fix it – Reparieren ist nachhaltig #23

Herzlich willkommen zur neuen Linkparty „fix it – reparieren ist nachhaltig“. Ich freue mich sehr, mit diesem Beitrag mein kleines virtuelles Repair-Café wieder zu eröffnen.

Da ich auch diesen Sommer wieder eine Blogpause machen werde, ist die Linkparty vorerst unbeschränkt geöffnet.

Die Regeln

Ausführliche Informationen dazu findest Du hier, da gibt es die Anleitung aber auch die Verlinkung zu allen bisherigen Blogparaden.

Müll reduzieren durch Reparieren – mein Beitrag zur Linkparty

Nachdem mir die Altkleiderproblematik sehr am Herzen liegt, erzähle ich nicht nur hier bei „fix it – reparieren ist nachhaltig“ wie man Kleidung durch einfache Reparaturarbeiten länger tragen kann, sondern zeige auch immer wieder, wie man durch einfache Adaptierungen Kleidungsstücke mit kleinen Macken wieder zu Lieblingsteilen umändern kann.

Beispiele dafür sind auf meinem Blog bereits einige zu finden. Im Beitrag Typisch Frau – nichts anzuziehen – Teil 5. habe ich einige T-Shirts geändert sowie Kleidungsstücke gefärbt und bei Typisch Frau – nichts anzuziehen – Teil 7. einen Blazer an meine Bedürfnisse angepasst. Im Beitrag fix it – Reparieren ist nachhaltig #8 kannst Du meine Spezialmethoden sehen, wie man ganz einfach die Armlänge ändern kann ohne das Bündchen zu verändern.

Diesmal habe ich einige Oberteile mit kleinen Problemstellen im Kostnixladen gefunden, welche ungeliebt verstoßen wurden und die keiner mitnehmen wollte. Die Ursache habe ich sehr schnell entdeckt. Alle Teile haben Fehler in der Schnittführung und waren daher im Ursprungszustand meiner Meinung nach untragbar.

Die Knopflochleiste schließt nicht

Diese entzückende Bluse in indischem Stil war leider gänzlich untragbar. Für das Foto habe ich der Schneiderpuppe ein weißes T-Shirt angezogen, damit Du das Problem leichter erkennen kannst. Durch die sehr dekorative Verschlussvariante der Bluse schließt die Knopflochleiste nicht und frau steht quasi „im Freien“. Das geht ja wohl gar nicht, denn es sieht auch mit einem Shirt darunter sehr seltsam aus.

rechts siehst Du die gesteckte Knopflochleiste

Daher habe ich das Verschlussband ausgefädelt, die beiden Knopflochleisten übereinander fest gesteckt und mit zwei Nähten geschlossen.

Das Verschlussband wurde nach dem Einfädeln zusammen genäht, da es mit einer Schleife sehr seltsam ausgesehen hat. Außerdem war das Band in Wahrheit zu kurz. Um eine Schleife zu binden, hätte man gar nicht die gesamte Länge einfädeln können.

wenige Minuten später

Die ganze Aktion hat kaum mehr als 10 Minuten gedauert und einen Großteil dieser Zeit habe ich mit Puppe anziehen, fotografieren und anschließend wieder ausziehen verbracht.

Für mich ist das jedenfalls eine sehr gute, einfache Lösung, wie die Bluse doch noch getragen werden kann. Der Schlitz im unteren Bereich ist übrigens gewollt und stört gar nicht. Er fällt auf dem Foto nur wegen dem weißen T-Shirt etwas stärker auf als sonst.

die Bluse ist gerettet und wartet auf warme Tage um ausgeführt zu werden

noch mehr Rettungsaktionen

Interessanterweise habe ich noch weitere Oberteile mit ähnlichen Problemen entdeckt, die ich gerettet habe. Wie z.B. dieses Shirt, das eigentlich gar keine Knopflochleiste und somit auch keine Knöpfe hatte. Dafür einen sehr großen Schlitz im Ausschnitt, wodurch das Shirt nicht nur viel zu weit ausgeschnitten war, sondern zusätzlich auch noch von den Schultern gerutscht ist.

