fashion revolution day 2016 [this is not okay!]

Am 24. April 2013 stürzte das Rana Plaza Gebäude, in dem sich eine Nähfabrik befand, ein. 1127 Personen starben, 2438 Personen wurden verletzt und unzählig verloren Beine und/oder Arme.
fashion revolution day
Seither gedenkt die Welt jedes Jahr am 24. April mit dem Fashion Revolution Day diesem furchtbaren Ereignis. Weiterführende Infos sind auf „fashionrevolution“ zu finden und auf FB/Twitter unter #whomademyclothes.

Frauen, die genäht haben, starben, weil ein Liefertermin mehr wert war als ein Menschenleben. Weil die „Geiz ist geil“-Mentalität dazu geführt hat, dass der Preis der Kleidungsstücke nicht mehr den wahren Wert widerspiegelt.

Susanne vom Blog „mamimade“ hat neuerlich zu einer Aktion der Nähbloggerinnen aufgerufen. Alle Infos dazu sind in ihrem Beitrag „fashion revolution day 2016“ zu finden.

ich bin auch mit dabei

Da mir das Thema sehr wichtig ist, bin ich sehr gerne mit dabei. Welchen Wert die Arbeit hat, habe ich schon vor längerer Zeit einmal hinterfragt und das Thema „Reparieren“ ist sowieso ein Fixpunkt auf meinem Blog.

Dass es mittlerweile billiger ist ein Kleidungsstück neu zu kaufen, statt es zu reparieren, ist für mich absolut irre. Dass es das gibt liegt alleine daran, dass wir die billigen Arbeitskräfte in Bangladesh, Indien etc. ausnützen. Sonst würde das nicht funktionieren.

Aber man muss gar nicht so weit schauen, in einem sehr aufrüttelnden Beitrag der Campagne „clean clothes“ wird offensichtlich, dass auch ein „made in Europe“ nicht vor unmenschlichen Arbeitsbedingungen schützt.

meine Nähmaschine und ich

Auf dem Bild siehst Du mich an der Nähmaschine, wie ich gerade eine Hose repariere, deren Naht vom Gummibund gerissen ist.

Das erste Mal saß ich im Alter von 14 Jahren an der Nähmaschine. Im Rahmen meiner Schulausbildung hatte ich Nähunterricht und habe nicht nur gelernt, wie man Kleidungsstücke für sich selbst anfertigt, sondern auch wie man ein Schnittmuster selbst zeichnet.

fashion revolution day 2016 - this is not okay!

fashion revolution day 2016 – this is not okay!

Bereits im Alter von 15 Jahren habe ich daher begonnen, Teile meiner Garderobe selbst zu schneidern und gekaufte Stücke an meine Bedürfnisse anzupassen.

Seitdem meine Kinder auf der Welt sind, habe ich mich vor allem dem Reparieren von kaputter Kleidung gewidmet, bei Kindern wird ständig etwas kaputt.

Da mir das Thema so wichtig ist, gibt es seit Anfang letzten Jahres die Linkparty „fix it – reparieren ist nachhaltig“, mittlerweile sind weit über 100 Anleitungen für verschiedene Reparaturen zusammen gekommen.

Wegwerfkleidung – this is not okay!

Vor einiger Zeit bin ich auf ein Thema gestoßen, das ich so noch nicht in den Medien gesehen habe und welches scheinbar unter den Tisch gekehrt wird. Heute möchte ich darüber schreiben und den Fashion Revolution Day zum Anlass nehmen, um diese Missstände aufzuzeigen.

In den Medien ist viel die Rede von der Lebensmittelverschwendung, viel zu viele Lebensmittel landen – obwohl sie noch gut und genießbar sind – im Müll, weil sie abgelaufen sind.

Auch wenn man es nicht direkt vergleichen kann, so gibt es doch im Bereich der Textilindustrie eine ähnliche Verschwendung. In Hinblick darauf, wie dubios die Umstände der Produktion sind, ist es geradezu unfassbar, dass so etwas geschieht. Und darüber schreibt niemand.

Immer wieder gehen Kleidungsstücke bei der Anprobe in der Kabine kaputt. Einige verschätzen sich bei der Größe und schon ist die Naht geplatzt. Oder das Shirt ziert eine gute Portion Make-up, weil es beim Ausziehen über das Gesicht gestreift ist. Der Reißverschluss geht nicht gleich zu weil das Teil zu klein ist? Macht nichts, das kriegen wir schon hin – oh doch nicht. Kaputt.

