Achtsam durch den Tag [Woche 42-43]

Diese beiden Aufgaben haben mich für sehr lange Zeit beschäftigt und ich bin sehr froh, dass ich mir die Zeit dafür genommen habe. Das spiegelt sich auch in der Länge meiner Texte wider und daher habe ich mich auch in diesem Beitrag auf zwei Achtsamkeitsübungen beschränkt.

Vielleicht habe ich auch jetzt schon ein wenig Sorge, was sein wird, wenn es mit diesem Projekt vorbei ist und lasse mir deshalb mehr Zeit? 10 neue Herausforderungen warte noch auf mich. Ich freue mich schon sehr darauf!

#42 Dinge aufschieben

In dieser Woche ging es darum sich seiner Verschleppungstaktik bewusst zu werden, des Aufschiebens von Dingen, die getan werden müssen. Wenn man etwas ewig vor sich herschiebt und so gar nicht angeht, verwendet man auch das wunderschöne Wort Prokrastination.

Durch meine Kinder bzw. als Alleinerzieher habe ich gelernt, dass ich Probleme damit bekomme, wenn ich „Dinge liegen lasse“. Das ging so weit, dass ich richtige Panik bekommen habe, wenn ich etwas nicht erledigen konnte. Da jeder Tag mit so vielen Aufgaben gefüllt war, die nur durch ein sehr straffes Zeitmanagement zu bewältigen waren, war es mir wichtig, nichts liegen zu lassen, da der nächste Tag keinen Spielraum dafür her gab.

Dabei ging es allerdings jedoch meist um organisatorische Dinge, die wichtig waren um den Alltag zu bewältigen. Andere Dinge, die vielleicht auch sehr wichtig waren – für mich persönlich, für die Gesundheit oder für die Zukunft – sind dabei liegen geblieben.

Das ging so weit, dass ich mich darin völlig erschöpfte und irgendwann einmal gar nichts mehr ging. Langsam musste ich lernen, wieder auf meinen Körper zu hören und auch Pausen einzuplanen.

Eine sehr liebe und weise Frau hat mir einmal erklärt, dass ich eine sehr interessante Art habe, Dinge zu vermeiden. Dass ich nämlich etwas anderes „ganz Wichtiges“ mache, statt das, was ich eigentlich tun sollte.

Ein Beispiel dafür wäre ein leckeres Abendessen zu kochen (das sehr zeitintensiv ist) statt einen Anruf zu tätigen/Brief zu schreiben oder was ich sonst vor mir her schiebe. Es ginge ja auch anders, es gibt ein schnelles Abendessen und dann geht sich beides aus.

Immer etwas (anderes) zu tun ist im Grunde eine sehr gute Taktik, um etwas vor sich her zu schieben. Es ist ganz unauffällig, denn man ist ja die ganze Zeit beschäftigt! Es ist ja nicht so, dass man auf der faulen Haut liegt und in den Tag hinein lebt.

Immer mit etwas beschäftigt zu sein um nie zu dem zu kommen, was eigentlich wichtig wäre, ist eine sehr gut Möglichkeit um etwas ewig hinaus zu schieben ohne dass es schnell auffällt.

Durch die Aufgabe der Woche #42 habe ich die Möglichkeit bekommen noch einmal genauer hin zu sehen, wie ich mich in solchen Situationen verhalte.

Und siehe da, es hat sich genau gar nichts verändert! Ich renne noch immer wie der Hamster im Rad, bin fleißig dabei alles mögliche zu erledigen und schaffe es dabei Dinge liegen zu lassen. Wie zum Beispiel meine Steuererklärung und andere bürokratische Sachen, die ich so gar nicht machen mag.

Letztendlich hat es genau 4 Wochen gedauert, bis ich die Steuererklärung tatsächlich gemacht habe. So lange habe ich die Aufgabe fortgesetzt. In den vier Wochen hat sich ganz schön viel bewegt zu Hause. Ich habe sehr viele Sachen erledigt, vor denen ich mich gedrückt habe.

Jeden Tag habe ich mir eine Sache vorgenommen, die unerledigt ist und die ich an dem Tag erledigen wollte. Und dabei habe ich mich selbst beobachtet. Manchmal hat es einige Tage gedauert bis ich die selbst gestellt Aufgabe endlich angegangen bin, denn da waren so viele andere unerledigte Sachen, die in dem Moment „noch wichtiger“ waren.

