengen von Altpapier

Sogar einige Möbelstücke, darunter meine Wohnzimmercouch haben gehen müssen. Aber vor allem ganz viele Regale, die ich nun nicht mehr brauche. Herr Widerstand hat jetzt viel mehr Platz im Kleiderschrank und muss nicht mehr im Winter die Sommersachen auf den Dachboden räumen. Ich übrigens auch nicht mehr, denn meine Kleidungsstücke haben nun ebenfalls alle im Kasten Platz gefunden. Und das obwohl ich einen Teil vom Schrank aufgegeben habe!

ab und zu vermisse ich meine Couch noch

Von meinem Kleiderschrank werde ich in einem eigenen Beitrag erzählen. Ich habe nicht nur aus dem Buch von Marie Kondo einige Anregungen umgesetzt, sondern auch im Internet gute Tipps gefunden, wodurch es mir leichter fällt Ordnung im Kleiderschrank zu halten.

Jedenfalls weißt Du jetzt, warum ich wirklich keine Zeit mehr hatte, um Beiträge für meinen Blog zu schreiben. Denn ich habe meine gesamte Zeit und Energie seit Mai in dieses Entrümpelungsprojekt gesteckt.

Der Keller ist bis auf eine Kleinigkeit nun fertig. Herr Widerstand hat mir versprochen, dass wir noch gemeinsam das Werkzeug aufräumen. Das wollte ich nicht alleine machen.

Im Wohnbereich ist alles fertig, ich habe wirklich jeden einzelnen Gegenstand in der Hand gehabt und entschieden, ob er bleiben darf oder gehen muss. Nur der Dachboden ist noch übrig. Das ist sich bis jetzt einfach nicht ausgegangen und wenn ich ehrlich bin, ich brauche nun auch einmal eine Pause.

die Schränke sind nun leer

Es ist an der Zeit, ein wenig auszuruhen und Kräfte zu sammeln und mich vor allem auch an dem zu erfreuen, was ich bisher geschafft habe. Grob überschlagen – teilweise gibt es auch Listen – habe ich mehr als 5.000 Gegenstände weg gegeben.

Wobei man sich natürlich fragen kann, wie man z.B. verschiedene Zeitungsausschnitte, die man einmal gesammelt hat, weil man sie inspirierend fand, zählt. Oder die alten Bedienungsanleitungen für Geräte, die man schon längst entsorgt hat, weil sie kaputt wurden. Zählt man jede Postkarte einzeln, die man aufgehoben hat? Was ist mit den Bildern im Fotoalbum und was mit jenen, die einzeln herum kugeln, weil man sie noch immer nicht eingeklebt hat?

Egal. Ich glaube mittlerweile, dass die Zahl 10.000 Gegenstände, die angeblich jeder besitzt, auch etwas willkürlich gewählt ist. Vermutlich sind das in Wahrheit viel, viel mehr.

Fortsetzung folgt…

Heute habe ich berichtet, was ich gemacht habe. Aber was hat das Entrümpeln mit mir gemacht? Und gibt es unter all den Dingen, die ich verschenkt habe, welche die ich doch noch gebraucht hätte? Wo es mir nachträglich Leid tut, dass ich sie weg gegeben habe? Davon möchte ich auch noch erzählen…


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gelesen im Mai – Buchtipp #24

Es gibt immer wieder Phasen in meinem Leben, wo ich das starke Bedürfnis habe (noch) weniger zu besitzen, weil mir das ganze Zeug rund um mich herum auf die Nerven geht.

Letztes Jahr habe ich beispielsweise die Aktion „7 Tage 7 Bücher“ für über ein halbes Jahr durchgezogen und noch einmal rund 200 Bücher verschenkt.

Für dieses Jahr wollte ich zuerst mit dieser Aktion – jedoch nicht auf Bücher beschränkt – fortsetzen, um sehr schnell festzustellen, dass mir das viel zu wenig weit greift. Daher habe ich beschlossen, dass ich jede Woche zwischen 20 und 50 Teile verschenken möchte.

Das ziehe ich nun seit Anfang des Jahres durch und es ist wirklich sehr befreiend! Der Startschuss kam mit einem Zimmertausch und anschließend habe ich im Keller weiter gemacht.