Leider habe ich kein „vorher“-Foto gemacht, weil ich gar nicht daran gedacht habe, so eine kleine Reparaturarbeit am Blog zu zeigen. Heute passt es allerdings sehr gut dazu.

hier siehst Du die „fake“-Knopflochleiste

Als Lösung habe ich die beiden eingefassten Stoffteile vom Ausschnittschlitz übereinander gelegt und zur Knopflochleiste ernannt. Knopflöcher gibt es nach wie vor keine, statt dessen habe ich die beiden Einfassungen einfach mit den Knöpfen zusammen genäht. Diese gefakte Knopflochleiste verkleinert dadurch den Ausschnitt und das Shirt passt nun ganz wunderbar.

Auch diese braune Bluse wollte keiner haben. Das Problem war ein ganz ähnliches wie oben, leider habe ich auch diesmal kein „vorher“-Foto. Abgesehen davon, dass ein Knopf gefehlt hat, hatte die Bluse gar keine Knopflochleiste und folglich auch keine Knopflöcher.

Der gar nicht so kleine Schlitz wurde dürftig durch 3 Knöpfe mit Schlaufen im oberen Bereich geschlossen. Der gesamte Schlitz blieb dadurch mehr (unten) oder weniger (oben) offen und bot sehr großzügige Einblicke in unerwünschte Bereiche.

noch eine Bluse gerettet

Da der Ärmel für meinen Geschmack zu weit geschnitten war, habe ich ihn schmäler genäht. Mit einem kleinen Stückchen von dem Abfallstoff habe ich sodann eine provisorische Knopflochleiste hinterlegt. Diese wurde an beiden Seiten festgesteppt (rechtes Bild, Du siehst die Rückseite der Bluse) und verschließt nun den von mir ungeliebten Schlitz. In der Vergrößerung vom Bild kannst Du alles besser erkennen.

Nachdem ein Knopf gefehlt hat, habe ich statt der langweiligen braunen Knöpfe 3 bunte Stoffknöpfe angenäht, die das Teil ein wenig aufpeppen.

Die letzte Kandidatin ist ganz neu zu mir gekommen. In diese entzückende luftige Bluse habe ich mich auf den ersten Blick verliebt, nachdem ich sie bei einem Kleidertausch entdeckt habe.

die Bluse wartet noch auf das Makeover

Die Freude hat nicht lange gehalten, auf dem Bild siehst Du das Problem. Die Hersteller haben wohl bei den Knöpfen sparen wollen. Die Abstände sind viel zu groß gewählt und die Knopflochleiste bleibt dadurch nicht dort, wo sie sein sollte. Und das liegt nicht daran, dass meine Oberweite das gute Teil sprengt!

Der oberste Knopf wurde überhaupt gespart, dadurch ist die Bluse für meinen Geschmack viel zu weit ausgeschnitten.

Meine Lösung wird ähnlich sein wie oben. Zuerst möchte ich die Knöpfe abnehmen und danach die Knopflochleiste zusammen nähen und dadurch fixieren. Anschließend wird es einen Knopf mehr geben, der das Oberteil offiziell verschließt.

Nachdem ich mich schon sehr auf diese Bluse freue, hoffe ich sehr, dass ich bald die Zeit für das Makeover finde.

Tipp: Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden, um weitere Details zu betrachten.

Linkparty:


Banner fix itWer Beiträge zum Thema „Reparieren“ auf seinem Blog veröffentlicht, kann diese hier über „inlinkz“ oder in den Kommentaren verlinken.

Ich bin schon gespannt auf Deine Beiträge und freue mich sehr darauf!

Durch Anklicken des Linkbuttons kannst Du sowohl selbst Beiträge verlinken als auch alle verlinkten Beiträge samt Beitragsbild sehen!

Zusätzlich werde ich auf meiner Pinterest-Pinwand „fix it – reparieren ist nachhaltig“ alle Bilder samt Verlinkungen für Dich sammeln. Am Ende des Monats wird das Pinboard auch im Monatsrückblick zu sehen sein.

Das Banner kann gerne auf den eigenen Blog mitgenommen werden. Bitte setze in Deinem Artikel einen Backlink zu diesem Blogbeitrag.