Müll wohin das Auge reicht

Müll wohin das Auge reicht

Diese Teile landen alle im Müll. Weil es viel zu teuer ist, das Shirt zu waschen und danach zum Verkauf anzubieten. Es ist auch zu teuer, die offene Naht wieder zu schließen, weil die Näherin in Österreich einfach viel zu teuer ist.

Kleidungsstücke, die unter ausbeuterischen Umständen zu Dumpingpreisen hergestellt wurden, landen im Müll, weil sei kleine, leicht zu reparierende Fehler haben.

Woher ich das weiß? Meine Tochter arbeitet in einer Behinderteneinrichtung und ein (!) Geschäft spendet diese kaputten Kleidungsstücke, die sonst im Müll landen würden.

Aber es gibt unzählige andere Geschäfte, die solche Kleidungsstücke wegwerfen. Es ist ein Jammer, denn in jedem einzelnen Teil steckt nicht nur das Material, aus denen das Kleidungsstück hergestellt wurde, sondern auch die Näharbeit.

fix it – reparieren ist nachhaltig

Vor kurzem habe ich 3 dieser gespendeten Teile innerhalb von nicht einmal 15 Minuten repariert und so vor dem Müll gerettet. Hier ein paar Bilder, die einen winzigen Einblick in die Problematik zeigen.

Ärmelnaht wieder geschlossen

Die Naht am Ärmel dieser Jacke war aufgegangen. Der Strickstoff ist perfekt in Ordnung, nur die Naht war aufgegangen.

hier sieht man die offene Ärmelnaht

hier sieht man die offene Ärmelnaht

Das Aufspulen vom Unterfaden und Einfädeln der Nadel hat länger gedauert, als die Naht wieder zu schließen. Schwach 5 Minuten später war die Jacke wieder tragbar.

so gut wie neu

so gut wie neu

Träger wieder angenäht

Das war ja wohl der Witz schlechthin. Ein Träger hatte sich gelöst, ich nehme an, es wurde zu wild angezogen beim Ausziehen oder so ähnlich. Das war dann noch nicht einmal 3 Minuten Arbeit, denn ich habe den Träger mit der Hand wieder angenäht.

ein paar Stiche mit der Hand und der Träger ist wieder dran

ein paar Stiche mit der Hand und der Träger ist wieder dran

Seitennaht der Jeanshose wieder zugenäht

Diese Jeanshose hat mich doch verdammt an meinen Beitrag (k)eine tödliche Jeanshose [this is not okay!] erinnert. Wie viel teilweise gesundheitsgefährdende Arbeit in dieser Hose steckt!

Die Seitennaht war geplatzt. Eine einfache, gerade Naht. Und schon wird sie zu Müll. Aber nicht mit mir! Passenden Faden einfädeln, eine kurze gerade Naht und schon ist sie gerettet.

nicht einmal 5 Minuten Arbeit stecken darin

nicht einmal 5 Minuten Arbeit stecken darin

Welchen Wert hat die Arbeit?

Wo bleibt die Wertschätzung für die Arbeit der Näherinnen, die unterbezahlt sind, unter menschenunwürdigen Umständen arbeiten und leben, wenn Kleidungsstücke aus so nichtigen Gründen zu Müll werden können?

Es fehlen mir gerade die Worte, um meine Empörung zu beschreiben.

ich will das nicht hinnehmen - this is not okay!

ich will das nicht hinnehmen – this is not okay!

Zeig Deinen Protest

Sei auch mit dabei, mach ein Bild von Dir an der Nähmaschine und schreib bis 25.4.2016 einen Beitrag darüber. Alle Infos zur Aktion sind in Susannes Beitrag „fashion revolution day 2016“ zu finden.


Logo einab grueneinfach.nachhaltig.besser.leben [#EiNaB]

Meinen heutigen Beitrag schicke ich zur Blogparade einfach.nachhaltig.besser.leben.
Hier geht es zur aktuellen Linkparty.

Banner fix itfix it – reparieren ist nachhaltig

Natürlich darf dieser Beitrag auch bei meiner Linkparty „fix it – reparieren ist nachhaltig“ nicht fehlen.

Weiteres verlinkt zu Create in Austria, ANL, Creadienstag, Handmade on Tuesday, Dienstagsdinge und mamimade.

Tipp: Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, um weitere Details zu betrachten.


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