Das heißt sogar in der Zeit, wo ich sehr bewusst hingesehen habe durch die Aufgabe der Woche, habe ich mich immer wieder einmal selbst ausgetrickst.

Es war eine wichtige Zeit für mich um dieses Thema noch einmal anzusehen. Dadurch ist vieles einfacher geworden in meinem Leben, weil ich mich so oft selbst dabei ertappt habe, etwas anderes zu arbeiten statt das, was ich eigentlich tun sollt.

Als ich die vorgeschobenen Arbeiten reduziert habe und statt dessen gleich die Dinge angegangen bin, die zu tun waren, hatte ich auf einmal mehr Zeit für mich.

Klingt das jetzt seltsam? Ja, vermutlich! Aber das war die Erfahrung dieser 4 Wochen. Wenn ich gleich erledige, was getan werden muss, dann habe ich mehr Zeit für das, was Spaß macht, weil ich keine vorgeschobenen Tätigkeiten mehr machen muss, die nur dazu dienen, die Aufgabe zu verschleppen.

Daher habe ich meine Formel für einen erfolgreichen Tag wieder hervor geholt und praktiziere sie wieder täglich.

#43 Ihre Zunge

Diesmal gab es eine Übung, die ich gar nicht geschafft habe. Während ich esse und trinke sollte ich mir meiner Zunge bewusst sein, also die Aufmerksamkeit auf die Aufgaben der Zunge lenken, was sie tut, während ich esse und trinke und wie und wo ich schmecke.

Das hat so gar nicht geklappt, obwohl ich es fast 3 Wochen lang versucht habe. Kein einziges Mal! Ich war einfach nicht in der Lage, darauf zu achten. Beim Essen bin ich mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, vor allem mit Schmecken und Genießen, dass da scheinbar kein Platz für etwas anderes mehr ist.

Wobei ganz so stimmt es nicht, fällt mir gerade beim Schreiben ein, ein Mal hat es doch funktioniert. Aber das war eher Zufall, wenn ich ehrlich bin. Seit 100 Jahren hatte ich das erste Mal (aus einem bestimmten Grund, aber das führt zu weit hier) einen Kaugummi im Mund. Und dabei habe ich festgestellt, dass ich es nicht schaffe, den Kaugummi an einer bestimmten Stelle zu halten. Er bewegte sich unablässig in der Gegend herum ohne dass ich das wollte! Und dafür war wohl die Zunge zuständig und das wurde mir in dem Moment sehr deutlich bewusst.

die Zunge künstlerisch dargestellt in einem Graffiti

Die Aufgabe der Woche hat mich überraschend in eine ganz andere Richtung geführt als erwartet. Da es beim Essen nicht geklappt hat, habe ich zwischendurch immer wieder einmal meine Aufmerksamkeit auf die Zunge gelenkt.

Beobachtet habe ich dabei, dass meine Zunge ein Indikator für meine Nervosität ist. Wenn es mir gut geht, ruht sie sich ganz gemütlich in meinem Mund aus. Sobald ich aber in Stress gerate und nervös werde, führt sie scheinbar ein Eigenleben und bewegt sich unablässig in meinem Mund herum und tastet alles möglich ab!

Immer wenn mir das unruhige Verhalten meiner Zunge bewusst wurde, habe ich mich bemüht, sie zu beruhigen und mich selbst bewusst zu entspannen, damit auch die Zunge wieder ruhig im Mund liegen kann.

Und siehe da, das hat sich auch positiv auf meinen Gesamtzustand ausgewirkt, ich wurde dadurch insgesamt ausgeglichener und gelassener.

Fazit – das ist eine sehr mächtige Übung wie mir scheint, auch wenn es um etwas ganz anderes ging bei der Aufgabe der Woche. Ich möchte das unbedingt weiter verfolgen und freue mich, diese neue Möglichkeit der Selbstberuhigung in stressigen Situationen entdeckt zu haben.


achtsam durch den Tag [#Jahresprojekt 2017]

achtsam-durch-den-tag-jahresprojekt-2016-2017Diese Gedanken sind Teil von meinem Jahresprojekt.
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Achtsam durch den Tag [Woche 40-41]

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Achtsam durch den Tag [Woche 40-41]

Mein aktueller Rückblick zum „Jahresprojekt Achtsamkeit“ umfasst diesmal nur zwei Aufgaben. Als ich zu schreiben begann habe ich schnell gemerkt, dass mich die Themen sehr berühren. Die Texte sind daher sehr lange geworden, sodass ich mich dafür entschieden haben, meinen Rückblick auf zwei Achtsamkeitsübungen zu beschränken.