Mit der Aktion „fix it – reparieren ist nachhaltig“ möchte ich andere dazu motivieren, Dinge zu reparieren statt sie wegzuwerfen.

Egal ob Kleidungsstück, elektronisches Gerät oder ein Möbelstück – verlängere das Leben von Dingen durch Reparatur und trage so zur Schonung der Ressourcen unserer Erde bei.

Verlinkt zu EiNaB, Create in Austria, alt trifft neu und ANL

Die 9 Stufen zum nachhaltigen Konsum [nachhaltiges Konsumverhalten]

Wenn man im Internet nach dem Begriff „nachhaltiger Konsum“ sucht, liest man vor allem davon, was es bedeutet, nachhaltig zu konsumieren. Sprich nach welchen Kriterien sollte das neue Produkt gewählt werde, um den Schaden für die Umwelt zu reduzieren.

Angestellt wird dabei der Vergleich zwischen einem konventionell und einem nach ökologischen Kriterien produzieren Produkt.

9-stufen-zum-nachhaltigen-konsum

Für mich setzt das jedoch viel zu weit hinten an. Es geht dabei zwar darum, die Umweltbelastung für eine bzw. diese Kaufentscheidung zu vermindern, aber ich möchte gerne noch einen Schritt weiter gehen.

Oder eigentlich zurück gehen, denn alle nachstehenden Überlegungen finden lange vor dem Akt des Kaufens statt.

reusecloudNachhaltiges Konsumverhalten ist für mich, wenn ich auch die Frage nach der Notwendigkeit bzw. der Art des Konsums mit einbeziehe. Denn dieser Punkt macht aus ökologischer Sicht meiner Meinung nach den wirklich großen Unterschied aus.

Deshalb möchte ich Dir heute die von mir selbst konzipierten Stufen zum nachhaltigen Konsum präsentieren.

1. use what you have

Nutze das, was Du hast und gehe sorgsam damit um auf dass die Dinge lange leben. Mache Dir immer wieder bewusst, dass Du bereits alles besitzt, was Du zum Leben brauchst.

2. zweckentfremde das, was Du bereits besitzt

Wenn Du etwas brauchst, das Du noch nicht besitzt, dann schau Dich mal um, ob Du bereits etwas besitzt, was diesen Zweck ebenfalls erfüllen könnte. Beispielsweise kann dadurch eine alte Suppenterrine zum Brottopf werden oder Apfelmusgläser, die eigentlich für den Müll sind, werden so zu Vorratsgläsern. Ich verwende eine Pralinendose zur Aufbewahrung für meine Butter und alte Gläser für die Gewürze.

nutze das, was Du bereits besitzt

nutze das, was Du bereits besitzt

3. repariere, was kaputt ist

Statt Neues zu kaufen, wenn etwas kaputt ist, kannst Du es entweder selbst reparieren oder von Freunden reparieren reparieren lassen, es zum Repair-Café bringen oder den Fachmann beauftragen.

4. nicht alles muss man besitzen

Vieles, was wir benutzen wollen, müssen wir nicht selbst besitzen. Leihe es Dir von Freunden aus oder nutze die Möglichkeiten des Leihladens.

5. brauche ich das wirklich?

Hinterfrage Deinen Konsumwunsch. Warte ein paar Tage, ob Du das Teil noch immer haben möchtest. Oft stellt sich heraus, dass der Kaufimpuls eine momentane Laune war.

6. mach es selbst

Vieles kann man selbst herstellen egal ob stricken, häkeln oder nähen. Besonders gut für die Umwelt ist dafür das zu nutzen, was es schon gibt. Stichwort Upcycling. Auch das ist eine Form von use what you have. Mit ein wenig Kreativität entstehen sehr besondere Unikate.

einige meiner DIY Projekte der letzten Jahre

einige meiner DIY Projekte der letzten Jahre

7. Nutze das, was andere nicht mehr haben wollen

Wenn Du zu dem Schluss kommst, dass Du Deinen Besitz dennoch erweitern möchtest, dann nutze die Möglichkeiten des Gebrauchtmarktes. Das ist gut für die Umwelt, weil nichts Neues produziert werden muss, das die Umwelt bereits in der Produktion belastet. Darüber hinaus werden keine wertvollen Rohstoffe verbraucht, das Verpackungsmaterial fällt weg und die Ware muss auch nicht um die halbe Welt transportiert werden.