Im letzten Monat habe ich zusätzlich an der #30TageDeclutterChallenge teilgenommen und über 500 Teile verschenkt. Was für ein Befreiungsschlag, es ist genial, wie viel Platz ich alleine in diesem Monat gewonnen habe.

Den Dachboden, der laut Feng Shui die Zukunft symbolisiert, habe ich bereits 2013 entrümpelt. Dieses Jahr habe ich mir den Keller vorgenommen, der laut Feng Shui die Vergangenheit darstellt.

Während solcher Aktionen lese ich gerne begleitend und inspirierend ein Buch zum Thema. Diesmal ist mir das Buch „Dan-SHA-RI“ in die Hände gefallen und hat meine Aufmerksamkeit erregt.

DAN-SHA-RI
Das Leben entrümpeln, die Seele befreien
von Hideko Yamashita
Verlag Integral

Die Autorin ist Japans bekannteste Aufräum- und Entrümpelungsexpertin und hat basierend auf der Yoga-Philosophie eine eigene Entrümpelungsphilosophie mit dem für Europäer fremd klingenden Namen „DAN-SHA-RI“ entwickelt.

Bei der Methode geht es darum, sich selbst besser kennen zu lernen, das innere Chaos im Herzen in Ordnung zu bringen und dadurch sein Leben wieder angenehm zu gestalten.

Jede der drei Silben steht für einen anderen Ansatzpunkt. Bei „DAN“ geht es darum, keine unnötigen Dinge in sein Leben gelangen zu lassen. Wenn man so will Minimalismus par excellence.

„SHA“ ist der Anfang von allem, denn dadurch verschwindet alles Überflüssige aus dem Leben, indem das sich ausbreitende Gerümpel entsorgt bzw. verschenkt wird. Damit startet wohl jeder Minimalist als erstes und wird auch bei DAN-SHA-RI dem eigentlichen Aufräumvorgang vorangestellt.

Durch „RI“ und der Befreiung vom Streben nach zu viel materiellen Besitz findet man zu geistiger Freiheit, um sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Die Parallele zur Weiterentwicklung des Minimalismus ist auch hier nicht zu übersehen.

Worin unterscheidet sich diese Technik nun aber vom Minimalismus? Im Zentrum der Betrachtung stehen nicht die Gegenstände, die wir besitzen, sondern das eigene ICH. Es geht nicht um die Frage ob der Gegenstand nützlich ist sondern darum, ob ich den Gegenstand JETZT brauche und ob er tatsächlich zu mir passt. Die wichtigste Frage ist daher „Nutze ich das Teil jetzt oder bald, brauche ich es?“.

Die für mich wichtigste Erkenntnis im Buch war

Dinge bekommen erst ihren eigentlichen Wert, wenn wir sie auch benutzen.

Wenn man etwas nicht verwendet, dann nimmt man dem Gegenstand die Möglichkeit genutzt zu werden. Indem er einen neuen Besitzer erhält, bekommt er seinen Wert zurück.

Dadurch lösen wir uns vom Gedanken „etwas ist zu schade um es wegzuwerfen“. Gerade weil der Gegenstand zu schade ist um weggeworfen zu werden, sollte man das Ding nicht für irgendwann einmal aufheben, sondern es jetzt heraus holen und nutzen oder jemand anderem schenken, der es nutzt.

Dem Entrümpeln und Reduzieren des Besitzes wird im Buch viel Raum gegeben, denn die Autorin ist der Meinung, dass es nur sehr schwer möglich ist Ordnung zu schaffen, ohne den Besitz davor zu reduzieren. Wenn alle Oberflächen voll gestellt sind, kann man weder den Staub entfernen noch putzen. Nur durch das Konzept der „Subtraktion“, wie sie es nennt, ist es möglich, dass die Wohnung einen Zustand erreicht, in dem möglichst wenig geputzt werden muss.

Der radikalste Tipp im Buch ist wohl

Werfen Sie zuerst die Aufbewahrungsmöbel weg.

Der Gedanken dahinter ist jedoch bestechend einfach und logisch. Diese Möbelstücke dienen durch dazu, Angesammeltes aufzubewahren und kommen einer Erlaubnis gleich, noch mehr anzuhäufen.