#40 Zeichen des Alterns

Die Aufgabe in dieser Woche ist mir zuerst gar nicht so leicht gefallen. Ging es doch darum bei sich selbst, an anderen Menschen, an Tieren und Pflanzen sowie an unbelebten Dingen die Zeichen des Alterns zu entdecken.

Ich bin mittlerweile in einem Alter, wo man nicht einmal mehr genau hinschauen muss, um die Zeichen des Alterns zu erkennen. Es ist manchmal schwierig damit zu leben, wie sich das Äußere verändert. Noch schwieriger empfinde ich jedoch all die anderen kleinen Veränderungen, die mit dem Altern einher gehen. Der Körper ist nicht mehr so leistungsfähig, kleine Verletzungen heilen nicht mehr so rasch. Das Gedächtnis spielt einem manchmal Streiche, man vergisst leichter etwas und ist zerstreut. Die Leistungsfähigkeit lässt nach, der Körper tut nicht mehr jederzeit das, was der Geist von ihm verlangt.

Altern hat auch etwas mit dem Empfinden von Verlust zu tun. Wir erinnern uns daran, wie es früher war und leiden unter dem, was nicht mehr ist. Daraus folgt, dass die Vorstellung des Alterns abhängig vom Vergleich und von dessen Bewertung ist.

Wenn wir den Verlust der Jugend beklagen, werden wir leiden. Es ist aber auch möglich den Blickwinkel auf das zu lenken, was wir durch das Alter gewonnen haben und auf die Schönheit dessen, was gerade ist. So viel haben wir in diesem Leben bereits erfahren und dadurch eine ganze Fülle an Wissen und Erfahrung zusammen getragen. Die Prioritäten haben sich verschoben. Das, was uns als Teenager Höllenqualen zugefügt hat, berührt uns längst nicht mehr.

So hat auch das Alter seine guten Seiten und wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, wird das automatisch unsere Zufriedenheit erhöhen.

dieses würdig alternde Gebäude habe ich in der Toskana entdeckt

dieses würdig alternde Gebäude habe ich in der Toskana entdeckt

Aber auch in meinem Umfeld fällt mir das Altern auf. Ich wohne mittlerweile seit über 23 Jahren im selben Haus. Überall ist zu erkennen, dass es in die Jahre kommt. Da und dort blättert die Farbe ab, an den Trittsteinen setzt sich Moos fest. Die Wiese ist längst kein Rasen mehr.

Auch die Pflanzen im Garten altern, der winzig kleine Schlitzahorn, der vor 11 Jahren gesetzt wurde, ist zu einem stattlichen Baum gewachsen, die Herbstanemonen haben einige andere Pflanzen überwuchert, die es nun nicht mehr gibt.

Bei Pflanzen, insbesondere Nahrungspflanzen, nehmen wir den Alterungsprozess als natürlich wahr. Der Samenkeimt, der Keimling wächst, die Pflanze blüht und setzt Früchte an, die wir dann verspeisen und schließlich vergeht die Pflanze um im nächsten Jahr aus den Samen neu geboren zu werden.

Die Pflanze kennt noch nicht einmal ihren Nachwuchs und mir kommt gerade der Gedanke, dass möglicherweise sogar das der Grund ist, warum wir selbst so große Probleme mit dem Tod haben. Unsere Kinder brauchen so viel Fürsorge und wenn sie älter sind und eigene Kinder haben, dann ist noch immer unsere Unterstützung willkommen.

Vielleicht macht es den naturgegebenen Abschied von der Welt so schwierig, dass wir so stark mit anderen Menschen verbunden sind?

Und damit kommen wir wieder zur Gegenwärtigkeit, zum Augenblick in dem wir leben. Die Lebenszyklen sind vorgegeben vom Baby über das Kleinkind zum Kind und Jugendlichen, vom jungen und älteren Erwachsenen zum alten Menschen und irgendwann folgt der Tod. Wenn wir jeden Tag unseres Lebens so annehmen wie er ist ohne die Vergangenheit oder die Zukunft herbei zu sehnen, spielt das Alter keine Rolle mehr.

#41 Pünktlich sein

Was für ein Thema! Die Sache mit der Pünktlichkeit beschäftigt mich schon mein ganzes Leben lang. Ich bin grundsätzlich ein überpünktlicher Mensch und habe das oft als Last empfunden, beispielsweise wenn ich auf andere gewartet habe.