In erster Linie denke ich da an den Umsonstladen, Verschenkregale, Tauschmärkte, offene Bücherschränke u.ä. Alternativ gibt es auch zahlreiche Flohmärkte, wo man fündig werden kann. Im Internet findet man ebenfalls viele Möglichkeiten wie z.B. Verschenkbörsen und Internetflohmärkte.

Bilder einer Kleidertauschparty

Bilder einer Kleidertauschparty

8. Gebrauchtwarenladen

Den Second-Hand-Laden setze ich erst danach an, weil dahinter doch wiederum ein Geschäft und vor allem kommerzielles Handeln steht. Waren werden transportiert und in einem Geschäftslokal präsentiert. Und es fällt oft dennoch viel Müll im Hintergrund an. Und was passiert mit dem, was doch keiner haben will?

Aber grundsätzlich ist der Secondhand-Laden natürlich immer noch die bessere Wahl als Neues zu kaufen.

9. warte auf Mr. Perfect

Nicht jeder Konsumwunsch muss sofort erfüllt werden. Wenn Du heute am Gebrauchtmarkt nicht das findest, was Du gerne möchtest, nimm Dir Zeit um auf Mr. Right zu warten.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es zwar manchmal einige Zeit dauern kann, aber die Freude ist dafür umso größer, wenn man nach langer Suche das richtige Teil entdeckt. Das war z.B. mit meinem Brottopf so. Ich habe sicher ein halbes Jahr gewartet und nun schon seit wirklich langer Zeit viel Freude damit.

nachhaltiger-konsum

kaufe regional produzierte Waren, die fair gehandelt werden

Nun kommen wir doch noch zum Neukauf, dem nachhaltigen Konsum im engeren Sinne wie ich es nennen möchte.

Achte beim Erwerb darauf, dass die Waren möglichst in Deiner Region gefertigt und dass die Hersteller fair bezahlt werden.

Das ist gar nicht immer so einfach und führt Dich möglicherweise wieder ein paar Stufen zurück auf der Leiter des nachhaltigen Konsums.

Achte auf die Qualität der Ware, dass sie gut verarbeitet und langlebig hergestellt wurde. Hinterfrage die Möglichkeiten der Reparatur bzw. der Ersatzteile. Manche Firmen bieten selbst ein Reparaturservice an.


Logo einab grueneinfach.nachhaltig.besser.leben [#EiNaB]

Meinen heutigen Beitrag schicke ich zur Blogparade einfach.nachhaltig.besser.leben.

Hier geht es zur aktuellen Linkparty, in der wir den 2. Geburtstag der Blogparade mit ganz tollen Neuigkeiten feiern.

Hab ich Dich jetzt neugierig gemacht? Dann klick schnell auf den Link zum Beitrag „EiNaB #21: Alles neu macht der Mai“.


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Leihladen Leila
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Im Gesamtindex „Beiträge“ findest Du eine Übersicht über alle bisher veröffentlichten Beiträge.

Weiters verlinkt zu ANL von Rostrose.

Wie weit haben wir uns eigentlich wirklich von der Natur entfernt? #6

Als ich vor mittlerweile gut einem Jahr mit meinen Kindern am Meer entlang geschlendert bin, haben wir bei jedem Spaziergang die herumliegenden Plastikteile aufgehoben bzw. aus dem Meer gefischt.

nur ein Handgriff und zumindest dieses Teil schwimmt nicht mehr im Meer

nur ein Handgriff und zumindest dieses Teil schwimmt nicht mehr im Meer

Wie war das damals?

