Urlaub in einem tiny house

Der Urlaub ist zwar schon wirklich lange vorbei, aber das graunebelige Novemberwetter lädt geradezu dazu ein, noch einmal an den Sommerurlaub zurück zu denken.

Als „Utopia“ den Tipp gab, den Urlaub in einem tiny house zu verbringen (nachzulesen in diesem Beitrag von Utopia), war mein Urlaub in einem wundervollen tiny house in der Toskana bereits wieder vorüber.

unser minimalistisches Urlaubreich - Haus, Terasse und Dachterasse

unser minimalistisches Urlaubreich – Haus, Terasse und Dachterasse

Leben in einem tiny house

Herr Widerstand und ich hatten im Juli nämlich so ein winziges Häuschen mitten in der Toskana gemietet. Innen maß das Haus in etwa 3,5 m x 7 m und hatte somit rund 25m² auf 2 Räume sowie Bad/WC verteilt. Man trat von der Terasse direkt in die geräumige Wohnküche ein. Der schmale Tisch nahm nicht allzu viel Platz weg, neben der Spüle fanden Waschmaschine und Kühlschrank Platz.

Die Küche war sehr zweckmäßig eingerichtet, neben dem 3flammigen Gaskocher fanden die Lebensmittel in einem großen Vorratsschrank Platz. Das Geschirr wurde in mehreren Laden sowie einem kleinen Hängekästchen untergebracht. Ein großes Schneidebrett bildete die Arbeitsfläche direkt auf der Waschmaschine (was für eine geniale Idee!).

alles da, was man braucht!

alles da, was man braucht!

Durch das Sofa in der Wohnküche, auf dem man sitzen, essen und lümmeln konnte, war es möglich, dass sogar 3 Personen in dem Häuschen schlafen konnten.

Das Schlafzimmer war im Vergleich dazu winzig, denn fast die Hälfte wurde zu einem Badezimmer abgetrennt. Obwohl dieses auch winzig klein war. Nach italienischer Art gab es keine Duschtasse, das war aber auch sehr gut, denn sonst hätte man mitten in der Duschtasse stehen müssen, wenn man sich die Zähne putzt. So aber ist der Platz nicht abgegangen. Es gab sogar zwei Regale für die Handtücher und persönlichen Sachen.

Alternativ dazu stand vor der Terrasse eine Outdoor-Dusche, was im Sommer wirklich sehr angenehm ist. Diese Dusche hatte eine natürliche Solarheizung für das Wasser, denn wenn der Schlauch ein wenig in der Sonne gelegen ist, war das Wasser ganz warm.

meistens haben wir jedoch im Freien geduscht

meistens haben wir jedoch im Freien geduscht

Das Bett hat fast den gesamten Raum vom Schlafzimmer eingenommen, nur noch ein kleiner Schrank sowie eine Kommode verstellten den Rest.

das Schlafzimmer

das Schlafzimmer

Natürlich hat der Besitzer vom Haus, der dieses selbst als Ferienhaus nutzt, einiges an persönlichen Dingen da gelassen, dadurch war z.B. die gesamte Kommode voll und die Regale, welche sehr originell aus nur ganz wenig bearbeiteten Holzstücken bestanden, mit Büchern und anderem Zeug belegt.

Für meine Geschmack war dadurch viel zu viel Zeug in dem Haus. Mir hat der Raum zwischen den Dingen gefehlt. Vielleicht hat auch das schräge Dach, das einen Teil vom Raum weg nimmt, dazu beigetragen, das mag sein.

Ergänzt wurde das Haus durch eine Terrasse, welche in etwa gleich groß war wie das Haus selbst. Da es die meiste Zeit sehr heiß war, haben wir das Kochen daher ins Freie verlegt, um die Räume nicht unnötig aufzuheizen.

unser Kochplatz im Freien

unser Kochplatz im Freien

Wir haben sehr viel Zeit im Freien verbracht, auch der riesige Olivenhain hat dazu eingeladen. Im Schatten der Bäume konnte ich am Vormittag in der Hängematte meditieren und am Nachmittag lesen.

mein Lieblingsplatz im schattigen Olivenhain

mein Lieblingsplatz im schattigen Olivenhain

Wenn man so will war es dadurch gar kein tiny house, denn wir hatten insgesamt viel mehr Platz zur Verfügung und diesen auch ausgenutzt.

Die meiste Zeit haben wir im Freien gelebt, nur zu Mittag, wenn es sehr heiß war, habe ich mich ins Haus zurück gezogen. Auch am Abend, wenn mich die Gelsen gejagt haben, war ich froh über die geschlossenen Räume.

eine zweite Hängematte machte die Terasse gemütlich für uns

eine zweite Hängematte machte die Terasse gemütlich für uns

Was habe ich aus der Zeit gelernt?