Wenn ich irgendwohin unterwegs war und mit dem Auto in einen Stau gekommen bin, war ich am oft am Rande des Nervenzusammenbruchs, wenn ich gemerkt habe, dass ich dadurch unpünktlich (oder vielleicht sogar „nur“ pünktlich) kommen würde.

Pünktlichkeit ist 5 Minuten vor der Zeit

Mit diesem Spruch bin ich aufgewachsen und hatte tatsächlich viele Jahre das Gefühl unpünktlich zu sein, wenn ich pünktlich (!) ankam. Ich war dazu erzogen worden und bin dadurch zwanghaft pünktlich geworden.

Mit Menschen, die unpünktlich sind, hatte ich meine Probleme. Eine Partnerschaft ging unter anderem dadurch zu Brüche, weil er notorisch unpünktlich war. Und das waren keine 5-10 Minuten sondern manchmal bis zu 2-3 Stunden!

mit einem Auge auf der Uhr um pünktlich zu sein

Als ich Kinder bekam hat sich die Sache mit der Pünktlichkeit verändert. Solange ich nur für mich alleine verantwortlich war, ist es mir leicht gefallen pünktlich zu sein. Mit den Kindern war es plötzlich nicht mehr so einfach.

Ich habe dadurch meine Selbstgerechtigkeit verloren und das war glaube ich ganz gut so. Es gibt immer wieder einmal Gründe, warum man es nicht schafft pünktlich zu sein.

Vor einigen Jahren habe ich damit experimentiert selbst unpünktlich zu sein. Das ist mir gar nicht leicht gefallen, als letzte oder gar zu spät zu einem Termin zu kommen. Am Anfang war es eine regelrechte Überwindung und ist mir nur mit sehr viel Mühe und Willenskraft gelungen.

Das war übrigens auch die Ersatzaufgabe dieser Woche für alle, die grundsätzlich pünktlich sind, sich einmal anzusehen, wie es ist unpünktlich zu sein.

Mitte 2014 habe ich diese Übung über mehrere Wochen durchgeführt. Das hat mich wirklich sehr viel weiter gebracht, als ich anfangs angenommen hatte.

Herausgefunden habe ich dadurch, dass es gar nicht (nur) Zwang aus dem Erlernten ist, warum ich pünktlich bin. Mit dem Auto im Stau zu stehen und ängstlich nach der Uhr zu schielen mag ich nicht, daher plane ich immer eine Zeitpuffer ein. Ich komme gerne als eine der ersten an, weil es mir wichtig ist genug Zeit zu haben um wirklich anzukommen. Es ist mir wichtig, dass ich den Platz, an dem ich sitze oder Yoga mache, selbst wählen kann. Ich mag es nicht in volle Räume zu kommen und alle zu begrüßen, es ist mir lieber anzukommen, wenn noch niemand da ist und Zeit zu haben, mich an die Situation zu gewöhnen.

Seitdem ich das erkannt habe, fühle ich mich viel freier und nicht mehr so zwanghaft. Vor allem ärgere ich mich nicht mehr über andere Menschen, die zu spät kommen.

In meinem Umfeld leben noch immer Menschen, die Probleme mit dem Einschätzen der Zeit haben (anders ausgedrückt, die immer wieder zu spät kommen). Wenn ich Einladungen ausspreche, dann gebe ich oft eine halbe Stunde früher an als ich es sonst machen würde. Dadurch treffen sich unsere „Zeitkreise“ meist dort, wo es für beide gut ist.

Der wichtigste Schritt bei dem Thema war, mich von dem Zwang der Vorgaben aus meiner Kindheit zu lösen und zu erkennen, was der Vorteil an meiner Verhaltensweise ist, um künftig frei über mein Tun entscheiden zu können.


achtsam durch den Tag [#Jahresprojekt 2017]

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Je länger mein Achtsamkeitsprojekt läuft, desto mehr Spaß macht es mir. Das ist schon seltsam, so eine Entwicklung habe ich bisher noch nie erlebt.

Ich bin eigentlich ein Mensch, dem schnell einmal etwas langweilig wird. Ich mag es immer wieder etwas Neues zu starten. Wird etwas zur Routine, halte ich unmerklich Ausschau nach etwas, was mich reizt.

Vielleicht liegt ja gerade darin auch das Geheimnis verborgen – fällt mir gerade beim Schreiben des vorigen Satzes auf – dass ich nämlich jede Woche eine andere spannende Aufgabe bekomme?