Dadurch kam das Gespräch natürlich automatisch auf die Verpackungsproblematik und sie haben mich gefragt, wie das in meiner Kindheit war. Wie damals die Lebensmittel verpackt waren. Ich habe versucht mich daran zu erinnern, was der größte Unterschied zu heute ist.

bei jedem Spaziergang haben wir allerlei Plastik gefunden

Lebensmittel sind zur Industrieware geworden

Nach einigem Nachdenken bin ich auf den Punkt gekommen, dass es damals kaum convenience food gab. Keinen Salat in Plastik verpackt, auch Obst und Gemüse wurden lose angeboten. Fleisch und Wurst konnte man nicht vorgepackt in Plastik erwerben. Es war in jedem Geschäft möglich, seine Dose mitzubringen um die Waren darin selbst zu verpacken. Milchprodukte wurden häufig in Glas abgefüllt angeboten.

So gut wie jeder, der einkaufen ging, hatte eine eigene Einkaufstasche mit. Man fuhr ja auch nicht mit dem Auto in ein Einkaufszentrum, sondern ging zu Fuß oder fuhr mit dem Fahrrad zum Greißler an der Ecke, den es zu der Zeit tatsächlich noch gab.

Keine großen Supermarktketten, die es an jedem Ort gibt, sondern nette kleine Geschäfte, wo der Besitzer meist selbst an der Kasse saß.

das Angebot an Tiefkühlware ist riesengroß

selber machen gegen Müll

Es wurde viel mehr selbst gekocht und gebacken. Fertigprodukte waren die Ausnahme, es gab meist nur eine kleine Tiefkühltruhe aber keine ganze Wand voll mit Tiefkühlschränken im Supermarkt.

Im Sommer war Einkochzeit, fast jeder hat eingekocht um Obst und Gemüse für den Winter haltbar zu machen.

Im Lebensmittelgeschäft gab es keine elendslangen Regale voll mit verschiedenen Marmeladen, da fast jeder das Obst selbst eingekocht hat.

Der Sonntagskuchen wurde selbst gebacken, dass wir eine Konditorei besucht haben, war die Ausnahme.

nun landet es doch da, wo es hin gehört

Lebensmittel sind kostbar

Zwei Mal pro Woche war Markttag. Es gab Obst und Gemüse zu verschiedenen Preisen zu kaufen. Je nachdem ob man erste oder zweite Wahl wollte, war der Preis ein anderer. Ich habe vor kurzem mit einem Bauern gesprochen, der seine Waren am Markt anbietet, warum das nicht mehr gemacht wird. Er hat gesagt, dass keiner mehr zweite Wahl kauft, auch wenn er mit dem Preis runter geht.

Das konnte ich gar nicht glauben, denn die Sachen sind ja nicht schlecht, nur meist ein bisschen größer oder kleiner als die Norm.

Ich habe den Eindruck, dass Nahrungsmittel damals mehr geschätzt wurden. Die Menschen sind achtsamer mit den Lebensmitteln umgegangen, es wurde alles verwendet und selten etwas weg geworfen.

am Bauernmarkt werden Obst und Gemüse noch heute lose angeboten

am Bauernmarkt werden Obst und Gemüse noch heute lose angeboten

frisches Gemüse ist schmutzig

Wenn man Kartoffeln gekauft hat, dann waren sie erdig. So wie sie eben aus der Erde heraus kommen, sie wurden nicht sorgfältig gewaschen und in Plastiksäcke verpackt.

Es war selbstverständlich, dass man „schmutziges“ Gemüse kauft, denn die Kartoffeln halten ja viel länger, wenn sie nicht gewaschen werden! Man hat sie lose gekauft und die Menge, die man benötigt hat, in den Papiersack gefüllt. Darin haben sie auch gut gehalten, weil der Papiersack dunkel ist und Feuchtigkeit ausgleicht.

Auf dem Salat war meist noch etwas Erde, denn schließlich wird der Salat auf Erde gezogen. Aber das ist auch nicht schlimm, denn man wäscht ihn ja ohnedies.

Heute ist jedes Obst und Gemüse klinisch rein, auf Nährlösung gezogen, in Plastik verpackt und hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt bekommen. Beides trägt zur Lebensmittelverschwendung bei. Die Verpackung in Plastik lässt das Gemüse nicht mehr atmen und nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum darf das Lebensmittel nicht mehr verkauft werden.

Mir fehlen beinahe die Worte, wie schrecklich ich das finde!

die to-go-Kultur

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in meiner Jugend Fastfood im heute üblichen Sinn gab. Würstelbuden gab es natürlich schon, aber keinen Burger, keine Nudelbox und kein Kebap.