Alleine für mich würde eine winzige Wohnung auf jeden Fall reichen, zu zweit – und im speziellen in unserer Situation – sieht das allerdings anders aus. Ich bin es mittlerweile gewohnt, dass ich mich zurück ziehen kann. Auch Herr Widerstand, der vor unserer Beziehung in so einer winzigen Wohnung gelebt hat, weiß die Größe der Wohnung mittlerweile zu schätzen. Auch wenn 100m² definitiv zu viel sind für uns, so würde ich doch dauerhaft nicht mehr auf 25m² zu zweit wohnen wollen.

Was in unserem Fall zu Problemen führt ist, dass Herr Widerstand seinem Beruf zu einem großen Teil zu Hause nachgeht und dafür einen eigenen Raum und Ruhe braucht. Ein Wohnraum wäre daher zu wenig, denn ich könnte mich in der Zeit dann nicht zu Hause aufhalten.

Außer das winzige Haus würde so wie in der Toskana von so einem großzügigen Freibereich ergänzt werden. Dann kann ich mir das sehr wohl sehr gut vorstellen. Natürlich muss man berücksichtigen, dass man in den Wintermonaten in Österreich nicht so gut im Freien leben kann.

Nachdem es sich um ein Eigenheim handelt, werde ich vorerst wohl keine Veränderung an meiner derzeitigen Wohnsituation vornehmen. Vielleicht werde ich irgendwann Großmutter, dann werden sich die Enkelkinder darüber freuen, wenn sie ein paar Tage zu Besuch bleiben und ihr eigenes Reich haben können.

Wenn ich irgendwann einmal keinem Beruf mehr nachgehe, kann ich es mir aber sehr gut vorstellen, meine Wohnsituation noch einmal gänzlich zu überdenken und zu verändern.

typische Landschaft in der Toskana

typische Landschaft in der Toskana

mein Leben in einem tiny house

Ich kann mich noch gut an meine allererste richtige Wohnung erinnern. Sie maß gerade einmal 25m², hatte aber alles, was ich brauchte. Ein großes Wohn-Ess-Schlafzimmer, einen Abstellraum, den ich in einen begehbaren Schrank umgebaut hatte, eine winzige Küche, ein noch kleineres WC und ein kleines Bad. Verbunden waren die Räume durch einen schmalen Gang, ein Balkon in den Hinterhof hat die Wohnung aufgewertet, wir haben einmal sogar darauf gegrillt.

In keiner anderen Wohnung habe ich mich wohler gefühlt als dort. Ob es am Zauber der ersten Wohnung gelegen hat oder weil es einfach so perfekt geschnitten war und in seiner Kleinheit alle meine Bedürfnisse befriedigt hat, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Es war nie viel Aufwand die Wohnung in Ordnung zu halten und ich habe mich nie einsam gefühlt, soviel steht fest.

immer mehr

Als die Kinder kamen, wurde der Platzbedarf immer größer. In meinem kleinen 80m² Reihenhäuschen mit 3 Räumen, in das ich danach gezogen bin, wurde es zu viert schnell zu eng. Kinder brauchen Platz, vor allem in der Pubertät. Also habe ich den Dachboden ausgebaut, damit beiden Kindern eigene Bereiche zur Verfügung stehen.

Meine Tochter hat längst eine eigene Wohnung. Heute habe ich den ausgebauten Dachboden zu meinem Hobbyraum umgestaltet. Das ist zwar sehr praktisch, aber in Wahrheit ist das Haus viel zu groß für 3 Leute. Immer wieder denke ich an meine kleine Garconniere und wie wohl ich mich darin gefühlt habe. Und mit wie wenig Zeug ich damals tatsächlich ausgekommen bin.

Heute ist der halbe Keller mit Schachteln voll, in denen sich Zeug von meinen Kindern befindet, das ich nicht weg werfen darf. Ich würde sehr gerne alles reduzieren, derzeit ist das leider noch nicht möglich.

Fortsetzung folgt…

Müll reduzieren im Urlaub – wie man den Abfall auch im Urlaub gering halten kann


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Und weil es ökologisch ganz viel Sinn macht, seinen Wohnraum so klein wie möglich zu halten – ich sage nur Strom, Heizung, Putzmittel u.v.m. und natürlich Bausubstanz etc. – schicke ich diesen Beitrag zur Blogparade einfach.nachhaltig.besser.leben. Hier geht es zur aktuellen Linkparty.

Weiters verlinkt zu ANL von Rostrose.


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Der Hype um das „Small House Movement“ (machmal auch „Tiny House Movement“) geht von Amerika aus um die Welt. Das tägliche Leben auf durchschnittlich 20m² zu bewältigen scheint immer mehr Menschen zu faszinieren.

der Traum vom Haus am See

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Tiny Houses (auch Minihäuser) haben eine Größe von maximal 55 m², Small Houses (auch Kleinhäuser) eine für amerikanische Verhältnisse kleine Wohnfläche von maximal 112 m².