#36 Übersehen Sie etwas?

Unser Geist ist nicht dafür gemacht, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Wir sind nicht in der Lage unsere Aufmerksamkeit zu teilen. Versuch es einmal: Richte Deine Aufmerksamkeit auf Deine Empfindungen im rechten Fuß und zähle gleichzeitig von 100 rückwärts. Du wirst merken, dass Du zwar mit der Aufmerksamkeit hin und her springen kannst, aber beides gemeinsam ist nicht möglich.

Dazu kommt, dass vieles, was wir erleben, in „Schubladen der Erinnerung“ eingereiht wird. Ständig vergleicht unser Unterbewusstsein das, was wir erleben mit dem, was wir irgendwann bereits erlebt haben.

Wenn wir jeden Tag den gleichen Weg gehen, nehmen wir die Umgebung kaum noch wahr. Alles ist uns bekannt und wir schenken dem Umfeld keine Aufmerksamkeit mehr.

Vielleicht hängen wir unseren Gedanken nach und sehen dadurch gar nicht, dass der Frühling langsam einzieht und sich am Wegrand das erste Grün zeigt.

Eine gute Achtsamkeitsübung ist, sich allem so zu nähern, als sähen wir es zum ersten Mal. Plötzlich ist da so viel zu entdecken und wir sind ganz im Moment statt mit den Gedanken abzuschweifen und die Einkaufsliste für den nächsten Tag gedanklich fertig zu stellen.

wer versteckt sich hier im grünen Gras?

wer versteckt sich hier im grünen Gras?

Vielleicht ist das auch ein Teil des Geheimnisses, warum wir uns im Urlaub in einer neuen Umgebung so anders fühlen als im vertrauten Umfeld. Aber es ist gar nicht so schwer, sich ein bisschen von diesem Gefühl in den Alltag zu holen. Wir müssen uns nur darauf einlassen, alles mit achtsamen Augen zu betrachten.

Im letzten Jahr habe ich – ohne von dieser Übung gelesen zu haben – viel davon schon umgesetzt. Ich finde bei einem Spaziergang oder einer Wanderung in der Natur die Möglichkeit, ganz im Moment anzukommen und meinen Gedankenkreisel abzuschalten, indem ich mich ganz der Umgebung öffne.

Zusätzlich versuche ich immer wieder andere Wege zu gehen und Abläufe geringfügig zu verändern. Das holt ebenfalls die Aufmerksamkeit in den Moment.

#37 Der Wind

Ich gestehe, mit dieser Übung hatte ich echt Probleme. Es ging darum, sich der Bewegung der Luft gewahr zu werden, sowohl in der offensichtlichen Form des Windes, aber auch in subtileren Formen wie z.B. der Atmung.

Ich habe die Übung 2 Wochen lang gemacht oder besser gesagt versucht zu machen, aber ich bin nicht zurecht gekommen. Vielleicht deshalb, weil das Wetter gerade sehr unwirtlich war und ich kaum nach draußen gegangen bin.

Wie auch immer, es hat einfach nicht geklappt. Vielleicht bin ich auch gerade nicht so achtsam, weil ich mich von so vielen Dingen ablenken lasse.

die Kraft vom Wind ist oftmals deutlich sichtbar

die Kraft vom Wind ist oftmals deutlich sichtbar

Dabei stimmt es gar nicht, dass den Wind zu spüren nur eine Übung ist, die man im Freien durchführen kann. Wenn ich eine Türe öffne, dann verursacht das einen Luftzug. Sogar mein Atem verursacht ein winzig kleine Luftbewegung.

Jede meiner Bewegungen bewegt auch die Luft rund um mich herum. Wenn ich das Fenster öffnen schwappt die kühle Luft von draußen herein.

Aber in diesen beiden Wochen war ich nicht offen dafür, meine Gedanken haben sich immer wieder bei einigen Problemen verfangen und ich konnte mich nicht darauf einlassen.

Nach der zweiten vergeblichen Woche habe ich aufgegeben in der Hoffnung, dass ich mit einer neuen Übung wieder besser zurecht komme.

#38 Zuhören wie ein Schwamm

In dieser Woche ging es darum, anderen Menschen zuzuhören und all das, was das Gegenüber sagt, aufzunehmen wie ein Schwamm. Die Kernaufgabe war, im Geist keine Antworten zu formulieren solange keine Antworten gefragt sind.