Sehr spannend fand ich die 70-50-10-Prozent-Regel. Dabei geht es darum, dass wir Laden, Regalböden etc. nicht gänzlich voll füllen, sondern nur zu einem geringeren Prozentsatz, der je nach Nutzung unterschiedlich ist.

Beispielsweise sollten die Fächer vom Kleiderschrank nie mehr als zu 70% gefüllt sein, damit man auch Kleidungsstücke heraus nehmen kann, die im Stapel weiter unten liegen. Offene Regale werden zu maximal 50% gefüllt und Kunstwerke bzw. dekorative Teile brauchen Raum um zu wirken.

Kommen wir endlich zu DAN und der zentralen Regel, nur noch das einzukaufen, was wirklich benötigt wird statt Vorräte anzulegen. Wichtig ist lediglich das in unser Leben herein zu lassen, was wir in dem Moment wirklich brauchen.

Menschen, die nichts wegwerfen können, haben oft Angst vor der Zukunft. Wir können aber gar nicht für alle Eventualitäten, die auf uns zukommen werden, gerüstet sein. Durch DAN-SHA-RI lernen wir darauf zu vertrauen, dass das „Universum“ die notwendigen Dinge zum rechten Zeitpunkt bereit hält.

Das Buch schließt mit der sehr spannenden These, dass die Idee des Kaufens eine Erfindung des Menschen ist und nichts mit der Realität zu tun hat. Die Erkenntnis, dass jeglicher Besitz letzten Endes nur eine Illusion ist, führt schließlich zur Befreiung von der Abhängigkeit und der Möglichkeit wirklich loszulassen.

Linktipp:

Eine ausführliche Leseprobe wird vom Verlag als pdf zur Verfügung gestellt.

Meine Meinung zu dem Buch

Am Ende des Buchs, das ich in der E-Book-Ausgabe gelesen habe, war mein erster Gedanke „Wie schade, dass es schon aus ist! Das war aber ein sehr kurzes Buch.“

Beim Zusammenfassen des Inhalts für die Rezension habe ich erkannt, dass das Buch gar nicht so kurz ist, sondern so kurzweilig zu lesen war, trotz der sehr dichten und intensiven Inhalte.

Zwischen den einzelnen Kapiteln findet man Grafiken, die das Geschriebene verdeutlichen und besonders Wichtiges wird in Merkkästen hervorgehoben. Fallbeispiele lockern die Theorie auf und verdeutlichen den Inhalt.

Wenn man an das Entrümpeln eines Raums denkt, stellt man sich meist unweigerlich die Frage woher man denn die Zeit dafür nehmen soll. Wenn es sich um eine ganze Wohnung oder gar ein Haus mit Keller und Dachboden handelt, ist man versucht anzunehmen, dass das unmöglich sei.

Hideko Yamashita gibt im Buch den Rat, den Ort für das Aufräumen nach der zur Verfügung stehenden Zeitspanne zu bestimmen. Dadurch kann man mit dem Aufräumen sofort beginnen, auch wenn man gerade sehr beschäftigt ist.

Selbst wenn nur 5-10 Minuten zur Verfügung stehen, kann ich in dieser Zeitspanne doch eine Schublade oder eine einzelne Regalfläche aufräumen. Und so wie sich Unordnung wie von selbst ausbreitet, kann mit der Zeit auch die Ordnung sich erweitern und überhand nehmen.

Interessanterweise habe ich mir Anfang des Jahres – lange bevor ich das Buch gelesen habe – die 15-Minuten-Challenge gestellt. Jeden Tag schaffe ich 15 Minuten Ordnung und räume etwas weg, was im Weg liegt oder lege etwas an seinen Platz zurück.

Das hat sich wirklich sehr bewährt, denn große Aufräumaktionen benötigt es dadurch nicht mehr.

Mit meinem Entrümpelungsprojekt werde ich weiter fortfahren. Ich möchte in diesem Jahr zwischen 1.000 und 2.000 Gegenstände an andere Menschen verschenken. Die erste Zahl habe ich nach nur 5 Monaten bereits erreicht und es fühlt sich wirklich großartig an.

Videotipp:

Ein sehr beeindruckendes Video mit vielen „vorher-nachher“-Sequenzen habe ich auf Youtube gefunden.


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Bilder aller Buchtipps sind auf meiner Pinterest-Pinwand zu finden.

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