Denn obwohl die durchschnittliche Haushaltsgröße über die Zeit abnahm, vergrößerte sich der Platzbedarf einer Familie im gleichen Zeitraum. Gründe dafür sind eine Zunahme des materiellen Wohlstands (im Sinne einer Anhäufung von Konsumgütern) und das Ansehen, das mit einem großen Haus einhergeht. Doch große Häuser sind nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt.

Minimalismus beim Wohnen

Mikrohäuser werden zwar überwiegend auf Rädern gebaut, doch mittlerweile gibt es auch schon einige mit Fundament. Die Besitzer sind durch die mobile Bauweise flexibler und nicht an einen Wohnort im eigentlichen Sinn gebunden, auch wenn damit viele Auflagen bezüglich Breite und Höhe des Hauses einhergehen, um noch als „Ladung“ oder „Anhänger“ zu gelten.


Zum anderen kann man mit dieser Baumethode einige, durch das Baurecht vorgeschriebene, Investitionen umgehen (z.B.: Kanal- und/oder Wasseranschluss, sanitäre Einrichtungen etc.). Ein solches Mikrohaus kann mit einigen wenigen 10.000 Dollars/Euros realisiert werden. Für ein richtiges Haus also nicht viel. Kein Wunder also, dass dieser Trend so großen Zulauf genießt.

Auf Wikipedia könnt ihr übrigens noch einige interessante Details nachlesen.

Die Schwierigkeiten

So schön der Traum vom günstigen Eigenheim, einem Leben im Wald und der Unabhängigkeit von Vermietern auch ist, so schwierig gestaltet sich dann die Umsetzung.

Durch das Baurecht entstehen einige Hürden, die es zu meistern gilt, ehe ein solches Haus als dauerhafte Bleibe genehmigt wird. Und obwohl sich mittlerweile sogar schon Unternehmen auf den Bau von Mikro- oder Kleinhäusern spezialisiert haben, muss bei begrenztem Budget doch das meiste selbst gemacht werden. Die Bauzeit solche Häuser beträgt meistens einige Monate oder Jahre. 

Wenn nicht überwiegend gebrauchte Materialien verwendet werden, fallen zudem hohe Materialkosten an.

leben mit der Natur

leben mit der Natur

Was können wir trotz allem von solchen Häuser lernen?

Ein Zuhause ohne Kanal-, Wasser- und Stromanschluss zu planen setzt einen bewussten Umgang mit seiner Umwelt voraus. Wer sich nicht auf die städtische Kläranlage verlassen kann und sein Brauchwasser vielleicht auch noch weiterverwenden will (z.B.: zum Blumengießen) darf nur besonders umweltfreundliche Produkte verwenden. Wer seinen Strom über Solarzellen selbst erzeugt, geht vermutlich auch besonders sparsam damit um. 

Auch die Abkehr vom Gedanken „umso größer, umso besser“ finde ich begrüßenswert. Man muss keine 180 m² oder mehr zur Verfügung haben, um alles, was man zum Leben braucht unterzubringen. Vor allem sind Häuser solcher Größe, wie sie auch in Österreich typisch sind, niemals ohne Kredit finanzierbar. Eine Reduzierung der Wohnraumansprüche erhöht also die Unabhängigkeit bei der Finanzierung.

klein aber mein

klein aber mein

Da wir selbst derzeit zu zweit auf 40 m² leben und in einem Jahr umziehen werden, bin ich natürlich sehr an den Einrichtungsideen dieser Mikrohäuser interessiert. Wer seine Bleibe nicht mit den für Einrichtungshäuser typischen Stücken, sondern mit multifunktionalen Möbeln einrichtet, kann aus 50 m² richtig viel Platz rausholen. Bei der nächsten Wohnungseinrichtung werden wir also definitiv mehr Hand anlegen, um diese optimal an unsere Bedürfnisse auszurichten.

Auf meinem Pinterest Board „Tiny Houses“ hab ich einige platzsparende Ideen gesammelt. Hochbettlösungen sind beispielsweise auch für Wohngemeinschaften ideal.

Auch Modulhäusern wird mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Praktisch dabei: durch die Baumodule kann man relativ einfach aus einem Single-Haus ein Familienhaus machen. Die Baumodule sind dabei meist so bemessen, dass sie noch als LKW-Fracht zulässig sind.

Wir können uns also einiges abschauen von dieser Bewegung. Und sei es auch „nur“ die Erkenntnis, dass man mit weniger Wohnraum gleich gut, oder vielleicht sogar noch besser leben kann.


greenbirdDaniela schreibt auf Green Bird über das Selbermachen, sei es von Dekogegenständen oder Kleidungsstücken.

Seit einiger Zeit haben auch die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Minimalismus“ einen Platz auf Danielas Blog, für die Wandern nicht nur ein Zeitvertreib sondern eine Leidenschaft ist.

Passend zu diesem Thema wurde von Daniela gerade der Beitrag „Warum Entrümpeln befreiend wirkt“ veröffentlicht.