Als ich mich dieser Aufgabe gestellt habe, wurde mir zu meiner Überraschung sehr schnell klar, dass ich eigentlich ständig damit beschäftigt bin, nach sinnvollen Antworten und Einwürfen ist Gespräch zu suchen. Dabei bin ich gar kein gesprächiger Mensch, von mir aus rede ich vor allem in größeren Gruppen gar nicht viel.

Aber vielleicht gerade deshalb bin ich so oft auf der Suche nach etwas, das ich zu dem Gespräch beitragen kann.

achtsames Zuhören kann eine Bereicherung sein

achtsames Zuhören kann eine Bereicherung sein

Es hat mehrere Tage gedauert, bis ich mit dieser Aufgabe besser zurecht gekommen bin. Mit der Zeit ist mir aufgefallen, dass ich in den Gesprächen ruhiger geworden bin. Wenn ich einen Gedanken im Kopf habe, den ich aussprechen möchte, bin ich einerseits damit beschäftigt, ihn nicht zu verlieren und andererseits damit, einen Moment zu erwischen, wo ich ihn passend wieder loswerden (=aussprechen) kann. Dadurch fühle ich mich unruhig und auch ungeduldig und kann meinem Gegenüber kaum noch folgen bei dem, was er/sie gerade sagt.

Als es mir gelang, nur zuzuhören, wurde ich mit der Zeit immer entspannter und vor allem interessierter an dem, was mein Gesprächspartner sagte. Statt intensiv nach eigenen Erlebnissen oder Anmerkungen zu suchen, wurde ich immer neugieriger auf das, was ich höre! Statt Antworten und Entgegnungen sind Fragen aufgetaucht, durch die ich mehr vom anderen erfahren habe.

Ich war ganz erstaunt darüber, dass diese kleine Übung so einen großen Unterschied machen kann. Deshalb habe ich gleich noch eine weitere Woche damit weiter gemacht, weil ich so fasziniert war, wie sehr sich alles dadurch verändert.

Das ist wieder einmal eine Achtsamkeitsübung, die ich unbedingt in mein Leben integrieren möchte.

#39 Wertschätzung

Die Aufgabe der Woche war, im Laufe des Tages mehrmals innen zu halten und in sich hinein zu horchen, was man in diesem Augenblick wertschätzen kann. Eine ähnliche Übung habe ich vor einiger Zeit im Yogaunterricht erhalten.

Bereits seit längerer Zeit habe ich Gedanken der Dankbarkeit in mein Morgenritual aufgenommen. Am Morgen jeden Tages lasse ich den vergangenen Tag revue passieren und denke an mindestens 3 Dinge, wofür ich dankbar bin.

Wertschätzung für die Schönheit der Natur

Wertschätzung für die Schönheit der Natur

Gerade überlege ich, was der Unterschied zwischen „Wertschätzung“ und „Dankbarkeit“ ist. Möglicherweise geht die Dankbarkeit einen Schritt weiter als die Wertschätzung.

Vielleicht habe ich daher die Übung gar nicht im Sinne des Buches ausgeführt. Aber für mich sind Wertschätzung und Dankbarkeit schon sehr eng miteinander verbunden.

Jedenfalls gibt es unendlich viele Dinge, für die ich dankbar bin und die ich sehr schätze. Im Grunde kann man sich den ganzen Tag darüber freuen, am Leben zu sein und dieses zu genießen!

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit.
(Émile Coué)

Je mehr wir uns dem Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit hingeben, desto zufriedener und glücklicher werden wir im Leben.

Dankbarkeit und Zufriedenheit hängen meiner Meinung nach unmittelbar zusammen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die guten Dinge des Lebens richten, dann geht es uns fast automatisch gut.

Das ist mit ein Grund, warum ich seit Jahren keine Zeitung lese und auch keinen Fernsehanschluss besitze. In den Nachrichten liest und hört man immer nur von den schrecklichen Dingen auf der Welt. Und auch hier ist es so, dass die Energie unserer Aufmerksamkeit folgt. Wenn wir uns nur auf das Schlecht in unserem Leben konzentrieren, dann kann es passieren, dass wir in den Zustand der Angst und Depression verfallen.

Daher ist die Dankbarkeitsübung so wertvoll für unser Leben, weil sie unsere Aufmerksamkeit auf das Gute in unserem Leben lenkt und uns hilft, die Freude in und an unserem Leben zu kultivieren.


achtsam durch den Tag [#Jahresprojekt 2017]

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