Mit 14 Jahren habe ich das erste Mal in Graz eine Fastfood-Kette betreten, dabei habe ich in der zweitgrößten Stadt der Steiermark gelebt. Kaffee wurde im Kaffeehaus getrunken, niemand ist mit einem Plastikbecher in der Hand durch die Gegend gelaufen.

bunte Ernte aus dem Garten

von der Vielfalt zum Einheitsbrei

Am Markt gab es früher ganz viele verschiedene Sorten von Tomaten, von Kartoffeln und anderem Gemüse. Alles hat ein wenig anders ausgesehen und auch anders geschmeckt.

Wenn man Lust auf Kartoffeln hatte, kam danach die Frage nach der Art der Kartoffeln.

Gemüse wurde auch nur dann angeboten, wenn es gerade Saison hatte. Und ganz ehrlich – die ersten jungen Kartoffeln haben himmlisch geschmeckt! Denn irgendwann waren die Kartoffeln zu Ende, die im Vorjahr geerntet worden sind.

Kein Import aus Israel, damit es bereits Anfang April heurige Kartoffeln gibt, die eine ganz katastrophale Öko-Bilanz haben. Weil sie in einem Land wachsen, wo sie gegossen werden müssen, da es so heiß und trocken ist, dass sie sonst nicht wachsen würden. Und dann werden sie mit dem Flugzeug zu uns geflogen.

Tomaten gibt es das ganze Jahr. Sie sehen auch immer gleich aus und man schmeckt kaum einen Unterschied.

Ich weiß jedoch auch, wie die Tomaten schmecken, die im Garten selbst gezogen werden. Deshalb esse ich im Winter keine Tomaten sondern warte darauf, dass sie wieder bei uns reif werden. Unsere Tomaten sehen anders aus als die im Geschäft. Sie schmecken auch anders.

Das gleich gilt fürs Brot. Früher hatte jeder Bäcker seine Spezialitäten und jedes Brot war ein wenig anders. Heute gibt es auch beim Brot einen Einheitsbrei. Die Teiglinge werden oft in China gefertigt, danach eingefroren und um die halbe Welt transportiert. Ein Brot, ein Weckerl gleicht dem anderen. Vor einem halben Tag gebacken ist es schon alt und schmeckt nicht mehr. Jeden Abend landen Unmengen von Brot im Abfall. In Wien so viel, wie in Graz an einem Tag verbraucht werden.

unser selbst gebackenes Frühstücksbrot

ich rufe zum Boykott auf

Letzten Winter habe ich sogar Chinakohl geschnitten und in Plastik verpackt gesehen. Dass verschiedenes Obst geschält, geschnitten und in Plastik verpackt wird, ist ja schon beinahe üblich geworden.

All das wirft immer wieder in mir die Frage auf „Wie weit haben wir uns eigentlich wirklich von der Natur entfernt?“, das kann es ja nun wirklich nicht sein!

Meine Bitte an Dich ist daher – kauf Dein Obst und Gemüse unverpackt. Koche Deine Nahrung selbst. Wasche selbst Dein Gemüse und zerteile es in kleine Stücke, die Du danach zu einem fantastischen Gericht verkochst.

Nimm Dir die Zeit, Deinen Kaffee im Sitzen zu trinken.

In Wirklichkeit geht es nicht darum, den Plastikbecher vom Coffee-to-go durch einen Nicht-Wegwerfbecher zu ersetzen, sondern zu hinterfragen, ob wir wirklich nicht mehr die Zeit haben, uns hinzusetzen um etwas zu trinken?

Haben wir wirklich nicht mehr die Zeit unseren Salat selbst zu waschen und zu zerteilen? Wohin haben wir uns nur entwickelt?

Wie konnten wir uns unsere Ernährung so aus der Hand nehmen lassen?


Logo einab grueneinfach.nachhaltig.besser.leben [#EiNaB]

Meinen heutigen Beitrag schicke ich zur Blogparade einfach.nachhaltig.besser.leben.
Hier geht es zur aktuellen Linkparty.

Weiters verlinkt zu ANL von Rostrose.


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